Dr. Stolzenfelz entfacht ein künstlerisches „Straßenfeuer“

Kerstin Halstenbach
Eine Fotoausstellung mit lebensgrossen Porträts Obdachloser war im Foyer des HSH aufgebaut.
Eine Fotoausstellung mit lebensgrossen Porträts Obdachloser war im Foyer des HSH aufgebaut.
Foto: WAZ FotoPool
Wenn Norbert Labatzki alias Dr. Stolzenfelz sich etwas vorgenommen hat, gibt es kein Entkommen. Viele unterstützten sein Projekt „Straßenfeuer“ und begeisterten am Sonntag das Publikum im Hans-Sachs-Haus. Es kamen so viele Besucher, dass die Bestuhlung nicht ausreichte und weitere Sitzgelegenheiten heran geschafft werden mussten.

Gelsenkirchen. Bestes Beispiel: der musikalische Leiter des MiR. Rasmus Baumann übernahm die Schirmherrschaft, und die Spendengala mit Klassik und handgemachten Balladen von Labatzki wurde ein rundes, facettenreiches, künstlerisch anspruchsvolles, ansprechendes Event mit informativen Charakter.

Unter dem Titel „Straßenfeuer“ wurden Projekte und Hilfsangebote für wohnungslose und suchtmittelabhängige Menschen vorgestellt und mit dem Eintrittserlös Geld für deren Unterstützung eingenommen. Das Konzept ging auf: So viele zahlende Besucher kamen ins HSH, dass die Bestuhlung nicht ausreichte. Weitere Sitzgelegenheiten wurden herangeschleppt.

Gesichter, Schicksale und Wünsche

Schon die Lichtgestaltung auf der Bühne (die Stadt ermöglichte Technik und mietfreie Nutzung) war das i-Tüpfelchen: Rot und Gelb wechselten sich ab, tauchten Künstler und Redner in die Farben des Feuers. Dr. Wolfgang Nolte, Vereinsvorsitzender von Arzt Mobil Gelsenkirchen e.V., schilderte eindringlich, wie wichtig es ist, Wohnungslose und Menschen mit Suchterkrankung medizinisch und sozialtherapeutisch so zu versorgen, dass sie die Hilfen auch annehmen können. Nolte dankte der Stadt für die Unterstützung, „die besser und schneller als die des Landes funktioniert“. Wegen des verspäteten Fördermittelbescheids des Landes mussten kurzfristig Mitglieder des Ärzte-Mobil-Teams entlassen werden.

Wohnungslose Menschen haben viele Gesichter, Schicksale, Wünsche. Davon erzählten lebensgroße Fotografien von Alexandros Ahmet, Herausgeber der Obdachlosenzeitung „Paperboy“. Die „Terrakotta-Armee der Stadtnomaden“ geht nach ihrem Einsatz im HSH nach Bochum, Dortmund, Duisburg und Düsseldorf. Labatzkis Wunsch: „Wir möchten die Ausstellung in allen Hauptstädten der EU zeigen.“ Obdachlosigkeit gibt es weltweit. In Gelsenkirchen sind rund 600 Menschen betroffen.

Mit einer Alphorn-Komposition von Markus Schleich, Rigoletto-Arie und dem Duett aus „Der Barbier von Sevilla“ verzauberten Musiker und Sänger (Alfia Kamalova, Piotre Prochera) des MiR und der Neuen Philharmonie das Publikum. Komisch, berührend, authentisch dann die von Norbert Labatzki komponierten „philosophischen Trinklieder“. Auch Obdachlose lieben, haben Leidenschaften. Und Labatzkis Trinklieder sind echte Ruhrgebietshymnen.

Medizinische hilfe für Wohnungslose und Süchtige

Der größte Teil des Erlöses der Spendengala kommt Arzt Mobil Gelsenkirchen e.V. zu Gute. Der Vorsitzende Dr. med. Wolfgang Nolte stellte den Verein vor: Arzt Mobil ist unterwegs, fährt Plätze an, an denen wohnungslose und suchtmittelabhängige Menschen sich aufhalten. Ohne Versicherungskarte und Praxisgebühr werden in dem mobilen Behandlungszimmer Menschen untersucht und behandelt.

An der Caubstraße 28 (Sitz des Vereins) versorgt die Drogentherapeutische Ambulanz Konsumenten. Es gibt Psychosoziale Begleitung und Streetworkerinnen, die sich unbürokratisch für suchtmittelabhängige und wohnungslose Menschen einsetzen und für Anwohner und Kaufmannschaft Ansprechpartnerinnen sind. Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Infos: 1 65 69 79.