Gelsenkirchener Hauptstraße ist Freifunk-Gebiet

Die Netzwerker von Hauptstraße, Markt und von Oven Straße mit Philip Berndroth (M.) von Freifunk-Rheinland e.V.
Die Netzwerker von Hauptstraße, Markt und von Oven Straße mit Philip Berndroth (M.) von Freifunk-Rheinland e.V.
Foto: WAZ FotoPool
Eine Initiative von Bürgern für Bürger ermöglicht den freien Weg ins Internet. Gelsenkirchener Händler und Wirte sehen die Hotspots in der Altstadt als Chance für eine Aufwertung ihrer Geschäfte. Über – bislang – 17 Router wird ein Netzwerk geknüpft, das im Quartier für Hotspots sorgt.

Gelsenkirchen.. Die Hauptstraße in der Altstadt zählte zuletzt nicht mehr unbedingt zu den Hotspots der Stadt. Jetzt ist sie es wieder. Oder genauer: Freifunk-Gebiet. Wie auch der Marktplatz, das Rundhöfchen, Teile der Ebertstraße bis zur Parteizentrale der Grünen oder Bereiche der von Oven Straße. An diversen Schaufenstern signalisieren dort im gesamten Bereich kleine Aufkleber: Hier gibt es „freies wlan“ von „freifunk-ruhrgebiet.de“ Über – bislang – 17 Router wird ein Netzwerk geknüpft, das im Quartier den Weg ins Internet öffnet.

Die vereinte Initiative von einigen Händlern, Wirten und der ISG, der Interessen und Standortgemeinschaft Hauptstraße hat das neue Netzwerk mit Hilfe des Vereins Freifunk an den Start gebracht,. „Wir haben das vor einem Jahr schon mal mit einem anderen Partner versucht, aber das lief nicht so glücklich“, sagt Optiker Axel Oppermann. Nun läuft es rund und nicht nur der Geschäftsmann sieht „in einem relativ desolaten Quartier, in dem der Leidensdruck groß geworden ist“, nun die „Chance, die Attraktivität zu steigern“. Oppermann: „Dafür müssen wir jede Möglichkeit nutzen.“

„Es ist keine Registrierung erforderlich, es gibt keine Werbestartseite“

Freier Internetzugang zählt für die Akteure dazu. Für Mit-Initiator Heinz Niski ist Freifunk „ein gutes Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement, gekoppelt mit den Interessen einer ISG“, das letztlich auch zeige: „Man ist in diesem Bereich nicht von Monopolisten und Firmen abhängig, sondern kann auch den Charity-Gedanken mit einem gewissen Eigennutzen verbinden.“

Zwischen 20 und 80 Euro kostet ein Router. „Unser Ziel ist es, ein Netz über die Dächer der Stadt zu spannen“, sagt Philip Berndroth von Freifunk Rheinland e.V.. „Das Smartphone wählt sich automatisch ein. Es ist keine Registrierung erforderlich, es gibt keine Werbestartseite und wir halten es auch nicht für notwendig, personenbezogene Daten zu sammeln“, betont Berndroth

Das Netzt steht – und funktioniert. „Wir sehen, dass es gut angenommen wird“, sagt Robert Strutzynger vom Café Faber. „Für uns ist das Angebot schon ein Vorteil“, findet Gerhard Krings, der von seinem Gastro-Betrieb an der Hansemanstraße „den Bereich Markt bestrahlt“. Eine Netzausweitung hin zur Ahstraße und auch Richtung Musiktheater kann sich Oppermann in nächster Zeit vorstellen. Politisch in den Ratsgremien wollen Grüne und Piraten das Thema in der Stadt vorantreiben. Die Vorlage liefern Kommunen, die Standorte auf öffentlichen Gebäuden zur Installation von Wlan-Routern bereitstellen. Berndroth: „Solche Zugänge sind für uns das wichtisgte. Da gehen im Moment viele Türen auf.“

„Wir verkaufen nichts, wir pflegen keine kommerziellen Interessen“

Deutschlandweit sind die Freifunker aktiv, überziehen Innenstädte von Arnsberg über Köln bis Berlin mit Netzwerken. Philip Berndroth von Freifunk Rheinland e.V. ist dabei revierübergreifend unterwegs.

„Keiner verdient mit Freifunk Geld“, so Berndroth. Ihre Wurzeln hat die Initiative in Berlin. Sie sieht das Internet als zentralen Teil der Grundversorgung – frei zugänglich für alle, ohne Zensurmöglichkeit, nicht abschaltbar. Finanziert werde die Arbeit allein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. „Wir stellen Router auf und bespielen sie mit einer eigens entwickelten Software. Wir bauen so dezentrale Netzwerke von Bürgern für Bürger auf. Wir verkaufen nichts, wir pflegen keine kommerziellen Interessen“, betont Berndroth.

Freifunk hat als Verein Provider-Status mit ISP-Adresse (Internet Service Provider), sei aber eben kein klassischer Internet-Provider. „Wir wollen nur Alternativen bieten“, sagt Berndroth. Wie in jedem WLAN-Netz sollten Nutzer natürlich die üblichen Sicherheitsaspekte für den Schutz ihrer eigenen Daten beachten. Geschäfte und Cafés können Kunden kosten- und risikofrei Internetzugang bieten. Von der Störerhaftung sind sie ausgeschlossen.

 
 

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