Ein Streifzug durch die Musikliteratur in Gelsenkirchen

Robert Beck an der Klarinette, Marko Kassl am Akkordeon und Nils Imhorst am Kontrabass spielten als Trio „Fire, Rain & Espresso“ in der werkstatt.
Robert Beck an der Klarinette, Marko Kassl am Akkordeon und Nils Imhorst am Kontrabass spielten als Trio „Fire, Rain & Espresso“ in der werkstatt.
Foto: Kaupenjohann
Im Rahmen der Reihe „Akkordeonherbst“ spielte am Sonntagabend das Trio „Fire, Rain & Espresso“ in der werkstatt vor rund 40 Zuhörern.

Gelsenkirchen.. „Fire, Rain & Espresso“, ein witziger Name für ein Trio von Akkordeon, Klarinette und Kontrabass. „Fragen Sie nicht wer das Feuer, der Regen und wer der Kaffee ist“, schmunzelt Marko Kassl, der Mann an den Tasten. „Wir haben noch nicht entschieden“. Rund 40 Zuhörer in der Werkstatt an der Hagenstraße können sich am Sonntagabend rund zwei Stunden lang überlegen, auf wen der drei Musiker welche Bezeichnung passt. Eines stimmt auf jeden Fall, das Wort „Witz“ im Sinne von Esprit und Geist - enormer Spielwitz und Spielbegeisterung.

Bei der vierten Veranstaltung der Reihe „Akkordeonherbst“, auf Idee von Galerieinhaber Wolfgang Ullrich und von dem Essener Akkordeonisten Ralf Kaupenjohann künstlerisch zusammengestellt, regiert eine funkensprühende Intensität. Robert Beck (Bassklarinette, Klarinette und Sopransaxophon), Nils Imhorst (Kontrabass) und eben Marko Kassl (Akkordeon) bieten einen kompletten Streifzug durch unterschiedliche Musikliteratur und ein jeder ist ein Hochkaräter auf seinem Instrument.

Klang breitet sich aus

Widmet sich der erste Teil des Abends eher klassischen modernen Kompositionen wie Miro Dobrowolnys „Rheinlandia“ oder Ulrich Schultheiss „Zick zack à 3“, so geht nach der Pause „die Post ab“. „Tango tout court“ – schnalzende Saiten vom Bass, melodische Klarinette, impulsgebendes Akkordeon aus der Feder von Dirk Brossé lassen Füße wippen und bringen Herzen in Wallung. „Wir haben heute Abend nur Komponisten auf dem Programm, die noch am Leben sind“, lacht Kassl. „Einer von ihnen steht hier neben mir“.

Kontrabassist Nils Imhorst hat mit der „Walfahrt nach Köln“ sein Kindheitserlebnis der Geschichte vom Moby Dick im Rhein in Töne gegossen. Der „rheinischer Tango“ beginnt mit langgezogenen Klagelauten auf der G-Saite, Imhorst zieht den Bogen mit „walischer“ Langsamkeit. Dann geht die Reise rasant flussabwärts im Strudel des kraftvollen Akkordeonklangs und der eloquenten Klarinette. War das die Loreley? Und die leichten Klezmer-Klänge im Mittelteil vielleicht das jüdische Viertel von Köln, an dem der Beluga-Wal auf seiner Reise zurück ins Meer vorbeirauschte? Auf jeden Fall breitet sich der Klang aus wie das weite Delta in Holland, bevor die Nordsee erreicht wird. A propos Klezmer und die Niederlande, mit Werken von Gijs Levelt aus Amsterdam wird auch diese Musikgattung aufs Feinste bedient.

Zufrieden mit den Konzerten

Das Konzert in der „werkstatt“ bietet dem kundigen Publikum, Bueraner und auffällig viele Auswärtige, die Möglichkeit, ganz nah an den Künstlern zu sein. Die Kulisse vor Gemälden, aktuell die Ausstellung „Heimweh“ von Jub Mönster, rundet zusätzlich die ganz intime Atmosphäre ab. Die Musik wird ein Teil eines Bildes, Sehen und Hören münden in ein wunderbares Gesamtkunstwerk.

Ralf Kaupenjohann, künstlerischer Leiter der Reihe, ist zufrieden mit dem Verlauf der bisherigen Konzerte. „Immer rund 40 Zuhörer ist gut, bei 50 ist sicherheitstechnisch sowieso Schluss“. Es ist eben ein feiner, kleiner Konzertreigen in Hommage an das „Akkordeon“. Die zweite Auflage 2017 ist schon gewährleistet. Es gibt auch eine Neuerung, die Künstler für einen der fünf Abend lässt er von seinem Publikum aussuchen. „Wir versenden Links unter denen man schon jetzt abstimmen kann.“

Abschluss der Reihe steht bevor

Den letzten Teil des „Akkordeonherbst 2016“ gibt es Sonntag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr. Zu Gast: Solo-Akkordeonist Joseph Petric aus Kanada. Er wird eine Auswahl aus Domenico Scarlattis Sonaten spielen und zwei elektro-akustische Werke.

Informationen: werkstatt, Hagenstraße 34, 0209-40244543

 

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