Dramatische Giraffen-Geburt in der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen

Elisabeth Höving
Eine dramatische Geburt erlebten die Mitarbeiter und Besucher der Zoom Erlebniswelt Afrika. Im Bild: das Neugeborene etwa eine Stunde nach der Geburt. Foto: Martin Möller
Eine dramatische Geburt erlebten die Mitarbeiter und Besucher der Zoom Erlebniswelt Afrika. Im Bild: das Neugeborene etwa eine Stunde nach der Geburt. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool
Dramatische Geburt in der Zoom Erlebniswelt: Giraffe Jadranka geriet nach der Geburt ihres Jungen am Mittwoch in Panik und trat nach ihm. In den nächsten Tagen sollen Mutter und Kind zusammengebracht werden. Bis dahin hilft Giraffen-Tante Mary aus.

Gelsenkirchen. Der kleine Giraffenbulle lebt. Das war am Mittwochnachmittag die schönste Nachricht aus dem Stall in der Zoom Erlebniswelt. Tierärztin Dr. Pia Krawinkel aber mochte noch nicht in Euphorie verfallen: „Die Chancen für ein Happy End“, sagte sie eine Stunde nach der Geburt, „stehen Fifty-Fifty“.

Seit Wochen schon war die Spannung riesig bei Zoomitarbeitern und Besuchern: Giraffe Jadranka, die seit 2007 in Gelsenkirchen zu Hause ist, erwartete ihr erstes Kind. Giraffen tragen ungefähr 15 Monate. Experten rechneten seit Anfang Februar mit der Geburt, aber Jadranka und ihr Nachwuchs ließen auf sich warten.

Dramatisches Geburtserlebnis

Doch nur wenige Stunden nachdem Giraffenbulle Luke, wie berichtet, den Zoo Richtung Ungarn verlassen hatte, setzten bei Jadranka die Wehen ein. Fotografen, Kamerateams und Besucher drängelten sich vor der Glasscheine am Gehege um die beste Sicht auf den Geburtssaal. Der Boden – dick mit Stroh gepolstert, schließlich fällt ein Giraffenbaby aus rund zwei Metern Höhe auf den Boden. Manches hat sich dabei schon das Genick gebrochen.

Auch das Baby von Jadranka hatte ein richtig dramatisches Geburtserlebnis. 12.18 Uhr waren erstmals seine Füße zu sehen, 12.58 Uhr tauchte die Nase auf. Die Tierärztin scherzte: „Die Schnauze sieht aus wie bei einem Mädchen.“

Mutter gerät in Panik

Revierpflegerin Wiebke Wolff, die am Mittwoch eigentlich ihren freien Tag hatte, war vor Ort und beobachtete zusammen mit ihren Kollegen durch das Stallgitter die Giraffenmutter. Die lief auf und ab, auf und ab. Die Zuschauer denken sich erste Namen fürs künftige Giraffenbaby aus. Im Stall nebenan stehen fünf andere Giraffen.

Und dann geht es auf einmal ganz schnell: Die Giraffe steht und das Baby fällt zu Boden. Sofort gerät die Mutter in Panik, springt und tritt das am Boden liegende Bündel. Die Zuschauer halten den Atem an, Pfleger stürmen in den Stall, treiben die Mutter nach hinten, verschließen den Bereich mit einer Schiebetür und kümmern sich um das am Boden liegende Giraffenbaby.

Drei Minuten später die erlösende Nachricht: Das Jungtier lebt.

Schwer zu koordinieren

Ganz ungewöhnlich ist die Attacke von Jadranka offenbar nicht. Zoom-Sprecherin Sabine Haas: „Der Stress und die Schmerzen der Geburt haben der Giraffe so sehr zugesetzt, dass sie sofort um sich getreten hat. Das kann gerade bei Erstgebärenden passieren.“

Doch schon bald hieß das ärztliche Bulletin: Der Kleine ist wohl auf, er atmet selbstständig, sitzt, hebt den Kopf. Nach etwa einer Stunde versucht er, aufzustehen. Doch die langen Beine sind noch schwer zu koordinieren, die Kraft fehlt.

Ersatzmutter gesucht

Dann lässt das Zoo-Team Giraffe Mary, eine Tante des kleinen Bullen, in den Stall. Mary ist eine erfahrene Mutter. Sie hat erst im März letzten Jahres ein Jungtier namens Kijome bekommen hat. Kijome trinkt noch bei Mary, so dass sie Milch hat. Nun hofft man im Zoo, dass Mary sich als Ersatzmutter eignet, falls Jadranka das Kleine nicht annimmt.

Tante Mary schleckte das Baby sofort von oben bis unten ab und animierte es zum Aufstehen. Trinken ließ sie den Kleinen nicht auf Anhieb, er suchte aber schon eifrig nach der Milchquelee. Bei den Mitarbeitern wuchs die Zuversicht, den Bullen durchzubekommen.

Handaufzucht äußerst schwierig

Denn eine Handaufzucht, weiß Tierärztin Dr. Krawinkel, ist bei Giraffen äußerst schwierig. So will man in den nächsten Tagen versuchen, Mutter und Kind zusammenzubringen. „Vielleicht erwachen doch noch die Mutterinstinkte.“ Wenn nicht, muss weiter Tante Mary ran.