Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: So gefährlich ist Radfahren an DIESER Straße

Der Schutzstreifen an der De-La-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen sorgt für Diskussionsstoff.
Der Schutzstreifen an der De-La-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen sorgt für Diskussionsstoff.
Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen. 19 Prozent der Radfahrer stufen das Fahrradfahren in der Stadt laut ADFC als gefährlich ein. 84 Prozent von denen ärgern sich über zu viele Autos, 60 Prozent darüber, dass es keine Radwege gibt.

Die Stadt Gelsenkirchen hat etwas dagegen getan und an der De-La-Chevallerie-Straße einen Schutzstreifen für Radfahrer eingerichtet. Der löst nicht nur wegen seiner grellblauen Farbe rege Diskussionen aus. Ein ADFC-Mitglied hat ihn sogar als „Gefährundungsstreifen“ bezeichnet.

Gelsenkirchen: Neuer blauer Radweg an der De-La-Chevallerie-Straße

Und tatsächlich: „Der Streifen ist mit 1,50 Meter Breite relativ schmal geworden“, findet auch Maja Tölke, Vorsitzende des ADFC in Gelsenkirchen.

Hinzu kommt: Autofahrer würden sich durch den Streifen nicht mehr an den Überholabstand von 1,50 Meter halten. Die Autofahrbahn neben dem Streifen ist überbreit, bei Bedarf dürfen hier zwei Autos nebeneinander fahren. Da bliebe wenig Platz für angemessenen Überholabstand.

Schild führt Fahrer „in die Irre“

Neben dem neuen Streifen ließ die Stadt Gelsenkirchen ein Schild aufstellen. Darauf fahren zwei Autos nebeneinander, und daneben eben noch der Radfahrer. „Nett gemeint, führt aber in die Irre. Wenn da zwei Autos nebeneinander fahren, habe ich den Seitenspiegel ja schon an der Handbremse meines Rads“, sagt Tölke. Das Schild sei eine Anleitung zu Fehlverhalten.

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Oliver Schäfer, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, sagt, dass „gegenseitige Rücksichtnahme“ an diesem Schutzstreifen nötig sei. Nur bei Bedarf dürfe der Streifen überfahren werden, und sei es notwendig, müsse der Autofahrer die Geschwindigkeit reduzieren.

Blauer Streifen erhöht Sichtbarkeit

Zudem sei der Streifen in dem auffälligen Blauton gehalten, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Und das scheint zu funktionieren: „Als das noch in der Bauphase war, haben wir bemerkt, dass die Autofahrer mehr Platz bei dem blauen Streifen ließen und bei dem Teil, der noch nicht blau eingefärbt war, mehr über die gestrichelte Linie gefahren sind“, sagt der Pressesprecher

Der Schutzstreifen sei außerdem nur eine Übergangslösung, weiß Schäfer. „Geplant ist, die Straße für Autos einspurig zu machen.“ Auf lange Sicht soll der Innenstadtbereich in Buer vom Verkehr entlastet werden, das bringe mehr Qualität für alle Verkehrsteilnehmer.

Immer mehr Radfahrer im Revier

Dass die Stadt etwas für die Radfahrer tut, erkennt Tölke gern an. „Als ich hergezogen bin, habe ich mich auf dem Rad manchmal fast einsam gefühlt“, erinnert sich Tölke.

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Es seien zwar inzwischen mehr Radfahrer – „Mein Traum ist, dass wir irgendwann so viele Radfahrer sind, dass wir nicht alle in einer Grünphase über die Ampel kommen“, so Tölke. Dazu müsse die Infrastruktur weiter verbessert werden.

Mehr Radfahrer durch bessere Radwege

Sie ist sicher, dass dann mehr Menschen in der Stadt auf das Rad umsteigen würden. „Es müsste so sicher und komfortabel sein wie jetzt bei den Bahntrassen-Radwegen. Die sind super. Hätten wir solche Strukturen auch in der Stadt, würden sie mehr Leute auch im Alltag nutzen.“

Das wünscht sich auch Schäfer. „Optimal wäre ein Radstreifen von 2,5 Metern an der De-La-Chevallerie-Straße. Da wollen wir auf lange Sicht hin“, sagt er. „Wir planen weiter hin zu einer Mobilität, die alle Verkehrsteilnehmer gleich gut behandelt.“ (vh)

 
 

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