Gelsenkirchen kündigt Tierheim den Koop-Vertrag

Kira Schmidt
Gerade die Zahl der gefundenen Katzen steigt wieder, so Detlef Fohlmeister. So wie diese beiden warten derzeit rund einhundert Katzen in Gelsenkirchen auf ein neues Heim.  Foto: Caroline Seidel / WAZ FotoPool
Gerade die Zahl der gefundenen Katzen steigt wieder, so Detlef Fohlmeister. So wie diese beiden warten derzeit rund einhundert Katzen in Gelsenkirchen auf ein neues Heim. Foto: Caroline Seidel / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Erle. Die Stadt Gelsenkirchen hat, auch stellvertretend für Herne und Gladbeck, dem Tierschutzverein den Kooperationsvertrag gekündigt. Nun sollen neue Bedingugen ausgehandelt werden. Der Verein fürchtet: „Die wollen sparen.“

Vor einigen Tagen flatterte dem Tierschutzverein Gelsenkirchen eine Kündigung ins Haus. Nach telefonischer Vorwarnung hatte die Stadt Gelsenkirchen den Tierübernahmevertrag für Fundtiere und beschlagnahmte Tiere zum Jahresende gekündigt.

Ein normaler Vorgang sei dies, beschwichtigt die Stadt, die als Geschäftsführerin in diesem Vertrag stellvertretend für die Städte Gladbeck und Herne, die auch ihre Tiere nach Gelsenkirchen bringen, den Vertrag kündigte. Das Schriftstück wurde 2004 von den drei Städten und dem Tierschutzverein unterzeichnet. „Die gute Zusammenarbeit soll in jedem Fall fortgesetzt werden“, versichert Oliver Schäfer aus der Pressestelle der Stadt Gelsenkirchen. „Wir werden in die Verhandlungen gehen mit dem Ziel eines Neuabschlusses.“

Zusammenarbeit fortsetzen

Die Zusammenarbeit fortsetzen, das will auch die Stadt Herne. „Wir haben ein Interesse daran, dass der Vertrag mit dem Gelsenkirchener Tierheim wieder zustande kommt“, so Christoph Hüsken von der Pressestelle in Herne. „Wir haben nur gute Erfahrungen mit Gelsenkirchen gesammelt.“ Mit dem Tierheim in Herne Röhlinghausen künftig zusammen zu arbeiten, stehe nicht zur Diskussion. „Dafür gibt es keine Pläne.“

„Die wollen sparen“, ist die Befürchtung von Detlef Fohlmeister, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt. „Aber ein solches Rundumsorglos-Paket wie in der Vergangenheit wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das werden harte Verhandlungen“, prognostiziert Fohlmeister. Zugleich erläutert er, das Tierheim arbeite ohnehin am Existenzminimum, überall gäbe es einen Sanierungsstau. „Und die Kosten sind um 50 Prozent gestiegen.“ Auch die Zahl der Tiere habe sich stark erhöht.

Überhaupt, so Fohlmeister, entspreche der bisherige Vertrag nicht dem aktuellen Standard. „Heute nimmt man eine Pauschale an von 90 Cent bis zu einem Euro pro Einwohner. Die gilt für Fundtiere.“ Derzeit erhält das Tierheim, laut eigenen Angaben, 210000 € von Gelsenkirchen und Gladbeck zusammen. Dazu kämen 60000 € aus Herne. Diese Zahlen wollten die Kommunen nicht bestätigen.

Gesonderte Tagespauschale

Beschlagnahmte Tiere würden in anderen Kommunen bereits gesondert über eine Tagespauschale abgerechnet. Und eine solche Regelung sei notwendig, um die Zukunft des Tierheims zu sichern. „Der Tierschutzverein unterstützt schon jetzt die kommunalen Aufgaben, weil die Gelder einfach nicht reichen. Die Differenzkosten erwirtschaften wir als Verein. Wir kämpfen ums Überleben“, so Fohlmeister, der sehr enttäuscht ist. „Ich sag mal, wenn man zufrieden ist mit seinem Vertragspartner, dann kündigt man doch nicht“, so der Vorsitzende des Tierschutzvereins, der dabei auch auf andere Kommunen, wie Recklinghausen, schielt.

Dort nämlich herrscht zwar auch Sparzwang, gekündigt wurde der Vertrag aber nicht. „Daran ist nicht zu denken“, betont Matthias Schmiegel, Sachbearbeiter der Stadt Recklinghausen, Fachbereich Bürger, Ordnungsangelegenheiten und Feuerwehr. Recklinghausen habe lange Probleme mit einem nicht funktionierenden Tierheim gehabt, bis dieses mit Unterstützung der Kommune neu aufgestellt wurde. „Zu denken ohne funktionierendes Tierheim steht man besser da, ist eine Milchmädchenrechnung.“ Denn der Aufwand im Umgang mit beschlagnahmten Tieren und Fundtieren sei größer und kostspieliger, als das eigene Tierheim zu unterstützen.

Wann die Gespräche aufgenommen werden, darüber sind sich alle Beteiligten noch nicht im Klaren. „Ich schicke jetzt eine Eingangsbestätigung der Kündigung zur Stadt Gelsenkirchen. Dazu werde ich direkt einige unserer Grundforderungen schriftlich aufführen“, zeigt sich Detlef Fohlmeister entschlossen. „Wir werden härter verhandeln als noch vor fünf Jahren.“