Gelsenkirchener bauen Gesundheitszentrum in Kobanê mit auf

Waren in Kobanê: (vlnr sitzend) Nicole Hardert, Bernd Materna und Michael Pillibeit sowie (vlnr stehend) Joachim Niegisch, Günter und Susanne Wagner.
Waren in Kobanê: (vlnr sitzend) Nicole Hardert, Bernd Materna und Michael Pillibeit sowie (vlnr stehend) Joachim Niegisch, Günter und Susanne Wagner.
Foto: Funke Foto Services
170 Menschen aus aller Welt halfen im syrischen Kobanê beim Aufbau eines Gesundheitszentrums. Unter ihnen auch zehn Gelsenkirchener.

Gelsenkirchen. Als die erste Gruppe im Juni angereist war, um in Kobanê den Grundstein für ein neues Gesundheitszentrum zu legen, sorgte der so genannte IS noch einmal für entsetzlichen Schrecken. Die Gelsenkirchenerin Silke Toboldt war in der internationalen Helfergruppe. Alle haben überlebt. So wie die Menschen, die ihre Heimat in der syrisch-kurdischen Grenzregion im September 2014 entschlossen verteidigt hatten. „Es gab eine weltweite Solidarität mit dieser Stadt, die sich 134 Tage wehrte und die die IS-Faschisten vertrieben hat“, erinnert Susanne Wagner.

Auch die 61-jährige chemisch-technische Assistentin war zum ehrenamtlichen Einsatz in Kobanê, hat dort gelernt, Eisen zu biegen, hat geholfen, in den Ruinen ehemaliger Wohnhäuser nach brauchbarem Baumaterial für das Gesundheitszentrum zu suchen. 40, 50 Kilometer von der Front entfernt. In einem Ort, der zu 80 Prozent in Schutt und Asche lag. Insgesamt haben hier 170 Frauen und Männer aus unterschiedlichen Ländern mit angepackt. Koordiniert worden war der Einsatz von ICOR, dem internationalen Zusammenschluss kommunistischer Parteien und Organisationen, der über das Internet zur Hilfe aufgerufen hat.

„Keiner hat zwei Linke Hände. Ich selbst habe nicht geglaubt, was ich kann“

Joachim Niegisch (56), von Haus aus Industriekaufmann, sagt: „Wir sind schon vorbereitet worden auf unseren Einsatz. Wenn man hier einem Bauunternehmer erzählt, was die Leute da geleistet haben, glaubt der das nicht.“ Und setzt lachend nach: „Keiner hat zwei linke Hände. Ich selbst habe nicht geglaubt, was ich alles kann.“

In Kobanê selbst, berichten die Helfer im Gespräch mit der WAZ, gab es immer eine feste Gruppe von einheimischen Bauarbeitern, „die bei 46 Grad im Schatten geschuftet haben.“ Einer lacht: „Es gab gar keinen Schatten.“ Wie strapaziös der Einsatz ist, merkt man Dr. Günter Wagner an. Der 66-Jährige war in der letzten Arbeitsgruppe in Kobanê und erst wenige Stunden vor dem Gespräch wieder in Düsseldorf gelandet.

Der militärische Sieg gegen den IS sei eine Sache, „aber damit allein kann man nicht leben. Die Menschen sind zusammengerückt.“ Wenn das Obergeschoss eines Hauses zerstört sei, würden die Leute im Erdgeschoss auf zwei Zimmern leben. „Für uns alle war beeindruckend, welchen Wiederaufbauwillen wir bei der Bevölkerung erlebt haben.“ Aber auch, wie sie der Krieg geprägt hat. Der ursprüngliche Bauplan wurde auf Wunsch der Leute geändert: Also wurde ein Schutzkeller gebaut.

Kein humanitärer Korridor

Und dann die bedrückende Kehrseite der Medaille: Die Türkei hat die Grenzen dicht gemacht. Es gibt keinen humanitären Korridor. Teile der insgesamt 16 Tonnen Werkzeug für den Wiederaufbau und andere Hilfsgüter sind noch nicht angekommen; nur ein Teil gelangte illegal über die Grenze. Auch das gespendete medizinische Gerät muss noch nach Kobanê geschafft werden, wo der fertige Rohbau auf Inbetriebnahme wartet.

Ungeachtet dieser Probleme wurde vor einer Woche symbolische Übergabe des neuen Zentrums in der Horster Mitte gefeiert. Und die Ehrenamtlichen, die dort im wahren Sinne malocht haben.

 
 

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