Ein Skandal, der zum Himmel stinkt

Kira Schmidt
Foto: WAZ

Gelsenkirchen. Sie trauten ihren Augen nicht, die Tierschützer, die an einem Septembermorgen unzählige Kadaver von der Maus bis zum Riesenschnauzer, verpackt in Plastiktüten, vor dem Tierheim fanden.

Und so groß das Entsetzen war, so schnell machte das Gerücht die Runde, es handele sich um Tiere aus dem Tierheim. „Das können wir nicht auf uns sitzen lassen“, ist Detlev Fohlmeister, erster Vorsitzender des Tierschutzvereins, empört.

Tatsächlich befindet sich am Ende des früheren Tierheimgeländes, heute grenzt die Stelle an den Hundeplatz, eine Sammelstelle für tote Tiere. In einem Kühlraum werden diese gelagert, bis sie vom Entsorger abgeholt werden. Das geschieht einmal in der Woche. Zu diesem Raum haben alle Vertragstierärzte der Stadt Gelsenkirchen einen Schlüssel, so dass sie eingeschläferte oder verendete Tiere hier hin bringen können. „Diese Regelung entstand im Zuge der Kooperation mit der Stadt, die eigentlich eine solche Sammelstelle bereithalten müsste. Diese Aufgabe haben wir übernommen“, so Fohlmeister, der weiß, dass schon ein paar Mal in diesem Jahr die verabredeten Modalitäten nicht eingehalten wurden. „Die Tierärzte könnten die Kadaver genauso gut in den Kühlraum bringen. Das sind nur fünf Meter mehr.“

Taten sie aber nicht. Sie warfen einst geliebte Haustiere wie Müll vor dem Tierheim ab, obwohl selbst hier noch zwei Tonnen stehen für Privatleute, deren Tiere plötzlich verstorben sind. „Die Tierärzte nehmen ja für das Einschläfern und Entsorgen der Tiere richtig Geld. Und dann landen die auf der Straße“, ist auch Vereins-Sprecherin Heike Bihsa entsetzt. Zumal die Tiere, die im Tierheim sterben, in der Regel eingeäschert und bestattet werden. „Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer haben eine Kasse, in der sie Geld sammeln, um diese Kosten bestreiten zu können.“

Die Tierschützer appellieren nun an die Verantwortung der Tierärzte. In einem Schreiben haben sie auch die Stadt von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt. „Damit die noch einmal ihre Vertragspartner darauf hinweist, dass die Tiere in den Kühlraum gebracht werden“, erzählt Detlev Fohlmeister. Dann nämlich gibt es auch keine Geruchsbelästigung, die nicht nur den Menschen unangenehm ist. Vor allem die Hunde nämlich riechen auch auf weite Entfernungen die Kadaver. Eine Qual für die ohnehin gebeutelten Vierbeiner. „Sie werden dadurch unruhig, ja fast ängstlich“, weiß Bihsa.