„Fünf Kilo Papier, die es in sich haben“

Inge Ansahl

Der im Jahr 1903 geborene Otto Faist hatte eine brillante Karriere als Leichtathlet und ein Studium an der Deutschen Sporthochschule für Leibesübungen in Berlin und mehrere Trainerstationen hinter sich, als er 1938 als Trainer zum FC Schalke 04 kam.

Seine bisherigen Erfolge hatten den Verein ebenso überzeugt, wie die Empfehlungen seines Lehrmeisters Dr. Otto Merz und dessen Nachfolger Sepp Herberger. Am 26. Oktober 1938 löste Faist Trainer Hans „Bumbas“ Schmidt ab, zog mit seiner damals noch dreiköpfigen Familie von Oberhausen nach Gelsenkirchen.

Durchs Raster gerutscht

Briefe, Dokumente, Zeitungsaus-schnitte und Fotos, aufbewahrt in einem silbergrauen Pappkarton, hat Manfred Faist bei einem Besuch beim S04 dem Verein vermacht. „Fünf Kilo Papier, die es in sich haben“, schrieben die Autoren des Vereinsmagazins „Schalker Kreisel“ in der Ausgabe Nr. 24, erschienen am 28. April 2012. Auf mehreren Seiten stand, gestützt auf die Unterlagen von Manfred Faist, die Geschichte des Erfolgstrainers, wie man sie so noch nicht kannte.

Bei den Recherchen für das 2005 erschienene Buch „Zwischen Blau und Weiß liegt Grau – der FC Schalke 04 in der Zeit des Nationalsozialismus“ war Otto Faist offenbar durch das Rechercheraster gerutscht.

Sohn lebt in Süddeutschland

Weil, wie der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Dr. Stefan Goch, bei neuerlichen Nachforschungen feststellte, das Bundesarchiv bei den ersten Recherchen keine Hinweise auf die Parteimitgliedschaft von Faist gefunden hatte.

Ein Grund dafür könnte sein, heißt es in dem „Kreisel“-Bericht, dass die von den Amerikanern nach der Befreiung vorgenommene Neuordnung der NSDAP-Mitgliederkartei Schwierigkeiten mit den Schreibweisen „ei“ und „ai“ hatte.

Manfred Faist lebt in einem kleinen Ort in Süddeutschland. Irgendwann, das verriet er im WAZ-Gespräch, werde er zu einem Bundesliga-Heimspiel der Königsblauen nach Schalke kommen.