Ein Gelsenkirchener Berufskolleg macht dicht

Laura da Silva Carvalho
Schüler des Berufkollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Augustastraße demonstrierten schon 2013 gegen die Schließung des Kollegs.
Schüler des Berufkollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Augustastraße demonstrierten schon 2013 gegen die Schließung des Kollegs.
Foto: WAZ
Immer weniger Schüler besuchen die Gelsenkirchener Berufsschulen. Jetzt wird zusammengelegt. Augusta- und Grimmstraße müssen dran glauben.

Gelsenkirchen. Demografische Entwicklung und geändertes Bildungsverhalten führen laut Prognosen zukünftig zu immer weniger Schülern an Gelsenkirchener Berufskollegs.

Nach Meinung der Projektgruppe Bildung und Region schrumpft die Zahl der Schüler der Berufskollegs Eduard-Spranger, Königstraße, Technik und Gestaltung sowie Wirtschaft und Verwaltung (Hans-Schwier bleibt als besonderer Standort unberührt) in den nächsten zehn Jahren von knapp 8000 auf weniger als 6000. Die Folge: leere oder zu knapp besetzte Klassenräume.

Berufskolleg Augustastraße wird aufgelöst

Ökonomisch sei dies nicht tragbar. „Es ist entscheidend zum jetzigen Zeitpunkt einzuschreiten. Denn wir dürfen maximal drei Jahre eine so niedrige Frequenz dulden“, erläutert Friedhelm Horst, Schulaufsichtsbeamter der Bezirksregierung Münster. Folglich könnte es zur Verlegung einiger Bildungsgänge in umliegende Städte kommen. Dies wiederum würde Gelsenkirchen als Arbeitsplatzstandort schwächen. „Das soll verhindert werden. Außerdem beklagen die Schulen ihre Dependancen. Darum sollen mittelfristig alle Berufskollegs ohne Außenstelle arbeiten können.“

Um diese Ziele zu realisieren soll noch in diesem Jahr das Berufskolleg an der Augustastraße, mit Außenstelle Grimmstraße (BK Wirtschaft und Verwaltung) aufgelöst werden und zunächst als Außenstelle für das BK Königstraße und das Eduard-Spranger-BK fungieren. „Wichtig ist, dass alle Bildungsgänge erhalten bleiben und keine Schüler oder Lehrer Gelsenkirchen verlassen müssen“, betont Alfons Wissmann, Leiter des Referats Erziehung und Bildung. Erst nach beträchtlichen Umbauarbeiten sollen bis 2019 alle Außenstellen aufgegeben werden.

Drei Standorte in Mitte und Buer

Zwei Berufsbildungszentren, mit zwei Standorten in Gelsenkirchen-Mitte und einem in Buer, sollen entstehen. Die Kollegs würden sich stärker auf einzelne Bereiche spezialisieren und die Synergie gestärkt werden. Kaufmännische Ausbildungen werden weiter sowohl in Mitte als auch in Buer angeboten. „Wir wollen den Schülern kurze Fahrwege ermöglichen“, sagt Hannelore Pohl, Schulleiterin BK Königstraße. Lediglich am Hans-Schwier-BK kann die allgemeine Hochschulreife erworben werden. Das BK an der Overwegstraße spezialisiert sich noch mehr auf Bildungsgänge im Bereich Technik.

Die Bezirksvertretung ist mit der kurzfristigen Vorlage des Beschlussvorschlags unzufrieden: „In zwei Tagen können wir so eine Entscheidung nicht treffen. Wir werden frühestens in der Ratssitzung am 25. Mai darüber abstimmen. Ich verstehe auch nicht, warum es auf einmal so schnell gehen muss. Ich würde eine so rasche Umsetzung nicht empfehlen“, sagt Markus Karl, CDU-Ratsfraktion.

Geplanter Zeitablauf der Umzüge und Umbaumaßnahmen:

August 2015: Weiternutzung des Gebäudes Augustastraße als Außenstelle des Berufskollegs Königstraße, sowie Grimmstraße als Außenstelle für das Eduard-Sprange-Berufskolleg.

2016: Beginn und Fertigstellung der Baumaßnahmen Overwegstraße.


2017: Aufgabe des Gebäudes Turmstarße durch Umzug in die Overwegstraße; Freizug des Gebäudes Goldbergstraße durch Umzug zur Overwegstraße mit anschließender Renovierung Goldbergstraße; Aufgabe Grimmstraße durch Umzug zur Goldbergstraße.


2018/19: Abschluss Baumaßnahmen Königstraße.

2019:Freizug und Aufgabe Augustastraße durch Umzug zur Königstraße.