Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Einzelhändler packt aus: „Ich brauche keine Hygiene-Vorschriften, weil...“

Gelsenkirchen: Fetisch-Shop-Besitzer Klaus Behrendt sorgt sich um die Auswirkungen des Coronavirus auf den Einzelhandel.
Gelsenkirchen: Fetisch-Shop-Besitzer Klaus Behrendt sorgt sich um die Auswirkungen des Coronavirus auf den Einzelhandel.
Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen. Zuerst war die Freude bei Inhaber Klaus Behrendt (64) und seinen Kollegen riesig. Ihr Geschäft, der Fetisch-Laden LGS in Gelsenkirchen, dürfte nach vierwöchigem Corona-Lockdown endlich wieder öffnen.

Das war am 20. April. Doch drei Wochen später ist von der Euphorie nicht mehr viel übrig. Die Kundenzahlen im LGS in Gelsenkirchen bleiben gering, trotz zunehmender Lockerungen durch die Landesregierung. Behrendt, der seit über 40 Jahren in Deutschlands größtem Fetisch-Shop arbeitet, beklagt Umsatzrückgänge von 50 bis 60 Prozent: „So einen Einbruch haben wir noch nie erlebt.“

Gelsenkirchen: Fetisch-Shop-Besitzer fehlen wegen Corona die Kunden

Doch wieso rennen ihm die Leute nach der langen Lockdown-Zeit nicht wieder die Türen ein? „Unsere Kunden sind ja genauso Selbstständige oder Arbeitnehmer wie wir“, meint Behrendt. Somit seien auch sie wirtschaftlich betroffen von der Corona-Krise – und momentan weder in der finanziellen Lage noch in der Stimmung, zwischen Hodenstreckern, Orgasmuspumpen und ausgefallener Fetischbekleidung auf Shopping-Tour zu gehen.

„Ich muss das erstmal sechs bis 12 Wochen anschauen, wie sich die Lage entwickelt“, so der 64-Jährige. Natürlich müsse er aufpassen, dass das Firmenkonto nicht komplett rasiert wird. „Aber wir können ja froh sein, dass wir nicht in der Gastronomie sind.“ Dort müsse man strenge Auflagen erfüllen, um zumindest einen kleinen Teil der großen Kundschaft bedienen zu können. Doch bei LGS-Inhaber Behrendt ist es genau anders herum – das Einhalten der Auflagen durch die Kunden nicht das Problem, sondern sehr viel mehr die Anzahl der Ladenbesucher. „Wenn ich so viele Kunden hätte, wie ich laut Gesetz reinlassen darf, dann wäre ich ja glücklich“, sagt er. „Ich brauche eigentlich keine Hygiene-Vorschriften, weil kaum einer kommt.“

LGS-Besitzer appelliert: „Die Panik muss weg!“

Insgesamt sieht Klaus Behrendt in den strengen Corona-Auflagen eine Gefahr für den gesamten Einzelhandel. Abstand halten, Masken tragen und möglichst schnell und effizient die Einkaufsliste abhaken, ohne zu viel Zeit in der Öffentlichkeit zu verbingen – wer wolle denn unter diesen Umständen überhaupt noch gerne Shoppen gehen? Da sei der Klick beim Online-Händler von zuhause aus natürlich viel bequemer.

+++ Coronavirus in NRW: HIER gibt es keine Lockerungen +++ Kitas öffnen wieder! Zunächst dürfen aber nur ... +++

„Wenn Leute einkaufen gehen, dann wollen sie ein Shopping-Erlebnis haben“, argumentiert Behrendt, doch das sei aktuell nicht möglich. Auf der Bahnhofsstraße in Gelsenkirchen beklagt der 64-jährige Ladenbesitzer eine „fürchterliche Traurigkeit“. Die gesundheitliche, aber auch die berufliche Unsicherheit der Menschen in der Corona-Krise verhindere auch bei geöffneten Geschäften eine Rückkehr zum gewohnten Konsumverhalten.

+++ Gelsenkirchen: Mann weigert sich, eine Schutzmaske im Zug zu tragen – dann eskaliert die Situation komplett +++

Daher appelliert Klaus Behrendt: „Die Panik muss weg! Die Leute müssen sich mehr freuen, wieder raus zu können.“ Seiner Meinung nach müssten die Menschen zwingend wieder bei den Einzelhändlern einkaufen – „sonst haben wir in unserer Stadt bald sehr viele leere Schaufenster zu beklagen.“ (at)

 
 

EURE FAVORITEN