Gelsenkirchen braucht mehr Gründer

Gaben einen Überblick über das Gründungsgeschehen: (v.l.) der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Schnepper, die Gründungslotsinnen Angelika Kraus-Buten und Michaela Ehm, Referatsleiter Rainer Schiffkowski, Projektleiter Sebastian Scheeben und IHK-Referent Klemens Hütter.
Gaben einen Überblick über das Gründungsgeschehen: (v.l.) der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Schnepper, die Gründungslotsinnen Angelika Kraus-Buten und Michaela Ehm, Referatsleiter Rainer Schiffkowski, Projektleiter Sebastian Scheeben und IHK-Referent Klemens Hütter.
Foto: Funke Foto Services
  • Die Zahl der echten Gründungen in Gelsenkirchen ging von 1674 im Jahr 2011 auf 1082 im Jahr 2015 zurück
  • Hochrechnung: Rückgang der Beratungsgespräche bei IHK und Wirtschaftsförderung um 13 Prozent in 2016
  • Prognose: Von 8719 Unternehmern vor Ort in 2010 wird ihre Zahl bis 2030 um rund 1200 auf 7500 sinken

Gelsenkirchen.  Hohe Arbeitslosigkeit oder eine gute Beschäftigungslage haben etwas gemeinsam – beides ist ein Hemmschuh für Existenzgründer. Denn: Gründungen in Zeiten wirtschaftlicher Not sind in der Regel zum Scheitern verurteilt und eine brummende Konjunktur sowie sichere Jobs lassen die Neigung zur Selbstständigkeit arg verkümmern.
Gemeinsam wollen daher die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und die Wirtschaftsförderung (Wifö) die Unternehmensbasis in Gelsenkirchen verbreitern. „Wir brauchen mehr Existenzgründer, die die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt mit Mut und guten Ideen vorantreiben“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Schnepper bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Startercenters NRW Emscher-Lippe.

Denn seit Jahren geht die Zahl der echten Gründungen zurück – nach Berechnungen des Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) von 1674 im Jahr 2011 auf 1082 in 2015. In echten Gründungen sind zum Beispiel Umwandlungen von bestehenden Firmen oder Zweigniederlassungen herausgerechnet. Die Selbstständigenquote ist mit acht Prozent (2013) unterdurchschnittlich. Im Münsterland beträgt sie 9,8 Prozent, in der Emscher-Lippe-Region 9,4 Prozent.

Der Rückgang zeigt sich auch in den Zahlen des Startercenters. „Für 2016 deutet sich hochgerechnet ein Minus von 13 Prozent bei den Beratungsgesprächen an“, gab Schnepper bekannt. Für Gelsenkirchen ist die Quote noch bedrückender: 2015 verzeichneten IHK und Wifö noch 924 Kontakte bzw. Beratungsgespräche von Gründungswilligen, 2016 wird die Zahl sich aller Voraussicht nach bei etwa 700 einpendeln – ein Minus von 25 Prozent.

Demografie verschärft das Problem

Der demografische Wandel spielt bei Gründungen auch eine Rolle. Von 8719 Unternehmern vor Ort in 2010 wird sich ihre Zahl bis 2030 um rund 1200 auf 7500 verringern. Die Nachfolgeproblematik wird sich dadurch weiter verschärfen, weil schon heute viele Betriebe händeringend Nachfolger an der Spitze suchen, aber nicht fündig werden.

Wege und Projekte zur weiteren Förderung von Gründungen in Gelsenkirchen zeigte aus diesen Gründen Wirtschaftsförderer Rainer Schiffkowski auf. Mit der in der Vorwoche erfolgten Gründung der Ruhr-HUB GmbH schlossen sich sechs Städte zusammen, um die Metropole Ruhr als Standort für digitale Wirtschaft attraktiv zu machen. Das Förderprojekt „Die Ideen liegen auf dem Campus“ der WIN Emscher-Lippe GmbH laufe bereits seit Mai 2016. Und aktuell befinde man sich in der Bewerbungsphase für die „Start-up Innovationslabore NRW“, einem Verbundprojekt regionaler Hochschulen. Neben der Bochumer Ruhr-Universität und Fachhochschule sowie der Hochschule Ruhr West (Mülheim an der Ruhr), sitzt auch die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen mit im Bewerber-Boot. IHK und Wirtschaftsförderung rechnen sich mit dem „gewichtigen Verbund“ gute Chancen auf den Zuschlag aus.

Die Innovationslabore sollen Gründer technologie- und wissensbasierte Unternehmen sowie junge Start-ups vor Ort mit ihrem Angebot erreichen und jeweils ein Jahr lang bei der Vorbereitung, Umsetzung und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee und der Markterschließung unterstützen.

Rainer Schiffkowski: „Vorrangig geht es bei allen Förderprojekten darum, unter den Studierenden einen Gründergeist zu wecken, der im besten Fall auf Gründungsaktivitäten hinausläuft.“

Projekt „KM Uni“

Apropos Zuschlag: Bald könnte Gelsenkirchen auch vom Projekt „KM Uni“ profitieren. Worum es dabei geht: Drei Manager, eine Art Brückenbauer, sollen in Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen an Hochschulen und Unis „helle Köpfe“ für kleine und mittlere Betriebe finden.

Anlaufstellen für Existenzgründer

Seit 2007 bündeln IHK und Wirtschaftsförderung die Unterstützungsangebote für Existenzgründer im Startercenter NRW Emscher-Lippe bei der IHK in Buer (Rathausplatz 7). Hier erhalten Gründungswillige erste Informationen zur Gründung, eine Einschätzung der Geschäftsidee, Hilfe bei der Erledigung von Formalitäten, „aber auch eine Finanzierungs- und Intensivberatung, wenn es ans Eingemachte geht“, erklärte Schnepper. Zudem schiebt das Startercenter-Team an der Westfälischen Hochschule Start-up-Unternehmen an und informiert Schülerinnen und Schüler über Unternehmertum und Selbstständigkeit. Die örtliche Handwerkskammer betreibt in Gelsenkirchen ein weiteres Startercenter, Vom-Stein-Straße 34. Bottrop und Recklinghausen sind weitere Standorte des Gründungsnetzwerkes.

 
 

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