Ein ruhiges Leben im Heringsfeld

Bei einem Quartiersrundgang zeigt Leserbeirätin Christiane Schütter auch die guten und schlechten Seiten rund um Schloss Berge.
Bei einem Quartiersrundgang zeigt Leserbeirätin Christiane Schütter auch die guten und schlechten Seiten rund um Schloss Berge.
Foto: WAZ FotoPool
Leserbeirätin Christiane Schütter fühlt sich in ihrem Erle einfach nur wohl - und nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch ihr Quartier.

Gelsenkirchen. Da gibt es keine zwei Meinungen: Leserbeirätin Christiane Schütter fühlt sich in ihrem Erle einfach nur wohl. Seit 1991 wohnt sie mit ihrer Familie im Stadtteil, nachdem der berufliche Weg von Bielefeld nach Gelsenkirchen führte. Im „Heringsfeld“, dem Wohngebiet, das nördlich der Emil-Zimmermann-Allee liegt und sich an die Grünanlagen von Schloss Berge schmiegt, wohnen die Schütters seit 1998.

Im Jahr 1951 wurde das Quartier erschlossen und ab 1957 bebaut. „Es ist zentral gelegen. Wenn man so will, genau zwischen Buer und Erle. Es ist sehr ruhig hier und großzügig gestaltet“, schildert Christiane Schütter ihre Eindrücke.

Auf dem gemeinsamen Spaziergang grüßen sich die Nachbarn freundlich. Unsere Ziele sind die Quartierstraßen, die Emil-Zimmermann-Allee, die Cranger Straße und später auch Schloss Berge. Auf die Frage, wo sie sich mehr bewegt, in Erle oder in Buer, fällt die Antwort eindeutig aus: „Es wäre beides gleich weit oder nah, aber da ich alles mit Bus, Straßenbahn und dem Fahrrad erledige, auch die Einkäufe, bin ich oft in Erle unterwegs. Die Cranger Straße bietet alles, was man für das tägliche Leben braucht.“

Das Warten auf das Finanzzentrum

Auf dem Weg dorthin kommen wir am Büropark Schloss Berge vorbei, der sei, so Christiane Schütter, in der Nachbarschaft anfangs sehr skeptisch begleitet worden. „Wir haben uns gefragt, wie dort wohl gebaut wird und wie laut es werden könnte.“ Die kritische Haltung ist heute verblasst. Alles, so der Tenor im „Heringsfeld“, sei ganz ordentlich geworden und nicht zu riesig. „Jetzt aber blicken wir wieder gespannt hierher und warten darauf, wie es mit dem neuen Finanzzentrum wird“, sagt die Leserbeirätin.

An der Cranger Straße weist sie auf einen Missstand hin. In Richtung Buer, ab der Kreuzung mit der Zimmermann-Allee und der Middelicher Straße, sei die Regelung für Radfahrer eine Katastrophe. „Gerade mit Blick auf die nah vorbeifahrende Straßenbahn und die Autos. Ich finde das nicht ungefährlich, wenn man da einfach einen Radstreifen auf die Straße pinselt. Ich jedenfalls fahre da nicht her, weil mich das verunsichert.“

Auch die Bürgersteige haben in diesem Bereich ihr Verfallsdatum längst überschritten. Schütter: „Wer einen Rollator benötigt, und hier leben ja direkt ältere Menschen im Seniorenheim, der steht vor Problemen.“ Ein Blick unterstreicht den Vorwurf. Selbst Mountainbike-Fahrer würden hier Schläge spüren.

Nebenwege und ruhige Quartiersstraßen

Über Nebenwege und ruhige Quartierstraßen geht es dann direkt in eines „der“ städtischen Naherholungsgebiete: Schloss Berge. Im Sonnenschein, es ist sehr warm an diesem Tag, ist es ein Genuss unter den dichten Kronen alter Bäume zu schlendern. Gelsenkirchener sind hier unterwegs, zu Fuß oder mit dem Rad, oder als Jogger und Nordic-Walker. Die Terrasse des Schloss-Restaurants lockt, der Duft feiner Speisen liegt in der Luft. Der Biergarten am See ist gut besucht. Am späten Nachmittag genießen hier die Gäste den Frühsommer und gönnen sich Pils oder Kaffee. Ein idealer Ort, um zu entspannen.

Auf dem Weg zurück macht Christiane Schütter auf einen Missstand auf den Parkwegen aufmerksam. Die kanadischen Wildgänse, mit ihren Jungvögeln prächtig anzusehen, laufen heran, „weil es leider immer wieder Leute gibt, die die Tiere füttern“. Das, so die WAZ-Leserbeirätin, finde sie schlecht. Zutraulich sind die Vögel, die auch Ursache für große Vorsicht sind. Denn neben dem Anblick hinterlässt das Federvieh viele „Brocken“. Und selbst wenn die Wege regelmäßig gesäubert werden, es ist nicht einfach, auch an diesem Tag nicht, dort zu gehen, ohne in die Sch... zu treten.

Cranger Straße ist die Schlagader des Stadtteils

Die Cranger Straße ist die funktionierende Schlagader des Stadtteils. Sie beginnt in Buer neben Rathaus und Gesamtschule und endet im Süden an der Münsterstraße.

Dass WAZ-Leserbeirätin Christiane Schütter hier bevorzugt einkauft, liegt für Kenner auf der Hand. Auch an diesem Montagmorgen spielt sich in den Geschäften und auf den Bürgersteigen das bunte Leben eines lebenswerten Ortsteiles ab. Viele Läden sind bereits sehr ordentlich besucht, und auf den ersten (okay, auch auf den zweiten) Blick fehlt für die Nahversorgung einfach: nichts!! Bäcker, Metzger, Discounter und viele Fachgeschäfte für die unterschiedlichsten Ansprüche sind vorhanden und locken ihre Kundschaft an.

Nicht zuletzt deshalb wird der Abschnitt der Cranger Straße zwischen Fettingkotten und Auguststraße im Amtsdeutsch gern als „Nebenzentrum“ bezeichnet. Es liegt auch geografisch vorteilhaft mitten in Erle und versorgt umliegende Stadtteile gleich mit.

Ein weiterer Vorteil: Das Zentrum ist auf voller Länge durch die Straßenbahnlinie 301 erschlossen. Die Cranger Straße wurde Ende der 1990er Jahre zwischen Forsthaus Erle und Middelicher Straße für damals noch 28,5 Millionen DM (heute rd. 14,5 Mio. Euro) saniert. Geld, das man als sinnvoll investiert bezeichnen darf, weil so die Attraktivität wesentlich erhöht wurde. Spatenstich der Baumaßnahme war am 12. August 1998, die Eröffnungsfeier der Werbegemeinschaft Erle fand am 12. und 13. Mai 2001 statt.

Für die Optik: Auf der Cranger Straße befinden sich einige Gebäude, die auf der Denkmalliste stehen. Dazu gehören etwa die Dreifaltigkeitskirche, die Villa Hausnummer 228, ein 1907 erbautes Wohnhaus für den damaligen Direktor der Zeche Graf Bismarck (Albert Ritter) und das ehemalige Forsthaus, erbaut 1878.

 
 

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