Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Kind (7) stürzt aus Fenster – Großvater erschüttert: „Wir träumen davon...“

Am Samstag fiel ein Junge (7) in Gelsenkirchen aus einem Fenster und verletzte sich schwer. Am Tag danach spricht sein Opa über das Unglück. (Symbolbild)
Am Samstag fiel ein Junge (7) in Gelsenkirchen aus einem Fenster und verletzte sich schwer. Am Tag danach spricht sein Opa über das Unglück. (Symbolbild)
Foto: imago images / Olaf Schuelke

Gelsenkirchen. Seit Samstag steht das Leben einer Familie in Gelsenkirchen still.

Gegen Mittag fiel ein Junge (7) kopfüber aus dem Fenster eines Mehrfamilienhauses in Gelsenkirchen mehrere Meter tief in den Innenhof. Mit schweren Verletzungen brachte ein Rettungshubschrauber das Kind anschließend in ein umliegendes Krankenhaus.

Am Tag nach dem schrecklichen Unfall hat der Großvater mit DER WESTEN darüber gesprochen, wie es dem Jungen geht und es wie zu dem Sturz gekommen ist. Er meint: Der Unfall wäre vermeidbar gewesen – wären die Hilfegesuche der Mutter in Krankenhäusern ernst genommen worden.

Gelsenkirchen: Großvater ist sich sicher – Unfall wäre vermeidbar gewesen

Etwa siebeneinhalb Meter stürzte der Siebenjährige aus dem dritten Stock in die Tiefe. Noch am Abend wurde er mehrere Stunden lang operiert; beide Unterarme sind gebrochen, er hat sich eine Schädelfraktur zugezogen, bei der sich ein kleiner Knochensplitter ins Hirn gebohrt hat.

+++ Hier zur Erstmeldung nach dem schrecklichen Sturz +++

Immer wieder steigt sein Hirndruck bedrohlich an. „Gerade ist er stabil, der Druck in seinem Schädel sinkt etwas. Ob er Folgeschäden haben wird, ist noch unklar“, sagt Willy K., Großvater des Jungen, am Sonntagnachmittag. Er glaubt, dass der Sturz hätte verhindert werden können.

„Der Junge leidet an ADHS“, beginnt er, „und sollte medikamentös neu eingestellt werden. Dafür sollte er die Medikamente zuerst komplett weglassen. Das war eine fatale Entscheidung.“ Nachdem die Medikamente abgesetzt wurden, sei der Siebenjährige besonders aufgekratzt gewesen. Er habe sein Zimmer verwüstet, provoziert, seine Mutter attackiert.

„Alle haben sie abgelehnt“

Sie habe in jüngster Zeit schwer mit ihrem Sohn zu kämpfen gehabt. Am Samstag sei die Verzweiflung schließlich so groß gewesen, dass sie mehrere Kliniken angerufen habe, um mit ihrem Sohn vorbeizukommen. „Aber alle haben sie abgelehnt, gesagt, es sei kein Notfall“, so Willy K. mit einer Mischung aus Trauer und Wut in seiner Stimme. Er macht den Kliniken keinen Vorwurf und möchte nun selbst nochmal einige Einrichtungen kontaktieren.

Dann schildert er, wie es zu dem Sturz kam: „Seine Mutter und ihr Lebensgefährte haben bei allen Fenstern bereits die Türgriffe abgeschraubt. Einzig und allein im Schlafzimmer gibt es noch ein Fenster, das noch einen Türgriff hat. Der Junge hat den Moment ausgenutzt, als seine Mutter auf Toilette war. Er hat das Fenster geöffnet und sich auf das Fensterbrett gesetzt.“

Als seine Mutter wenig später ins Zimmer zurückkam, habe sich der Siebenjährige ertappt gefühlt, das Gleichgewicht verloren und sei kopfüber aus dem dritten Stock in die Tiefe gefallen.

Zwillingsbruder sieht Sturz mit an – Nachbarn reagieren mit großem Herz

Im Laufe des Rettungseinsatzes waren Familienangehörige zusammengebrochen und wurden von einem Notfallseelsorger betreut. Ein Krankenwagen brachte auch sie kurze Zeit später in ein umliegendes Krankenhaus. Unter den Zeugen des Unfalls befand sich auch der Zwillingsbruder.

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„Er hat den ganzen Vorgang gesehen und war traumatisiert. Er scheint den Vorfall aber heute Nacht gut verarbeitet zu haben, hat lange und tief geschlafen“, erzählt Willy K. Er möchte sich vor allem bei einigen Nachbarn bedanken, die versucht haben, den Jungen abzulenken: „Sie haben sich ihm angenommen, sich rührend um ihn gekümmert. Ich möchte diesen Menschen ein großes Dankeschön aussprechen, die so emphatisch waren und sich um den kleinen Mann gekümmert haben.“

Plötzlich wird die Stimme brüchig

Im Krankenhaus können er und seine Frau ihren Enkel aktuell nicht besuchen, „wegen Corona dürfen da nur die leiblichen Eltern hin“. Doch still sitzen kann Willy K. nicht. Mit brüchiger Stimme sagt er: „Wir träumen davon, dass, wenn er einmal aus dem Krankenhaus raus kommt, Menschen Spalier stehen und ihn begrüßen.“

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Außerdem hat er sich auf Wohnungssuche für die Familie gemacht. Eine Pattere-Wohnung in Bottrop soll es werden, näher bei den Großeltern. „Vielleicht meldet sich ja ein Vermieter mit Herz und möchte die Familie kennenlernen“, sagt Willy K. hoffnungsvoll.

Wenn du einen Vermieter kennst, der sich das vorstellen kann, wende dich an d.veutgen@funkemedien.de. Wir leiten dein Angebot an die Familie weiter.

 
 

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