Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Zweijähriger ertrinkt in Hallenbad – Augenzeugin beschreibt schreckliche Szenen

Im Hallenbad Sport-Paradies ist am Pfingstmontag ein Junge (2) ertrunken. Eine Augenzeugin berichtet von schlimmen Szenen.
Im Hallenbad Sport-Paradies ist am Pfingstmontag ein Junge (2) ertrunken. Eine Augenzeugin berichtet von schlimmen Szenen.
Foto: Thomas Schmidtke / Funke Foto Services

Gelsenkirchen. Elke* hat immer noch nicht verdaut, was sie vor knapp zwei Wochen beobachtet hat. Sie ist gerade auf dem Rückweg von der Dusche im Hallenbad Sport-Paradies in Gelsenkirchen. Nur zwei Schritt entfernt von ihr sieht sie, wie ein Mann ruckartig einen kleinen Jungen aus dem Wellenbad zieht.

Das zweijährige Kind bewegt sich nicht mehr. Es ist ertrunken, jede Hilfe kommt zu spät.

Gelsenkirchen: Zweijähriger ertrinkt im Sport-Paradies

Die Mutter dreier Kinder möchte anonym bleiben, daher nennen wir sie nachfolgend Elke. Nur durch Zufall landet sie mit ihrer Familie und Freunden an diesem Tag im Hallenbad Sport-Paradies. Sie hat Angst, dass Gewitter sie in einem Freibad überraschen könnte.

Sie beschreibt die Situation an diesem Pfingstmontag als katastrophal. Der Betreiber, die Stadtwerke Gelsenkirchen, zählen an diesem Tag 1.300 Besucher.

Schmutz, Dreck, Chaos - irgendwann wird es ihr zu viel, sie entschließt sich, nach Hause zu gehen.

Gerade als sie sich geduscht hat, läuft sie entlang des Wellenbeckens zurück zu ihrem Platz. Dann hört sie den Schrei eines Bekannten, der mit dem Finger aufs Wasser zeigt. „Da lag der kleine Engel völlig bewegungslos“, schildert sie das Unglück. Treppen führen an der Stelle in den Nichtschwimmerbereich des Wellenbads. Nach hinten hin wird das Becken dann immer tiefer. „Vielleicht hat ihn eine Welle erfasst. Er trug keine Schwimmflügel oder eine Schwimmweste“, erzählt die Mutter, die immer noch unter Schock steht.

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Zeugin erhebt Vorwürfe gegen Bademeister

Dann kommen Bademeister, versuchen den Zweijährigen wiederzubeleben. Die Obduktion ergibt später: Das Kind ist ertrunken. „Die Bademeister konnten ihn nicht mehr retten. Auch schafften sie es nicht, die anderen Badegäste, die teils ihre Handys zückten, fern zu halten“, moniert die Augenzeugin. Sieben Bademeister sind an diesem Tag im Einsatz. Die Mutter des syrischen Kindes kommt erst später hinzu und ist in Tränen aufgelöst.

Erst 20 bis 30 Minuten später wird das Bad geräumt, behauptet die 42-Jährige. Eine Sprecherin der Stadtwerke möchte dazu keine Angaben dazu machen, verweist auf das laufende Verfahren. Noch ermittelt die Polizei, befragt Zeugen. Auch Augenzeugin Elke ist vorgeladen.

Stadt will Eltern mit Schildern und Broschüren sensibilisieren

Es ist bereits der zweite Fall in diesem Jahr, dass ein Kind in einem Gelsenkirchener Schwimmbad verstirbt. Im Januar ertrinkt ebenfalls ein fünfjähriges Mädchen im Zentralbad - auch für dieses Kind kam jede Hilfe zu spät.

Die Stadtwerke planen nun, Eltern und Erziehungsberechtigte besser aufzuklären. Stellten am Freitag eine Kampagne vor. Mehr Schilder in den Bädern der Stadt und Broschüren sollen die Aufmerksamkeit der Eltern fürs Thema Sicherheit erhöhen.

*Der Klarname ist der Redaktion bekannt.

 
 

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