Farbbeutelattacke auf Gelsenkirchener Flüchtlingshilfe-Laden

Sibylle Raudies
Der Helpladen der Task Force Flüchtlingshilfe an der Von-der-Recke-Straße in Gelsenkirchen ist in der Nacht zum Mittwoch mit Farbbeuteln besudelt worden. Der Versuch, in den Laden einzudringen, scheiterte zum Glück.
Der Helpladen der Task Force Flüchtlingshilfe an der Von-der-Recke-Straße in Gelsenkirchen ist in der Nacht zum Mittwoch mit Farbbeuteln besudelt worden. Der Versuch, in den Laden einzudringen, scheiterte zum Glück.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
Die Unterstützer der Task Force Flüchtlingshilfe sind zahlreich. In der Nacht zum Mittwoch nun starteten Unbekannte eine Attacke auf dessen Helpladen.

Gelsenkirchen. Es war ein Schreck in den Morgenstunden. In der Nacht zum Mittwoch haben Unbekannte die Fassade des Helpladens der Task Force Flüchtlingshilfe an der Von-der-Recke-Straße mit grau-schwarzen Farbbeuteln besudelt. In die Räume versuchten die Täter zwar offenbar einzudringen, es gelang ihnen jedoch lediglich, das Türschloss unbrauchbar zu machen. Die Innenräume blieben unversehrt.

Ausgerechnet Stadtdirektor Dr. Manfred Beck hatte den Anschlag morgens bemerkt und die Polizei verständigt. Er erklärte später: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass ehrenamtliches Engagement, das der Humanität und der Solidarität mit den Schwächsten dient, mit Gewalt und Aggressivität begegnet wird. Hier wird eine Grenze deutlich überschritten!“

Oberbürgermeister verurteilt Angriff scharf: „Kein Dumme-Jungen-Streich“

Auch der Oberbürgermeister, Frank Baranowski, verurteilte den Anschlag scharf: „Es ist völlig unakzeptabel, dass Einrichtungen, die anderen Menschen helfen, angegriffen werden. Wir hoffen darauf, dass die Polizei die Tat schnell aufklärt und die Verantwortlichen ermittelt.“

Baranowski betonte, dass dies kein „Dumme-Jungen-Streich“ sei, „hier wird versucht, Menschen, die helfen wollen, einzuschüchtern und in ihrer Arbeit zu behindern. Das geht gar nicht. Gelsenkirchen hat sich bislang dadurch ausgezeichnet, dass hier weltoffene Menschen leben, die ihre Hilfe anbieten, wenn es notwendig ist. Alle Helfer haben unsere volle Unterstützung verdient und sie werden sie auch erhalten. Rechten Tendenzen und jeder Gewalt, egal ob gegen Menschen oder Sachen, stellen wir uns geschlossen entgegen.“ Der OB rief zudem alle Gelsenkirchener auf, sich von den Taten Einzelner nicht von der Unterstützung der Flüchtlinge abhalten zu lassen.

Polizei bittet um Hinweise von Anwohnern und möglichen Zeugen

Im Helpladen, dem zweiten in der Stadt neben dem an der Horster Straße, suchen mittlerweile täglich 30 bis 70 Flüchtlinge Beratung und Unterstützung bei Alltagsproblemen wie Arztbesuchen, Kontoeröffnung, Umzug oder Möbelaufbau. Montag bis donnerstags von neun bis 15 Uhr und freitags bis 12 Uhr ist der Helpladen mit seinen vier Mitarbeitern mittlerweile geöffnet. Nicht selten kommen die Menschen direkt nach dem Besuch beim Amt. Jürgen Hansen, Vorsitzender des Vereins Task Force Flüchtlingshilfe, ist nicht nur entsetzt wegen der sinnlosen Aggression gegen das Hilfsprojekt und damit auch die Helfer, sondern auch besorgt: „Die Fassade steht unter Denkmalschutz. Die wieder zu reinigen, ist nicht billig. Die glatte Scheibe ist kein Problem, aber die Rahmen, der Bürgersteig und die Fassade selbst. Das ist auch für das Umfeld nicht gut.“

Die Polizei sucht und sichert nun Spuren und bittet um Hinweise möglicher Zeugen und von Anwohnern auf die Täter unter den Rufnummern 365-2160 oder -8402. Der Vorfall fällt allerdings „nur“ in die Rubrik Sachbeschädigung.