Gelsenkirchen

Wie schlimm ist Gelsenkirchen wirklich? „Armut, Arbeitslosigkeit, AfD“ – So berichtet eine Zeitung aus Ostwestfalen über die Stadt

Nicht überall in Gelsenkirchen hängt der Haussegen so schief wie an dieser Fassade.
Nicht überall in Gelsenkirchen hängt der Haussegen so schief wie an dieser Fassade.
Foto: imago/biky

Gelsenkirchen. Die Stadt Gelsenkirchen gerät immer wieder in Negativ-Schlagzeilen.

Studien zufolge sei die Lebensqualität in keiner anderen deutschen Stadt so schlecht wie in Gelsenkirchen. Weil die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl ihr bestes NRW-Ergebnis in Gelsenkirchen holte, hängt der Stadt nun auch noch ein brauner Ruf an. Und dann auch noch das: Laut „testberichte.de“ hat Gelsenkirchen in diesem Jahr den scheußlichsten Weihnachtsmarkt der ganzen Republik.

Wie schlimm ist Gelsenkirchen wirklich?

Ist es in Gelsenkirchen wirklich so schlimm? Ist die Stadt wirklich geprägt von „Armut, Arbeitslosigkeit und AfD“? Diesen Fragen ging die „Neue Westfälische“ auf den Grund.

Nach einem ausgiebigen Besuch der Stadt kamen die Reporter aus dem fernen Ostwestfalen zu einer eindeutigen Antwort: Gelsenkirchen hat deutlich mehr zu bieten.

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„Gelsenkirchen ist viel mehr“

Bei einer Tour mit Gästeführer Olivier Kruschinski wird schnell klar, dass Gelsenkirchen eben nicht nur aus den heruntergekommenen Häuserfassaden an der Bochumer Straße besteht. „Das geht mir auf den Keks“, schimpft Kruschinski: „Gelsenkirchen ist viel mehr.“

Gleich um die Ecke biete der grüne Wissenschaftspark ein anderes Bild der Stadt. „Das ist der Kontrast hier in Gelsenkirchen“, so Kruschinski: „Die Menschen sehen aber oft nur das Schlechte.“

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Lobend geht die „Neue Westfälische“ in ihrem Gelsenkirchen-Report auf die schönen Seiten der Stadt ein: der Erlebnis-Radweg Erzbahntrasse, das Musiktheater im Revier, die Zoom-Erlebniswelt, die Westfälische Hochschule, der Bundesligist Schalke 04 oder auch die Gesamtschule Berger Feld, die als DFB-Eliteschule schon Fußballstars wie Manuel Neuer oder Leroy Sané hervorbrachte.

Erschreckendes AfD-Ergebnis in Gelsenkirchen

Dass 17 Prozent der Gelsenkirchener Wählerstimmen bei der Bundestagswahl 2017 an die rechte AfD gingen, hat für den Sozialwissenschaftler Karl-Martin Obermeier mehr mit einer Protestreaktion der Einwohner zu tun als mit brauner Gesinnung: „Der Gelsenkirchener ist eigentlich zutiefst solidarisch. Egal wie dreckig es ihm geht. Das hat auch mit der Bergbau-Vergangenheit zu tun. Also das genaue Gegenteil von dem, wofür die AfD steht. Leider haben diese Wähler das Ganze nicht zu Ende gedacht.“

Gelsenkirchen vor rosiger Zukunft?

Obermeier sieht für Gelsenkirchen und das gesamte Ruhrgebiet eine positive Zukunft. „Wir haben im gesamten Ruhrgebiet mit 5,2 Millionen Einwohnern 30 Hochschulen. Diese Hochschulen verabschieden einmal im Jahr etwa 100.000 Absolventen mit einem Hochschulabschluss - davon bleiben mindestens 60.000 Leute in der Region."

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Demnach würden in 20 Jahren mehr als eine Million Menschen im Ruhrgebiet einen Hochschulabschluss haben. „Dann hat schon jeder fünfte einen formal hohen Bildungsabschluss“, sagt Obermeier: „So bitter das für die derzeitige Generation ist: Langfristig muss man sich um diese Region wirklich gar keine Sorgen machen.“

 
 

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