Drei Neuapostolische Kirchen zu kaufen

Foto: WAZ
Die evangelischen und katholischen Kirchen haben es schon längst getan, die Neuapostolischen Gemeinden sind gerade dabei: Sie legen Gemeinden zusammen, entweihen ihre Gotteshäuser und bieten sie zum Verkauf oder zur Vermietung. Der gesellschaftliche und demographische Wandel macht auch vor den Glaubensgemeinschaften nicht Halt.

Gelsenkirchen..  Die Anwohner wunderten sich schon, dass es keine Sonntagsgottesdienste mehr gab. Jetzt hängt ein Transparent am Aufgang zum Gemeindehaus der Neuapostolischen Kirche an der Tannenbergstraße 9: zu verkaufen/ vermieten, NAK-Immobilien. Der Hintergrund: In den Neuapostolischen Gemeinden geschieht derzeit, was in katholischen und evangelischen Gemeinden bereits mehrfach vollzogen wurde: Gemeinden werden zusammengelegt, Gotteshäuser profaniert. In Absprache mit den Gläubigen, die Diskussion begann vor fünf Jahren. Die Neuapostolische Kirche finanziert sich aus Spenden der Mitglieder, es gibt keine Zuschüsse. Also muss man sparen.

Drei neuapostolische Gemeindehäuser stehen derzeit in der Stadt zum Verkauf: In Horst an der Boystraße (265 000 Euro), in Hassel an der Katharinenstraße (430 000 Euro) und an der Tannenbergstraße. Bei letzterer hat der Gutachter noch nicht taxiert, weshalb das Objekt noch nicht im Immoscout zu finden ist.

Anwohner und Gemeindemitglieder werden befragt

Die hauseigene Immobiliengesellschaft der Neuapostolischen Kirchen bietet derzeit NRW-weit 65 Objekte an, zum Verkauf oder vermieten. „Für Glaubensgemeinschaften sind unsere Häuser interessant, weil sie keine Nutzungsänderung bei der Stadt beantragen müssen. Was bei der Nutzung für Gewerbe oder als Wohnhaus mit der Stadt ja auch abgeklärt werden müsste,“ erläutert Horst Krause von der NAK-Immobilien. Freikirchen etwa kämen in Frage. Ein Gebäude wurde auch an eine muslimische Gemeinde verkauft.

„Das hängt immer davon ab, wer der Käufer ist. Wenn es eine Anstalt öffentlichen Rechts ist, wie in dem Fall in Dortmund, und die Anwohner – die wir vorher befragen – damit kein Problem haben, dann ist auch der Verkauf an eine muslimische Gemeinde denkbar. Aber das ist immer eine Einzelfallentscheidung“, so Krause. Viele NAK-Gemeindehäuser seien aber auch als Wohnhäuser nutzbar.

Die Gemeinde der Tannenbergstraße feiert ihre Gottesdienste jetzt im Gemeindehaus Wanner Straße. Neun NAK-Gemeinden gibt es noch in der Stadt, mit etwa 4200 Mitgliedern. „Wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Auch unsere Mitglieder bekommen weniger Kinder – und so gibt es weniger Gemeindemitglieder“, erklärt Rolf Oster, langjähriger stellvertretender Bezirksleiter. Er bedauert auch den abnehmenden Stellenwert des Glaubens in der Gesellschaft sehr, erinnert sich gern an Zeiten, in denen Gotteshäuser aus allen Nähten platzten. 250 Gläubige kamen sonntags in die Tannenbergstraße. Zuletzt waren es um die 80.

 
 

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