Familienhebammen geben Hilfen für das Leben mit dem Kind

Ute Hildebrand-Schute
Der fünf Monate alte Max Hoffmann beobachtet seine Umwelt genau, während seine Mutter mit den Familienhebammen spricht.
Der fünf Monate alte Max Hoffmann beobachtet seine Umwelt genau, während seine Mutter mit den Familienhebammen spricht.
Foto: WAZ
Hätten die Familienhebammen nicht ein Netz von Hilfen rund um die junge Mutter aufgebaut, wäre es für die 28-Jährige schwierig, den Alltag mit Anna (zwei Jahre) und Max (fünf Monate) zu bewältigen. Denn Silke Hoffmann ist schwer körperbehindert. Anfangs war es schwer für sie, die Hilfen anzunehmen.

Gelsenkirchen. Die kleine Anna linst nur vorsichtig um die Ecke, da sind zu viele Fremde im Raum. Denn neben den beiden Familienhebammen Ursula Oswald und Ariane Giesen sind auch die Leute von der Zeitung zu Besuch. Anna ist 28 Monate alt und noch ein wenig misstrauisch. Ganz anders ihr kleiner Bruder Max, fünfeinhalb Monate alt, verfolgt er neugierig und gespannt, was sich um ihn herum tun.

Die Geschwister und ihre Mutter Silke werden von den Familienhebammen betreut. Ein großes Glück für Silke Hoffmann, denn sie ist körperbehindert und braucht dringend Unterstützung. „Ich werde schon seit Anfang 2011 betreut. Da war ich schwanger und habe von der Schwangerschaftsberatungsstelle den Kontakt zu den Familienhebammen vermittelt bekommen.“

Ein Netzwerk dank der Hebammen

Inzwischen ist das zweite Kind da und die Familienhebammen – beim ersten Kind Ursula Oswald, jetzt kommt Ariane Giesen – haben rund um die junge Frau ein Netzwerk aufgebaut, das ihr hilft, mit den beiden Kindern alleine zu Hause zu leben. Es gibt Hilfe beim Einkaufen, bei Arztbesuchen oder auch beim Ausfüllen von Anträgen. Und zum Babybaden, „so richtig schöne Hebammensachen“, kommt Ariane Giesen auch ins Haus. „Anfangs war es ungewohnt, so viel Hilfe anzunehmen. Das habe ich vorher nie gemacht“, erklärt die körperbehinderte junge Frau. Aber anders würde das Zusammenleben alleine mit ihren Kindern eben auch nicht funktionieren.

Familienhebammen sind keine Konkurrenz zu den Freiberuflichen

Bis der kleine Max ein Jahr alt, bleibt die Betreuung durch die Hebammen bestehen. Das ist gesetzlich so geregelt und der Unterschied zwischen Familienhebammen und freiberuflichen. Die werden über die Krankenkassen für die Zeit der Schwangerschaft und die Nachsorge bis acht Wochen nach der Geburt finanziert. „Wir sind keine Konkurrenz zu den Freiberuflichen“, betont Ursula Oswald, „teilweise läuft das sogar parallel.“

Ursula Oswald war die erste Familienhebamme in der Stadt Gelsenkirchen. „Ich habe 1990 im Rahmen eines Modellprojektes beim Gesundheitsamt angefangen. 18 Jahre lang habe ich die Arbeit alleine gemacht, für die heute ein ganzes Team zuständig ist.“ Vier sind es insgesamt, dazu eine Kinderkrankenschwester.

Das Modellprojekt des Landes lief zehn Jahre lang. In aller Munde sind Familienhebammen aber eigentlich erst, seit 2012 das Bundeskinderschutzgesetz in Kraft getreten ist und auf frühe Hilfen und niederschwellige Angebote setzt. Neben der „normalen“ Hebammenausbildung haben die Familienhebammen eine sozialpädagogische Zusatzqualifikation und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.