Eine Ausstellung mit Klangskulpturen

Anne Bolsmann
Die Alte Villa des Kunstmuseums Gelsenkirchen stellte Felix Leuschners Klangskulpturen aus.
Die Alte Villa des Kunstmuseums Gelsenkirchen stellte Felix Leuschners Klangskulpturen aus.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.  Ein Museum ohne Bilder, dafür aber mit „Klangskulpturen“ ausgestattet – die Idee schien so abstrakt, dass sie am Freitagabend hunderte neugierige Besucher in die Alte Villa des Kunstmuseums an der Horster Straße lockte. Hier, im Erdgeschoss des schmucken Gebäudes, präsentierte der zeitgenössische Komponist Felix Leuschner gemeinsam mit zwölf Musikern des Folkwang Kammerorchesters Essen seine „Ausstellung Monochromer Klangbilder“.

Dabei stand der „Klang-Maler“ selbst am Dirigierpult, stets den Blick auf sein Smartphone gerichtet, wo der zeitliche Ablauf der Ausstellung genau gemessen wurde. In vorab festgelegten Zeitabschnitten drückte Leuschner auf einen kleinen Schalter, der wiederum an den Notenständern der Musiker ein kleines rotes Lämpchen leuchten ließ – so wussten die Musiker genau, wann eine neue Skulptur entstehen sollte, ohne Blickkontakt zum Dirigenten zu haben.

Denn die Instrumentalisten waren auf vier unterschiedlich große Ausstellungsräume verteilt, die wiederum mit farbigen Scheinwerfern in jeweils andere Farben getaucht wurden. Da gab es eine warme gelbe Ecke, ein kühles Blau, ein kräftiges Rosarot und einen ganz weißen Raum, in dem Tuba und Kontrabass aufeinandertrafen, für ein Klangerlebnis, das sich tief in die Magengegend eingrub. Das Publikum konnte – wie bei einer Bilderausstellung – durch die einzelnen Räume wandeln, und so den Klang immer wieder neu erleben.

11 Klangbilder wurden dabei mit kurzen Pausen hintereinander in den Raum gestellt. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Lichteffekte und der charakteristischen Klangfarben der Instrumente konnten die Zuhörer so erleben, wie unterschiedlich ein gleicher Ton klingen kann.

Die Klangbilder trugen Titel wie „Glissando-Pentachon“ oder „Licht-Pentachon“ und zeigten sich zuweilen entsprechend schräg. Doch auch ganz leise Töne wurden hier zelebriert, etwa beim „Luft-Pentachon“ und bei „Tacet“, woo nur die hohen Streicher sanft über die Instrumentensaiten glitten.

Schon nach etwas über einer halben Stunde begann der nächste Durchgang. Und so konnte man das Werk wieder aus einer anderen Perspektive entdecken. Eine gelungene Werbung für die Leuschner-Oper „Der Sprung in die Leere“, die am 6. Oktober im Musiktheater im Revier ihre Uraufführung erfahren soll.