Gelsenkirchen zeigt „die Würde des Menschen ist tastbar“

Foto: FUNKE Foto Services
  • Zum Nachdenken und Diskutieren über das Deutsche Grundgesetz will das Kunstprojekt #deineWürde einladen
  • Der Künstler Hermann J Kassel hat das Konzept gemeinsam mit der Galeristin Jutta Kabuth ausgearbeitet
  • Eine Ausstellung soll das Thema präsent machen, parallel sind bundesweite Aktionen geplant

Gelsenkirchen..  „Die Würde des Menschen ist tastbar“ – mit diesen Worten lädt der Ruhrgebietskünstler Hermann J Kassel ab dem heutigen Freitag zur Ausstellung „#deineWürde“ in die Galerie Kabuth ein.

Erinnerungen an den 11. September 2001

Dabei hat er den Schriftzug in eine gelbe Platte eingeritzt, so dass er tastbar und erfahrbar wird.

Die Leitsätze des Deutschen Grundgesetzes hat der gebürtige Oberhausener, der inzwischen in Gladbeck lebt und in Mechernich künstlerisch arbeitet, zu moderner Kunst erhoben. Auf ausdrücklichen Wunsch der Gelsenkirchener Galeristin Jutta Kabuth, die ihn im vergangenen Jahr bat, künstlerische Arbeiten zum Thema Menschenwürde zu erstellen. „Ich finde, in der heutigen Zeit muss man Farbe bekennen – und Bürger zum öffentlichen Diskurs über das Grundgesetz einladen“, betont die Galeristin, die in Hermann J Kassel, dessen Kunstobjekte im Öffentlichen Raum in Gelsenkirchen und in der kinetischen Sammlung des Kunstmuseums zu finden sind, schnell einen Verbündeten fand.

Bereits vor 15 Jahren arbeiteten beide zusammen, erstellten die Ausstellung „Auf Ewig“ im Horster Schloss. „Und am Tag der Eröffnung passierten die Anschläge des 11. Septembers, von da an war alles anders als geplant“, erinnert sich Hermann J Kassel, der in der aktuellen Ausstellung mit kopierten Fotografien von George Bush und aus dem Foltergefängnis Abu Ghraib einen Bezug zu diesem Tag herstellt.

Immer wieder taucht in seiner Bilderserie mit internationalen Flaggen der gefolterte Mann auf, der nackt und mit Fäkalien bedeckt seine Arme ausstreckt wie Jesus am Kreuz. Für Hermann J Kassel ist dieser Mann zum Symbol geworden, für einen Menschen, dem seine Würde genommen wurde, der gefoltert wird, der auf der Flucht ist vor seinen Peinigern.

In den Bildern dieser Ausstellung lässt Kassel diesen Symbolmensch durch die Flaggen wandern, mal scheint er zu tanzen, mal wird er zu einer tragischen Figur oder zu einer Menschenflut. Den Bildern hat der Künstler ein Aquarium gegenübergestellt, in denen zwei weiße Handschuhe unablässig in Bewegung sind. „Das sind Symbole für all’ die Hände, die in Unschuld gewaschen werden“, betont er.

Abseits von den Bildern des Grauens lassen sich in dieser Werkschau auch kleine Stempel mit Aufschriften wie „ich bin wertvoll“ und gelbe Quadrate mit schwarzen QR-Codes finden, die man direkt vor Ort mit dem Smartphone einscannen kann.

Sie führen den Betrachter zu Internetseiten, auf denen jedem Bild Auszüge aus dem Grundgesetz zugeordnet sind. Dahinter steckt das Projekt #deineWürde, das Menschen zum Nachdenken und Mitdiskutieren über die Gesetzestexte einladen soll. Und zwar gleich auf mehreren Kanälen: „Auf Facebook, Twitter, Youtube und Instagram“, sagt Jutta Kabuth.

Auch die Jugend soll mit ins Boot geholt werden

„Ich habe im Vorfeld lange überlegt, wie ich auch Jugendliche dazu bringen kann, sich für Kunst und dieses Thema zu interessieren und bin dann zu dem Schluss gekommen, sie dort abzuholen, wo sie stehen“, erklärt Kassel. Gemeinsam mit Jutta Kabuth will er in den kommenden Wochen das Projekt auch an Schulen und bei Unternehmen oder Vereinen bundesweit vorstellen. Die graffitiresistent beschichteten Platten mit QR-Code kann übrigens jeder über die Galerie Kabuth bestellen. In Gelsenkirchen fällt heute Abend der Startschuss für das Projekt. Und obwohl die Kunstplatten in Anlehnung an Klaus Staecks „Vorsicht Kunst!“ gelb und schwarz sind, gibt es speziell für Gelsenkirchen auch eine Sonderedition mit weißen Pixeln auf blauem Grund. . .

Eröffnet wird die Ausstellung „#deineWürde“ mit Werken von Hermann J Kassel am heutigen Freitag, 16. September, um 19.30 Uhr.

Die Ausstellung ist bis zum 4. November in der Galerie Jutta Kabuth an der Wanner Straße 4 in der Gelsenkirchener Altstadt zu sehen.

Besichtigungen der Ausstellung sind nach Vereinbarung unter Telefon 0209 1487461 möglich. Ideen zum Projekt gibt es auf deinewuerde.de und auf den entsprechenden Seiten von Facebook, Twitter, Instagram und Youtube.

 
 

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