Ein Kind mit Plan

Franziska Gerk
Bei den Spielen ohne Grenzen feuert Enrico Jacobs (10) seine „königsblauen Löwen“ an. Er ist der Motivator der Gruppe.
Bei den Spielen ohne Grenzen feuert Enrico Jacobs (10) seine „königsblauen Löwen“ an. Er ist der Motivator der Gruppe.
Foto: WAZ FotoPool
Der zehnjährige Enrico Jacobs ist Leiter der Gelsenkirchener Rotfüchse. Er setzt sich für eine bessere Welt ein und wenn er zu alt für die Rotfüchse ist, möchte er in den MLPD-Jugendverband der Rebellen eintreten. Eines seiner ersten Aktionen als Leiter der Rotfüchse: die Spiele ohne Grenzen beim Pfingsjugendtreff auf der Trabrennbahn.

Gelsenkirchen. Es ist Sonntag. Das Pfingstjugendtreffen auf der Trabrennbahn ist in vollem Gange. Die Gelsenkirchener Rotfüchse machen gerade auf Bahn zwölf bei den Spielen ohne Grenzen mit.

Neben der Bahn steht ein Junge. Zehn Jahre alt, blonde Haare und das mit Sommersprossen gefüllte Gesicht ist bereits von der Sonne ein wenig gerötet. Es ist Enrico Jacobs, Leiter der Gelsenkirchener Rotfüchse. Er hat auf einer Sackkarre einen großen Lautsprecher geschnallt und feuert seine Truppe mit dem Mikrofon an.

Verstärkung fürs Team geholt

„Königsblaue Löwen“ heißt sein Team. 25 Personen plus zwei Ersatzspieler wollen den Wanderpokal mit nach Hause nehmen. Bis jetzt ist es den Gelsenkirchenern noch nie gelungen. „Für diese Spiele ohne Grenzen haben wir wochenlang trainiert“, sagt Enrico. Trainiert heißt unter anderem: Wasserkisten stapeln, nasse Schwämme im Ziel ausdrücken und Tausendfüßlerlauf.

Enrico will mit seiner Mannschaft gewinnen und bis jetzt sieht es ganz gut aus. Das Seifenkistenrennen ist bereits gewonnen. Doch für eine gute Mannschaft war er lange auf der Suche nach weiteren Teammitgliedern. „Bei den Gelsenkirchener Rotfüchsen sind etwa fünf bis zehn Kinder. Da haben wir uns noch Jugendliche und Nicht-Rotfüchse ins Boot geholt“, erzählt er.

Die beliebtesten Spiele sind Verstecken und Fußball

Enrico ist erst seit diesem Jahr Leiter der Füchse. Mit vier Jahren war er bereits Mitglied und wurde durch seine Eltern auf die Kinderorganisation der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) aufmerksam. Dann wurde er Pressesprecher und ist zusätzlich von den Gruppenmitgliedern zum Leiter gewählt wurden. „Ich organisiere die Treffen und bereite Aktionen, wie z.B. die Maikundgebung und das Pfingstjugendtreffen für unsere Gruppe vor“, erklärt der 10-Jährige.

Jedes Treffen hat auch etwas von Schulung: Es beginnt mit einem Begrüßungsritual. Dann gehen die Kinder mit Plakaten und Handzetteln in die Stadt. Oft legen sie Zettel in Geschäften aus und laden andere Kinder ein, sich politisch zu engagieren. Anschließend wird, wie in jeder anderen Kindergruppe auch, gespielt. „Der Leiter schlägt drei Spiele vor und die Kinder können dann abstimmen.“ Die beliebtesten Spiele sind nach wie vor Verstecken und Fußball.

Rotfüchse treffen sich jeden Donnerstag

Für Enrico steht fest, dass er sich politisch engagiert, um für eine bessere Welt zu sorgen: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, die schlecht und voller Kinderarmut ist. Dafür setze ich mich ein.“ Und wenn er irgendwann zu alt für die Rotfüchse ist, wird er in den Jugendverband „Rebell“ gehen, das ist für ihn klar.

Die Gelsenkirchener Rotfüchse gibt es seit 1986. Kinder von offiziell fünf bis 13 Jahren dürfen in den Verband eintreten. Neben Werbeaktionen werden auch Veranstaltungen organisiert und besucht. Demnächst wird ein Sommercamp stattfinden. Die Rotfüchse treffen sich immer donnerstags von 17 bis 19 Uhr im Jugendzentrum Ché (An der Rennbahn 2).