Gelsenkirchener haben mordsmäßigen Spaß mit „Schitt häppens“

Zur Premiere seines Buches las Autor Herbert Knorr (rechts) zusammen mit Kabarettist Fritz Eckenga in der Zeche Hugo aus seinem Werk.
Zur Premiere seines Buches las Autor Herbert Knorr (rechts) zusammen mit Kabarettist Fritz Eckenga in der Zeche Hugo aus seinem Werk.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Autor Herbert Knorr stellte mit Fritz Eckenga sein neues Buch in der Zeche Hugo vor. 200 Gäste wurden mit dem Steigerlied begrüßt.

Gelsenkirchen.. Er kennt die Gestalten alle. Ausnahmslos. Denn er schreibt ja nicht über irgendwelche Typen, die nur seinem verrückten Geist entspringen. „Schitt häppens. Von Serienmördern und Stehpinklern“. In der Zeche Hugo, Schacht 2, stellte Herbert Knorr sein neues Buch mit genau diesem Titel vor. 200 Gäste, Interessierte, Begeisterte wurden traditionsgemäß mit dem Steigerlied begrüßt.

Und da ist man auch schon mitten im Geschehen. Denn Jupp, der passionierte Stehpinkler muss weg, hat Martha beschlossen. Jupp versaut seit Jahrzehnten ständig die guten Fliesen, weil er sich nicht aufs Klo setzt. Die alten Knochen seiner 86-jährigen Frau machen die ständige Schrubberei nicht mehr mit. Aber wenn sie was sagt, stimmt Jupp nur das Steigerlied an: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.“ Sogar auf’m Klo.

Nichts für Weicheier

Außerdem „war Jupp immer im Vorgarten seine Seilscheibe am Scheuern oder oben bei seine Täubkes oder inne Kneipe“. Ganz klar, der Jupp musste weg. Martha Kowalski, geborene Woitkowiak, fängt also an, „alle Geschichten von Mord und Totschlach aussen Pott“ zu sammeln, um ihren Jupp „irgendwie über die Emscher zu schicken.“

Eine Warnung steht gleich vorne auf den ersten Seiten: „Dieses Buch is nich immer politisch korrekt und schon gar nix für Weicheier! Ging aber nich anders, weil: is eben so... Die Margret aus Witten sacht immer: Herr vergibse, da brauchse kein Zement!“

Herbert Knorr, promovierter Autor und Literaturwissenschaftler, leitet im richtigen Leben das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V. So richtig weiß man nicht, ob ihm das Schreiben des Buches oder seinem Publikum in der Zeche das Zuhören mehr Spaß gemacht hat. Fest steht: So kann man nur schreiben, wenn man „aussen“ Ruhrpott kommt. Er nennt die Dinge beim Namen, beschreibt das Leben von Deutschen und Ausländern, dieses Mit- und Nebeneinander dermaßen witzig und grotesk, dass die Gäste bei der Lesung ihre Getränke vor Lachen nicht mehr ruhig in der Hand halten können.

Begeisterte Besucher

„Ich hab mich bei dem Buch so richtig austoben können“, verrät Knorr. „Das hat so viel Spaß gemacht mit so tollen Figuren.“ Begeistert war auch Manuela Richter, die mit Knorr Volleyball spielt, aber zum ersten Mal bei einer Lesung von ihm dabei war. „Man kann das, was er beschreibt so herrlich nachvollziehen“, fand sie, die ihrem Ehemann Jürgen den Abend geschenkt hatte. Auch Gerda Kartenberg aus Essen genoss die Veranstaltung. „Ich hab noch keine Bücher von Herbert Knorr gelesen, das werde ich jetzt aber machen.“

Kabarettist Fritz Eckenga, der die Rahmengeschichte vorlas, war genauso umjubelt wie Knorr, der Hauptakteur des Abends, der jetzt mit seinem Buch auf Lesereise gehen will.

 
 

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