Gelsenkirchen sieht sich mit Zuwanderungskonzept auf richtigem Weg

Die Hauptschule Am Dahlbusch ist eine der Schulen mit Internationalen Förderklassen.
Die Hauptschule Am Dahlbusch ist eine der Schulen mit Internationalen Förderklassen.
Foto: WAZ
2914 Zuwanderer aus Rumänien und 1308 aus Bulgarien leben inzwischen in Gelsenkirchen, darunter viele Kinder. Eine „Riesenherausforderung“ für die gesamte Stadt. Um sie zu bewältigen, hat die Stadt vor einem halben Jahr ein Handlungskonzept auf den Weg gebracht. Zeit für eine erste Bilanz.

Gelsenkirchen. Es bleibt eine „Riesenherausforderung für alle“. Nach einem halben Jahr Praxis mit dem Handlungskonzept zur Zuwanderung aus Osteuropa hat die Stadt Gelsenkirchen jetzt eine erste Bilanz gezogen: „Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen, es bleibt allerdings noch viel zu tun, zumal der Zuzug von Menschen vor allem aus Rumänien und Bulgarien ungebrochen hoch ist“, resümiert Hans-Joachim Olbering, der das Projektteam leitet. Und Sozialdezernentin Katrin Welge verweist auf ein Grundprinzip: „Wer hier willkommen geheißen werden will, muss sich an Regeln halten. Und wer dies tut, bekommt eine faire Chance, hier anzukommen und Fuß zu fassen.“

Kein Kind zurück lassen

Derzeit sind in Gelsenkirchen 2914 Zuwanderer aus Rumänien und 1308 aus Bulgarien gemeldet. Während bei den Bulgaren ein stetiger Anstieg zu beobachten sei, weise die Kurve bei den Rumänen steil nach oben, erklärt Olbering. Den größten Anteil stellen in beiden Gruppen die 25- bis 45-Jährigen, die Kinder und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren machen bei den Rumänen einen fast ebenso großen Anteil aus. „Kein Kind zurück lassen“ – dieses Prinzip hat sich die Stadt schon vor langem zu eigen gemacht. Die Eingliederung in Regelsysteme bleibt das oberste Ziel. Die Förderung der Sprache, der kulturellen und sozialen Kompetenz sind Schritte auf dem Weg. Zudem sollen die Kinder geimpft und untersucht werden; 116 wurden in 2013 geimpft, 300 sollen in 2014 zur Schuluntersuchung.

Für die Jüngsten unter den Zuwanderern gibt es das Angebot einer mobilen Kita, mit der bis zu 650 Kinder erreicht werden könnten, 106 Kinder besuchen eine feste Einrichtung. Die 36 Internationalen Förderklassen (IFÖ) haben derzeit 609 Schüler und stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen ebenso wie die Alphabetisierungsklassen, für ältere Schülerinnen und Schüler, die weder Lesen noch Schreiben können.

Leistungsmissbrauch verhindern

Es gibt Schulbegleiter für 100 Kinder, 70 Schulbedarfspakete wurden schon ausgegeben. „Die Zuwanderer stehen dem Thema Bildung sehr offen gegenüber“, lobt Olbering den regelmäßigen Schulbesuch. Schwierig ist es für die Eltern dieser Kinder und Jugendlichen, denn 90% von ihnen haben weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung. In ihrer Heimat haben sie oft in Berufen gearbeitet, mit denen man hier nichts anfangen kann.

Das Integrationscenter für Arbeit (IAG) prüft Anträge und Bewilligungsvoraussetzungen für Sozialleistungen streng. 330 Familien haben in 2014 einen Antrag gestellt, so Dirk Sußmann vom IAG: „14 haben wir bewilligt, 125 wurden nicht bewilligt, 139 werden noch geprüft.“

Leistungsmissbrauch soll unbedingt verhindert werden. Deshalb wird auch die angegebene Personenzahl auf Plausibilität geprüft und wird auf ein „würdegerechtes Wohnen“ geachtet. Für unbewohnbare Wohnungen zahle das IAG nämlich nicht, sagt Sußmann. In enger Zusammenarbeit mit anderen Behörden, wie Polizei, Zoll und Finanzamt, will man „Schlepper“- Banden, illegalen Arbeitsvermittlern und verdächtigen Vermietern das Handwerk legen.

Stadt hat besonderes Auge auf Müll-Problem

Die Stadt hat ein Interventionsteam gebildet, das unter Leitung des Kommunalen Ordnungsdienstes, der demnächst um fünf Stellen aufgestockt wird, regelmäßig tagt.

Man geht gegen aggressives Betteln vor – Bettelerlöse wurden schon eingezogen – wie auch gegen Verkehrsverstöße. 290 Verwarnungen wurden bereits ausgesprochen und Verwarngelder in Höhe von 6995 € verhängt, 121 Fahrzeuge hat man bereits abgeschleppt und erst nach Bezahlen der Gebühren wieder herausgegeben. Gründe fürs Abschleppen sind etwa falsches Parken, mangelnde Verkehrssicherheit, fehlende Plaketten oder fehlender Versicherungsschutz.

Der Müll ist ein Ärger-Thema für viele Bürger, die Stadt hat deshalb besonders ein Auge darauf. Rund 251 Liter Müll rechnet man pro Bewohner, entsprechend stellt die Stadt Abfallbehälter auf und benachrichtigt die Grundstückseigentümer, die dafür zahlen müssen.

Bei Beschwerden sofort reagieren

Um rund 6300 Liter hat die Stadt seit Mitte vergangenen Jahres jede Woche das Müllbehältervolumen erhöht. Gehen Beschwerden von Bürgern ein, holt Gelsendienste den Müll innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Außerdem gibt es Streifengänge in den Abendstunden, die wildes Müllkippen verhindern sollen.

Auf Grund von Hinweisen von Bürgern, die eine Kindeswohlgefährdung befürchteten, hat der städtische Sozialdienst schon 182 Hausbesuche bei 71 rumänischen und bulgarischen Familien durchgeführt. Eine Kindeswohlgefährdung wurde in keinem Fall festgestellt. Geachtet wurde dabei auf Hygiene, Versorgung und Betreuung der Kinder. 37 sogenannte „Klau-Kids“ wurden von der Polizei abgeliefert und in Obhut genommen.

 
 

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