Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Erschreckende Bilder von Kinderarmut im Ruhrgebiet – „Das kann man nicht hinnehmen“

Dieses Foto eines Mädchens aus Mülheim soll zum Nachdenken und vor allem zum Handeln anregen.
Dieses Foto eines Mädchens aus Mülheim soll zum Nachdenken und vor allem zum Handeln anregen.
Foto: Harald Hoffmann

Gelsenkirchen. „Es ist höchste Zeit, dass man das, was brennt, in die Gesellschaft rüberbringt“, erklärt Peter Liedtke entschieden. Als Inititator und Kurator hat der Fotograf aus Gelsenkirchen das Fotoprojekt „Parallelwelten - Fotoarbeiten zur Kinderarmut“ ins Leben gerufen. Gezeigt werden die eindrücklichen Bilder ab dem 6. Februar im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.

„Wir versuchen Menschen wach zu rütteln. Bilder können Menschen emotionalisieren“, sagt Liedtke. Fernab von Armutsstatistiken wolle er mit der Ausstellung in Gelsenkirchen erreichen, dass die Bevölkerung die Situation nicht einfach hinnimmt. Menschen sollen laut werden und zum Handeln gebracht werden, macht der Fotograf deutlich.

Gelsenkirchen: Diese Bilder zur Kinderarmut sollen wachrütteln

Und so hat er im vergangenen Jahr ein Foto-Projekt ausgerufen. Fotografen sollten sich mit starken Bildern bewerben. Insgesamt zeigen 16 Fotografen 121 Fotografien. Auch ein Gymnasium aus Köln wird die Ausstellung um eigene Arbeiten ergänzen.

Zu sehen sein wird beispielsweise eine alleinerziehende Mutter aus Berlin, die selbst noch fast ein Kind ist. Oder Bilder aus dem Frauenhaus in Herne. Auch die Gegenüberstellung von armen und reichen Familien in Mülheim ist Teil der Ausstellung, ebenso Jugendliche in Duisburg-Bruckhausen oder Szenen aus einer Flüchtlingsunterkunft.

Auch wird Soziale Arbeit in einem privaten Verein sowie kirchliches Engagement gezeigt.

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Dass das Ruhrgebiet und speziell das nördliche Ruhrgebiet oder die Emscherregion besonders von Armut betroffen ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Gelsenkirchen steht an der Spitze eines traurigen Rankings der NRW-Städte, die von Armut betroffen sind. Ist bundesweit jedes fünfte Kind arm, liegt der Anteil in Gelsenkirchen wesentlich höher. Jedes dritte Kind (38,5 Prozent) tappt laut Bertelsmann-Studie (2016) in die Armutsfalle.

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Oft handle es sich um vererbte Armut. Deshalb war es dem Initiator auch wichtig, nicht nur Einblicke in die heutige Zeit zu gewähren, sondern auch ältere Aufnahmen zu zeigen. So sind historische Bilder aus dem Gleisdreieck Duisburg dabei, aber auch eine Obdachlosensiedlung aus den 1980ern ist darunter.

Peter Liedtke selbst hatte sein Atelier lange Zeit direkt im Armutsquartier, lebte Tür an Tür mit Bedürftigen. „Das Ruhrgebiet liegt mir besonders am Herzen“, so der Künstler. Er fordert politische Verantwortung. „Das kann man nicht hinnehmen“, sagt er entrüstet.

Diese Fotografen stellen ihre Arbeiten im Wissenschaftspark Gelsenkirchen aus:

  • Tamara Eckhardt
  • Robert Freise
  • Yolanda vom Hagen
  • Harald Hoffmann
  • Eva-Maria Horstick
  • Stefan Kalscheid
  • Brigitte Kraemer
  • Frank Bruno Napierala
  • Jürgen Nobel
  • Selina Pfrüner
  • Achim Pohl
  • Catharina Tews
  • Guntram Walter
  • Uwe Weber
  • Roland Willaert
  • Andre Zelck
  • Schülerinnen des Hölderilin Gymnasiums Köln

Mit dem Fotoprojekt liefere er keine Lösung, wolle aber aufrütteln. Besonders erfreut habe ihn auch, dass parallel zur Ausstellung auch eine wissenschaftliche Diskussion stattfindet. Am 6. Februar veranstaltet das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule eine Tagung zum Thema „Kinderarmut im Ruhrgebiet - Ursachen und Lösungsmöglichkeiten“.

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Hier kannst du die Ausstellung zur Kinderarmut in Gelsenkirchen sehen:

  • Was? Ausstellung „Parallelwelten - Fotoarbeiten zur Kinderarmut in Deutschland“
  • Wann? 6. Februar bis 9. Mai 2020, Vernissage um 18.30 Uhr
  • Wo? Wissenschaftspark Gelsenkirchen, Munscheidstraße 14 45886 Gelsenkirchen
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 15 Uhr
  • Kosten: Eintritt frei
 
 

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