Eventim soll AC/DC-Fans beim Ticketverkauf abgezockt haben

Die Gelegenheit, Angus Young (rechts) im Schuljungen-Outfit über die Bühne hechten zu sehen, wollen sich Hardcore-Fans kaum entgehen lassen - und sind bereit, hohe Ticketpreise zu zahlen.
Die Gelegenheit, Angus Young (rechts) im Schuljungen-Outfit über die Bühne hechten zu sehen, wollen sich Hardcore-Fans kaum entgehen lassen - und sind bereit, hohe Ticketpreise zu zahlen.
Foto: dpa
Fans der Band AC/DC mussten beim Tickethändler Eventim hohe Gebühren für Konzertkarten zahlen. Unzulässig, sagt die Verbraucherzentrale und mahnt ab.

Gelsenkirchen. Wenn AC/DC kommen, dann blecht der Fan. Egal, was die Tickets kosten. Die 300.000 Karten für die Tour 2009 etwa waren innerhalb weniger Minuten verkauft, trotz Stückpreisen von bis zu 200 Euro.

Der Ticket-Anbieter Eventim hat diesmal allerdings den Bogen überspannt. 2015 startet AC/DC die "Rock or Bust World Tour", im Juli wird die australische Hardrock-Combo unter anderem auch in Gelsenkirchen gastieren. Tausende Fans dürften deshalb schon jetzt vor Aufregung unter Strom stehen. Nah an den Herzinfarkt dürfte sie dann diese Meldung gebracht haben: Zwei Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart kündigte Eventim überraschend einen "Ticketalarm" an. Vergangenen Samstag ab 9 Uhr konnten die 101 Euro teuren Tickets "verbindlich reserviert" werden.

29,90 Euro für einen einfachen Brief

Allerdings nur mit Zusatzkosten. Für die Bezahlung per Lastschrift oder Kreditkarte sollten die Kunden 8,72 Euro Gebühren zahlen - eine kostenlose Zahlungsmethode gab es nicht.

Und es ging noch teurer: Wer die erlaubten maximal vier Tickets reservierte, musste zwangsweise einen "Premiumversand" akzeptieren - satte 29,90 Euro sollten Kunden für die innerdeutsche Versendung der Karten zahlen. Dabei kamen die Tickets schlicht im Briefumschlag ins Haus, frankiert mit einer 60-Cent-Marke. In Internetforen sorgte das alles selbst unter den sonst durchaus zahlungswilligen AC/DC-Fans für Furore.

"Ihr macht euch echt nur noch lächerlich! Unverschämte Versandkosten, zig alberne Gebühren, falsche Versprechungen und Geldschinderei mit Ticketreservierungen. Ich hoffe, das Kartellamt guckt sich eure Geschäftspraktiken mal genauer an!", schreibt zum Beispiel ein Nutzer auf der Facebookseite des Ticket-Händlers.

Kosten nicht nachvollziehbar

Nein, das Kartellamt hat Eventim nicht unter die Lupe genommen, dafür aber die Verbraucherzentrale NRW. Die hält es bei derartigen "Abzock-Entgelten" mit dem AC/DC-Hitalbum "If You Want Blood (You’ve Got It)", sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale. Im Klartext: Eventim soll bluten. "Wir haben den Ticket-Händler abgemahnt", sagt Bradler. Denn es sei allein schon unzulässsig, nur gebührenpflichtige Zahlungsmethoden anzubieten. Es sei auch nicht nachvollziehbar, wo die Kosten für den sogenannten Premiumversand herkommen sollen. "Da beschleicht einen schon das Gefühl, dass da mal schnell was auf den Preis aufgeschlagen wird", so Bradler.

Zumal die Hardcore-Fans gezwungen waren, bei Eventim zu kaufen - oder Gefahr zu laufen, keine Karten mehr zu bekommen, sagt Bradler. "Die gab es nur dort. Eventim bewegt sich allmählich in Richtung Monopol."

Eventim ist überrascht

Kleiner Trost: Alarm-Bucher haben die 8,72 Euro nicht auf den „Highway To Hell“ geschickt, sondern können die Gebühr von Eventim zurückfordern.

Bei Eventim ist man ob der Abmahnung überrascht: "Wir bedauern die Vorwürfe der Verbraucherzentrale, da die Gebühren aus unserer Sicht im Rahmen des öffentlichen Vorverkaufs marktüblich und rechtskonform sind. Wir werden die Vorwürfe sorgfältig prüfen und ausführlich Stellung nehmen", so ein Sprecher.

 
 

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