Gelsenkirchener Paar wartet Monate auf Möbelreparatur

Verbraucherschützerin Heike Higgen.
Verbraucherschützerin Heike Higgen.
Foto: Nikos Kimerlis
Gelsenkirchener Familie wartet seit einem halben Jahr auf die Nachbesserung. Anwalt und Verbraucherschützerin: Klassischer Fall. Rücktritt vom Vertrag.

Gelsenkirchen. Udo Schelig hat, wie man so sagt, „den Kaffee auf“. Seit einem halben Jahr warten er und seine Frau bislang vergeblich darauf, dass der beschädigte Dielenschrank, ein Neukauf, repariert beziehungsweise ausgetauscht wird. Die Familie aus der Zoosiedlung hat sich an die WAZ gewandt und sich anwaltliche Hilfe dazu geholt. Udo Schelig sagt: „Mit uns wurde gespielt, man hat uns von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter und dann noch bis hin zum Abteilungsleiter weitergereicht, eine endlose Warteschleife ohne Ergebnis.“

Was ist passiert? Die Gelsenkirchener haben am 19. September in einem Essener Möbelhaus Dielenmöbel gekauft – Kommode, Garderobe, Schrank und Spiegel. Kosten: rund 2100 Euro. Die Schäden am Dielenschrank haben sie nach der Lieferung sofort reklamiert, erst telefonisch, per Mail, dann persönlich im Geschäft und zuletzt noch schriftlich. „Drei Nachbesserungstermine sind uns versprochen worden“, erzählt Udo Schelig. Dreimal aber seien sie kurzfristig abgesagt worden – mit der Begründung, dass der Hersteller die Ware nicht geliefert habe. „Das letzte Mal, am 14. März, eine halbe Stunde vor der vereinbarten Lieferung. Und dafür nimmt man wieder Urlaub“.

Spätestens das hat das Fass zum überlaufen gebracht, die Familie hat nun über den Gelsenkirchener Anwalt Arndt Kempgens „den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt und die Erstattung des Kaufpreises gefordert“. Anwalt Kempgens und die Gelsenkirchener Verbraucherschützerin Heike Higgen sprechen hier von „ganz einem klassischen Fall“. Oft würden die Kunden mit dem Verweis auf Probleme beim Hersteller hingehalten. Zählt aber nicht: Der Verkäufer, das Geschäft, muss dafür Sorge tragen, dass die Pflichten, die aus dem Kaufvertrag erwachsen, eingehalten werden.

Nacherfüllung

Higgen und Kempgens zur Gesetzeslage: Verbraucher können vom Verkäufer zunächst nur verlangen, dass er das mangelhafte Möbelstück kostenlos repariert (Nachbesserung) oder gegen ein mangelfreies neues austauscht (Nachlieferung). Über Nachbesserung oder Nachlieferung entscheidet der Kunde. Wobei die Nachlieferung nur bei wirklich großen Mängeln zum Tragen kommt. „Haben Sie sich für eine Nachlieferung entschieden“, so Arndt Kempgens, „muss die sofort einwandfrei sein.“

Kaufpreisminderung

Hat auch das nachgelieferte Stück wieder Mängel, oder hat sich der Händler vergeblich bemüht, die Mängel abzustellen – etwa durch eine Reparatur – können Kunden vom Vertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern. Und: Ist der Kaufpreis noch nicht oder nicht vollständig bezahlt, „können Käufer einen entsprechenden Anteil zurück halten“, sagt Higgen. Den Rest brauchen sie erst zu bezahlen, wenn der Händler die Mängel behoben hat.

Rücktritt vom Kauf

Hat sich der Händler letztlich aber vergeblich bemüht, die Mängel abzustellen, können Verbraucher den Rücktritt vom Vertrag erklären und erhalten den Kaufpreis – sofern Sie schon gezahlt haben – zurück. „Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, dass grundsätzlich eine Frist zur Nacherfüllung gesetzt wurde und diese Frist abgelaufen ist“, sagt der Anwalt. Der Händler trägt alle Kosten für die Rückabwicklung des Vertrages.

Reaktion des Möbelhauses

Auf Anfrage dieser Zeitung hat das Möbelhaus reagiert. Sprecher Julian Viering: „Die Fehler liegen auf der Hand und sind nicht wegzudiskutieren. Wir können uns bei unseren Kunden nur in aller Form entschuldigen, dass es – vor allem durch Probleme bei unserem Lieferanten – zu diesen Unannehmlichkeiten gekommen ist.“

Selbstverständlich werde das Haus den beschädigten Schrank nun unverzüglich abholen lassen. „Der Kaufpreis wird in voller Höhe zurückerstattet“, so Viering weiter, der betont, dass es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall unter zehntausenden problemlos abgewickelten Verkäufen handelt. „Wir werden wir alles tun, um so etwas in der Zukunft zu vermeiden.“

Damit hat für Familie Schelig die ärgerliche Geschichte ein Ende. Einen Dielenschrank hat sie zwar noch immer nicht. Zu hoffen ist aber, dass im zweiten Anlauf alles reibungslos klappt.

 
 

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