Gelsenkirchener einig: „Es muss friedlich bleiben“

Nach dem Putschversuch in der Türkei demonstrierten im Ruhrgebiet in der Nacht zum 16. Juli viele Menschen mit türkischen Wurzeln. So wie in Duisburg, wo 3000 Leute spontan auf die Straße gingen.
Nach dem Putschversuch in der Türkei demonstrierten im Ruhrgebiet in der Nacht zum 16. Juli viele Menschen mit türkischen Wurzeln. So wie in Duisburg, wo 3000 Leute spontan auf die Straße gingen.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Vor der Demo am Sonntag in Köln beziehen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln Stellung
  • Ihr Eindruck: Türkische Probleme und Politik werden nach Deutschland getragen
  • Bei der Linken kam Freitag ein türkischer Oppositionspolitiker zu Wort

Gelsenkirchen.  „Wir haben Vertrauen in die lokale Kultur.“ Sagt Linke-Sprecher Hartmut Hering am Freitag, wenige Stunden vor Beginn der Diskussionsrunde mit Faysal Sariyildiz, dem Abgeordneten der türkischen Oppositionspartei HDP im Parteibüro der Linken. Deshalb habe man die Polizei auch nicht um Schutz der Veranstaltung gebeten. Anders schätzt Hering die Demo in Köln am Sonntag ein.

„Wir sollten nicht zulassen, dass hier Stellvertreterkriege durchgeführt werden“, sagt Hering. Dass die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf deutschem Boden ausgetragen wird, davon hält er nichts. Das gilt auch für Äußerungen des Ditib-Imams nach den Übergriffen auf einen der Gülen-Bewegung nahestehenden Jugendtreff in Hassel. „Was der abgelassen hat, geht gar nicht.“

Taner Ünalgan, mit 23 Jahren Benjamin der SPD-Ratsfraktion und Vorsitzender der SPD Altstadt, ist jemand, der sich „grundsätzlich über jeden jungen Deutschen freut, der sich politisch engagiert“. Denn: „Meinungs- und Demonstrationsfreiheit gehört in unserer Verfassung dazu.“ Und dann kommt das Aber: Die Demo am Sonntag in Köln, zu der Erdogans AKP-nahe Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) aufgerufen hat, stellt bei aller Liebe Ünalgans zur Meinungsfreiheit eine besondere Situation dar. „Weil da ein türkischer Präsident versucht, über seine Organisation in Deutschland Politik zu machen. Das ist keine private Meinungsdemonstration, sondern der Versuch, türkische Politik nach Deutschland zu tragen.“ Ünalgan, der die dritte Generation seiner aus der Türkei stammenden Familie repräsentiert, glaubt, dass die UETD-Veranstaltung dafür sorgt, „dass die Stimmung weiter angeheizt wird“.

In Anspielung auf den Putschversuch in der Türkei meint CDU-Stadtverordneter Ilhan Bükrücü, was dort passiert sei, das gehe gar nicht. Den Vorfall in Hassel bezieht er gleich mit ein. Und zur Demo in Köln: „Eigentlich darf man die Situation in der Türkei nicht hier austragen. Ich hoffe nur, dass es in Köln nicht zur Eskalation kommen wird.“ Man könne ja seine Meinung haben, „aber das darf nicht in Gewalt ausarten“. Allerdings hält er es auch für falsch, die Demo jetzt zu verbieten. Und: „Bis jetzt hat Erdoğan nichts gemacht, was nicht demokratiekonform ist.“

Ünalgan fürchtet: „Die Stimmung wird weiter angeheizt“

Der Gelsenkirchener Unternehmer Erhan Baz (MrChicken) will sich mit Blick auf die Diskussion „neutral verhalten“, er verweist jedoch darauf, dass hier in Deutschland das Demonstrationsrecht ein Grundrecht sei. Insofern seien die angekündigten Proteste in Köln legitim. „Es muss nur friedlich bleiben.“ Baz legt zudem Wert auf die Feststellung, dass nach dem Putschversuch in der Türkei Kräfte aller Richtungen auf die Straße gegangen seien. „Daher bin ich froh“, so der Geschäftsmann, „dass am Ende die Demokratie gesiegt hat.“

Atilla S. Öner, Vorsitzender des Internationalen Unternehmerverbandes RuhrStadt e. V. (IntUV) formuliert seinen Einschätzung so: Der türkische Staatspräsident habe offensichtlich „ein Interesse daran, die hier lebenden Migranten auf seine Seite zu ziehen“.

Und was ist mit der Demo am Sonntag, zu der die UTED aufgerufen hat? „Solche Sachen sollte man in den Ländern belassen, wo sie geschehen. Und das hier ist der Kampf der Türkei.“

 
 

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