Gelsenkirchener Stadtkinder Auge in Auge mit Wildtieren

Der gut vier Kilogramm schwere Uhu Fritz auf dem Arm der Falknerin Sabine Ehmanns-Kramp beeindruckte mit über einem Meter Flügelspannweite.
Der gut vier Kilogramm schwere Uhu Fritz auf dem Arm der Falknerin Sabine Ehmanns-Kramp beeindruckte mit über einem Meter Flügelspannweite.
Foto: FUNKE Foto Services
Jägerin und Falknerin Sabine Ehmanns-Kramp stellt den Ferienkindern in der „Villa“ in Gelsenkirchen-Heßler die Lebensweise von Bussard, Frettchen und Eule vor.

Gelsenkirchen.. Stadtkinder treffen auf Uhu, Marder und Bussard. Oder etwas kontrastreicher gesagt: Zivilisation auf Wildnis. Da sind Überraschungen vorprogrammiert, bass erstaunte „Ahs und Ohs“ aus den offenen Mündern der Sechs- bis Zwölfjährigen häufig, hin und wieder auch angeekelte „Igitt“-Rufe zu hören. Spätestens als Lutz der Wüstenbussard seine breiten Schwingen über ein totes Eintagshähnchenküken ausbreitet und es genussvoll zerpflückt. Da ist der Gruselfaktor auf dem Spielplatz hinter der „Villa“ in Heßler kurzzeitig hoch.

Aber so ist Mutter Natur nun einmal, überraschend, hart.

Genau zu diesem Zweck, um Fakten zu vermitteln, ist Falknerin Sabine Ehmanns-Kramp zum Jugendzentrum an die Kanzlerstraße gekommen. Mit dabei unter anderem: Jagdhund Emil, Frettchen Findus und Schleiereule Charlotte.

"Du riechst wie ein Iltis"

Das es dabei meist lustig zugeht – versteht sich von selbst, Lernen soll schließlich Spaß machen. Fröhliches Gekicher, kleine Huster und Nasenschniefer gibt es, als die Jägerin aus Gladbeck zum Beispiel die 20 Mädchen und Jungen den handzahmen Findus streicheln und sie am Frettchen riechen lässt. „Puuuuhh!“ ist die häufigste Spontanreaktion. Worauf Sabine Ehmanns-Kramp schlagfertig erklärt: „Du riechst wie ein Iltis – jetzt wisst ihr, woher der Spruch kommt.“

Viel Wissen gibt sie den Kindern mit auf den Weg, etwa dass das Beutespektrum von Bussard Lutz von Kleinvögeln über Eidechsen und Nagetieren bis hin zu Kaninchen reicht und seine Heimat die Wüste von Arizona, Nevada und Mexiko ist. Oder dass die possierliche Eule Charlotte im Gegensatz zu den großen und extrem scharfäugigen Uhus ein geradezu fantastisches Gehör hat und so „eine winzige Maus in einer stockfinsteren Turnhalle fangen könnte“.

Der heimliche Star der Kinder

Weil allzu viel Theorie jeden irgendwann langweilt, ist immer wieder „Action“ angesagt. Im Dreieck aufgestellt und mit Handschuhen aus zähem Leder geschützt, dürfen die Kinder Charlotte von Station zu Station fliegen lassen und mit Hähnchenstücken füttern. Findus hat währenddessen einen Narren an einer Tubenpaste gefressen und die Kinder an ihm. Sie kraulen verzückt seinen Bauch und Rücken.

Überraschenderweise ist aber der schlaue Emil der heimliche Star der Kinder. Attrappen von Fuchs oder Kaninchen verstecken die Kinder im Garten der Villa, ohne dass er es sehen konnte. Der Jagdhund aber findet alles im Nu wieder und apportiert „die Beute“ brav zu Frauchen zurück. „250 Millionen Riechzellen in seiner Nasenschleimhaut, auseinandergefaltet so groß wie ein Fußballfeld“, sagt Sabine Ehmanns-Kramp, machen’s möglich. Da sind die Kinder wieder ganz und gar – baff.

Anschauungsunterricht kommt gut an

Gut angekommen ist die Ferienaktion der Villa bei den Kindern. „Einen Falken habe ich schon mal im Zoo gesehen, aber noch nie so richtig von Nahem. Da kriegt man schon ziemlich großen Respekt – selbst vor den süßen Frettchen, denn die haben ein Raubtiergebiss“, sagt Luca. Die Zehnjährige war schon 2014 beim Ferienprogramm des Jugendzentrums „Villa“ mit von der Partie und „möchte auch künftig daran teilnehmen“.

Ähnlich äußerte sich der gleichaltrige Nico. „Der große Uhu Fritz war imposant – scharfer Schnabel und Fänge und dann noch diese riesigen Flügel. Mit über vier Kilogramm ein echter Brocken.“ Der Zehnjährige gehört zu den Stammkindern der „Villa“ an der Kanzlerstraße. Die Leitung hat Jens Stäbel. Der Sozialpädagoge hat sich für die Ferienkinder wieder ein unterhaltsam-lehrreiches Programm ausgedacht. Nach dem Anschauungsunterricht vor Ort ging es am Donnerstag zur Fortsetzung in den Zoom – nicht nur wegen des Frühlingswetters ein Volltreffer.

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