Erstes Weltkriegsopfer starb in Gelsenkirchen

Im Stadtarchiv Gelsenkirchen lagert die Sterbeurkunde des Briten Henry Hadley, der am 5.August 1914 im Alter von 51 Jahren auf dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof angeschossen wurde und verstarb und damit nach Recherchen des britischen Fernsehsenders BBC als erstes ziviles Opfer des 1. Weltkriegs gilt.
Im Stadtarchiv Gelsenkirchen lagert die Sterbeurkunde des Briten Henry Hadley, der am 5.August 1914 im Alter von 51 Jahren auf dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof angeschossen wurde und verstarb und damit nach Recherchen des britischen Fernsehsenders BBC als erstes ziviles Opfer des 1. Weltkriegs gilt.
Foto: WAZ

Gelsenkirchen.. Ein achtköpfiges Kamerateam des Britischen Fernsehsenders BBC stand kürzlich vor der Tür von Dieter Eilert, Pfarrer der Apostelkirchengemeinde, um das Schicksal des Briten Henry Hadley zu recherchieren. Hadley starb 51-jährig ausgerechnet in Gelsenkirchen und soll hier beerdigt worden sein. „In Großbritannien gilt er als das erste zivile Opfer des 1. Weltkriegs“, so William Derhus (BBC).

Die Geschichte um das Schicksal von Hadley könnte den Stoff für einen historischen Krimi liefern – und vielleicht wird sie das ja auch. Auf die Spur brachte das Fernsehteam jedenfalls ein Buch, das sich mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt.

Heftige Meinungsverschiedenheit mit deutschen Soldaten

Der 1863 in Cheltenham (Südwestengland) geborene Henry Hadley hatte eine Anstellung als Englischlehrer in Berlin angenommen. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wollte er Deutschland verlassen und nach London zurückkehren. Im Zug Richtung Heimat begegnete er Anfang August 1914 unglückseligerweise deutschen Soldaten.

Es kam zu einer heftigen Meinungsverschiedenheit, in deren Verlauf ein preußischer Offizier die Pistole zog und den Briten in den Unterleib schoss – das passierte justament auf dem Bahnhof Gelsenkirchen. Der Verletzte wurde in das Evangelische Krankenhaus in Gelsenkirchen gebracht, wo er allerdings wenige Tage später verstarb.

So weit die Ergebnisse der bisherigen Forschungen. Problematisch wurde die weitere Recherche. Das auf dem Evangelischen Friedhof in der Altstadt geglaubte Grab wurde nicht gefunden. Inwieweit Krankenakten Aufschluss über den Fall geben könnten, erforschte das BBC-Team nicht.

Anfrage eines Buchautors aus England

Gefunden wurde allerdings die Sterbeurkunde von Henry Hadley – und zwar im Institut für Stadtgeschichte im Wissenschaftspark. Im Souterrain lagern (bei maximal 18 Grad Celsius) alte Personenstandsurkunden. Die Urkunde – in Sütterlinschrift – belegt, dass „die hiesige Königliche Polizei-Direktion heute schriftlich anzeigte“, dass Hadley am 5. August 1914 „mittags um zwei ein Viertel Uhr verstorben sei“. Der Verstorbene sei Mitglied der anglikanischen Kirche. Seine Eltern seien unbekannt.

Nach Hadleys sterblichen Überresten wurde bereits vor dem Auftauchen des BBC-Filmteams geforscht. Heinz Pfaff, vor seinem Ruhestand bei Gelsendienst für die Friedhöfe zuständig, wurde damals beauftragt, die Grablage zu suchen. Damals hatte die Stadt die Anfrage eines Buchautors aus England bekommen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Hadley hier auf einem kirchlichen Friedhof beerdigt wurde, ist nicht groß“, so Pfaff. Denn, so der Rentner weiter, es habe seinerzeit wohl niemand gegeben, der das Begräbnis bezahlte.

 
 

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