Dr. Stolzenfelz aus Gelsenkirchen meldet sich nach zehn Jahren zurück

„Alles dreht sich!“ - Unter diesem Titel präsentiert Dr. Stolzenfelz (Norbert Labatzki) sein neues Album mit zehn Trinkliedern.
„Alles dreht sich!“ - Unter diesem Titel präsentiert Dr. Stolzenfelz (Norbert Labatzki) sein neues Album mit zehn Trinkliedern.
Foto: WAZ FotoPool
Der Performance-Künstler Dr. Stolzenfelz praktiziert wieder. Sein Album „Alles dreht sich - philosophische Trinklieder“ präsentiert er im Wohnzimmer GE. Er ist gemäßigter geworden, steht aber voll und ganz hinter seinen Aktionen in Lack und Leder oder als Schäferhund an der Leine.

Gelsenkirchen.. Der Doktor praktiziert wieder - nach zehn Jahren Pause, mit einem Album namens „Alles dreht sich!“. Zehn „Philosophische Trinklieder“ hat er geschrieben, komponiert, eingespielt, eingesungen. Ab Freitag geht Dr. Stolzenfelz damit auf Tour, spielt Konzerte in Gelsenkirchen und Umgebung. Er steht nicht mehr nackt auf der Bühne, läuft nicht mehr als Schäferhund an der Leine oder in Lack und Leder durch die Straßen, er singt auch nicht mehr das Lied „Ficki Ficki“, das in den Köpfen von so vielen Leuten hängengeblieben ist. „Ich mache einen bewussten Schnitt“, sagt der 51-Jährige aus der Altstadt.

Von seiner künstlerischen Vergangenheit will sich der ehemalige „Performance-Künstler vom Härtesten“ aber keineswegs distanzieren: „Da stehe ich 180-prozentig hinter!“ Bereits im April stellte Dr. Stolzenfelz ein erstes Lied vom neuen Album samt Video im Online-Portal Youtube ein. „Wann wird’s endlich Frühling“ läutet als Opener auch das Album ein. Im Ozelot-Mantel und mit einer Mütze, wie sie der brave Soldat Schwejk trägt, sitzt er in dem Filmchen in den Pavillon-Trümmern zwischen Neumarkt und Heinrich-König-Platz und spielt seine Harp, seine Mundharmonika.

Stolzenfelz packt seine Seele aus

„Wann wird’s endlich Frühling? Wann wird’s warm? Wann seh’ ich je wieder, was das Leben mir nahm?“ Er packe seine Seele aus, sagt der 51-Jährige, der in seinen frühen Tagen mit Christoph Schlingensief und Helge Schneider performte. Jedes seiner Trinklieder ist passenderweise zum Titel „Alles dreht sich“ im Walzertakt gehalten, komponiert im Stile des französischen Chansons. „Das wollte ich schon immer machen. Das Leben ist ein Zirkel, die Menschen befinden sich in einer ewigen Spirale“, so die Diagnose des Musik-Mediziners. Gesanglich, teils auch musikalisch, erinnert seine Arbeit an die Band Element of Crime.

Der Doc präsentiert sein Album als „Tagebuch des Säufers“: eine rote Kladde, gefüllt mit wüsten Kritzeleien. Die acht Musiker, mit denen Stolzenfelz seine Trinklieder eingespielt hat, sind größtenteils Amerikaner und längst wieder in den USA. Beim Tour-Auftakt wird man zu dritt auf der Bühne stehen – mit Cello, Akkordeon, Mundharmonika, Gitarre.

Leider kein Drogentyp

Norbert Labatzki, wie der Doktor im wirklichen Leben heißt, lebt nicht auf der Straße. Obwohl es ihm zeitweise richtig dreckig ging, wie er erzählt. Sind seine Trinklieder denn authentisch? „Ich bin kein Drogentyp, schade eigentlich“, sagt der Künstler. Einmal in seinem Leben habe er vom Trinken kotzen müssen, das habe ihm dann gereicht. Das Leben kann auch betrunken machen.

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