Gelsenkirchen achtet auf artgerechten Einsatz bei Hochzeiten

Mareike Kluck
Foto: waz
Ein Traum in Weiß . . .kann für manche Tauben im schlimmsten Fall mit dem Tod enden.

Gelsenkirchen. Weiße Tauben stehen für Frieden, das wusste unter anderem schon Picasso. Aber auch als Symbol für die Liebe und Treue werden sie gerne gesehen. Daher verwundert es nicht, dass es zu einem beliebten Brauch geworden ist, dem Brautpaar zu Ehren weiße Tauben gen Himmel flattern zu lassen. Doch wenn es nach Tierschützern geht, würden diese gerne an dieser Stelle den Rotstift, bzw. die rote Feder ansetzen. Zumindest in Dortmund.

Dort möchte der Tierschutzverein dem romatischen Brauch einen Riegel vorschieben. Denn bei den weißen Tauben handelt es sich in der Regel um Ziertauben, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen, den Brieftauben, meist noch nie frei geflogen sind und so auch nicht mehr zurück zu ihrem Schlag finden. Wolfgang Schlüter, Leiter des Gelsenkirchener Tierheimes und Tierschutzbundes sieht diesem Ritual mit gemischten Gefühlen entgegen. „Tauben, die gemeinsam in einem Schlag leben und auch immer wieder fliegen gelassen werden, finden auch immer wieder zurück“, so Schlüter. „Die speziell gezüchteten Ziertauben haben es da jedoch schwerer.“ Er persönlich befürwortet den „Firlefanz“ mit den Tauben zwar nicht, meint aber solange es artgerecht für die Tiere ist, sei auch nichts daran auszusetzen.

Hochzeitstauben sind nicht beringt

Hermann Grothus, Vorsitzender des Taubenzuchtvereins „Vorwärts Rotthausen“ steht der romantischen Geste sehr skeptisch gegenüber. „Ziertauben, die noch nie geflogen sind, werden, wenn sie Glück haben, von Tierschützern irgendwo orientierungslos eingefangen“, so Grothus. „Im schlimmsten Fall werden sie Opfer von Greifvögeln oder anderer Jäger.“ Das Problem sei auch, dass die Hochzeitstauben in der Regel nicht beringt seien – somit kein Besitzer auszumachen sei. Erst vor kurzem musste der Taubenfreund eine weiße Taube, die ganz entkräftet in einem Hauseingang in Gelsenkirchen gestrandet war, einfangen und an einen befreundeten Experten übergeben.

Die Stadt Gelsenkirchen hegt hingegen keine Gedanken, den schönsten Tag eines Paares durch ein Verbot der Tauben, ins Wackeln zu bringen. „Wir haben die meisten Einsätze in Schloss Horst“, so Stadtsprecher Oliver Schäfer. „Und diese werden von einem Fachmann angeboten, der sein Handwerk versteht und seitens der Stadt besteht keinerlei Sorge, dass mit den Tieren nicht artgerecht umgegangen wird.“

Und tatsächlich: Auf Anfrage der Redaktion bestätigt Uwe Stoffel, der unter anderem sein Geld mit Hochzeitstauben verdient, dass all seine Tauben ausgebildete Brieftauben seien. „Bei uns kann keiner erwarten, dass eine der Tauben für ein schönes Foto auf den Händen des Brautpaares posiert“, so Stoffel. „Unsere Tauben sind nicht dressiert, sie leben im Schwarm und fliegen einfach los.“ Und kommen auch wieder zurück zu ihrem Schlag. Und auch wenn die Witterungsbedingungen es nicht zulassen, lässt Uwe Stoffel seine Schützlinge nicht fliegen. So schade es für das Brautpaar dann auch ist, aber der Schutz der Vögel geht dann vor. Es gibt dann ja auch noch Alternativen, wie etwa Seifenblasen.