Dörfliche Idylle bestimmt den Rhythmus

Jörg Mucks (33) stellt sein Quartier, das Berger Feld, in Gelsenkirchen-Erle vor. Der Sozialpädagoge liebt diesen entschleunigten Stadtteil.
Jörg Mucks (33) stellt sein Quartier, das Berger Feld, in Gelsenkirchen-Erle vor. Der Sozialpädagoge liebt diesen entschleunigten Stadtteil.
Foto: WAZ FotoPool
Jörg Mucks stellt beim Rundgang durchs Berger Feld in Gelsenkirchen seine Heimat vor. Sozialpädagoge mag es um ihn herum ebenso frei von Hektik.

Gelsenkirchen. Der Mann ruht in sich, wirkt bedächtig, aber keineswegs langweilig. Jörg Mucks besonnene Art, seine allgegenwärtige Ausgeglichenheit kommen dem WAZ-Leserbeirat im mitunter recht hektischen Berufsalltag entgegen. Der 33-jährige Sozialpädagoge betreut Langzeitarbeitslose und Jugendliche im Auftrag der Arbeitsförderungsgesellschaft (Gafög). Vielleicht auch deshalb hat er „nie einen Gedanken daran verschwendet“, aus dem Berger Feld, seiner beschaulichen Heimat im Stadtteil Erle, fortzuziehen. „Seit dem vierten Lebensjahr bin ich hier fest verwurzelt“, sagt Jörg Mucks beim Schlendern durch sein heimeliges Quartier, „hier kennt jeder jeden, Nachbarschaft ist kein Fremdwort, Hilfe und andere spontane Gefälligkeiten schon gar nicht.“

Die Gemeinschaft (er)lebt der engagierte Kirchgänger in der Thomas-Kirche, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Schwer angetan haben es Jörg Mucks die Predigten von Norbert Filthaus, dem Arena-Pfarrer. „Seine Fußballvergleiche sind ebenso witzig wie gehaltvoll“, schwärmt der 33-Jährige und lacht. Die Gemeinde dankt es dem Arbeiter im blau-weißen Weinberg des Herrn mit Lachern und – vollen Bänken.

Immer ein offenes Ohr für die Jugendlichen

Zwei Mädchen kommen uns am nahe gelegenen CVJM-Heim entgegen. Sie grüßen Mucks fröhlich, wohl wissend, dass der Erler immer ein offenes Ohr für die Nöte der Jugendlichen hat – auch neben dem Job.

Der Quartiersspaziergang führt uns durch die kleinen aber feinen Dahler Auen, einem pik-sauberen Park, hin zu den Gelsendiensten an der Surkampstraße nebst einer kultigen Curry-Wurst-Bude, wie es sie wohl nur im Pott noch gibt und weiter „hoch“ zur „Erler Burg“. Das Gebäude, ein Hochhaus im Stile der 1970er-Jahre „ist keine Schönheit“, wie Jörg Mucks unumwunden zugibt, jedoch beherbergt der beige-braune Komplex und seine nahe Umgebung vieles, was das Wohnen in dem sonst von kleinen Ein- und Mehrfamilienhäusern mit Garten geprägten Stadtteil so angenehm macht: Arztpraxen, Apotheken, Steuerbüros, eine Kleintierpraxis und – natürlich – das Büdchen für den fixen Einkauf zwischendurch.

Schalke-Spiele schaut Mucks gemütlich daheim

Darüber hinaus noch einen Friseur, eine Sparkasse und einen Supermarkt, der älteren Anwohnern den weiteren Gang zu den Discountern erspart, eine Schneiderei, eine Pizzeria und – den Park Grill. „Der steht sogar im Pommesbudenführer Ruhr“, verrät Mucks stolz, „hin und wieder trifft man da auch einen Spieler der Knappen.“

Gutes Stichwort. Ist er eigentlich Dauerkartenbesitzer? „Nein“, sagt der 33-Jährige. „Aber Fan des S04 bin ich schon.“ Die Spiele schaue er meist daheim im Fernsehen an, oder im „Bürgerkrug“ auf dem Dorfplatz, dem Endpunkt unserer Tour durch das Berger Feld. Ganz in Ruhe, wie es eben so seine Art ist.

Gepflegte, kleine Häuser mit Gärten prägen das Bild

Der Stadtteil Erle, zu dem das Berger Feld gehört, weist neben den Ortsteilen Schalke und Bulmke-Hüllen die meisten Bauflächen – gemessen an der Gesamtfläche in den Stadtteilen – aus: 63,61 Prozent beträgt die Quote laut aktuellem Statistikatlas. Bauruinen: Fehlanzeige.

Erstaunlich ist die Tatsache, dass Erle zu den kinderärmsten Gegenden Gelsenkirchens zählt. Der Anteil an Mädchen und Jungen unter sechs Jahren beträgt magere 4,26 % – nur die Stadtteile Heßler (3,72 %) und Resser Mark (3,56 %) liefern noch schlechtere Zahlen ab. Das erstaunt, weil sich das Berger Feld beim Rundgang mit dem seit Kindertagen ortsansässigen WAZ-Leserbeirat Jörg Mucks als verblüffend ruhige, grüne und verkehrsarme Wohngegend präsentierte – wie gemacht für spielende Kinder in (Vor-)Gärten auf Bürgersteigen und auch mal auf der Straße. Spielplätze sind vorhanden, etwa in den Dahler Auen und im Innenhof der Erler Burg, sie waren sehr sauber, aber eben auch teils recht arg verwaist mangels kleiner Kundschaft. Das mag an der geringen Fluktuation liegen, „Wohnraum wird selten frei“, sagt Mucks. Heißt: Wer einmal hier ist, bleibt.

Schützen statt Fußballer

Freizeitmöglichkeiten bietet der unweit vom Berger Feld gelegene Arena-Park, ansonsten muss der Kurzweilsuchende nach Einschätzung von Jörg Mucks „besser den Weg nach Buer oder Richtung Innenstadt einschlagen“. Einen Fußballverein suche man bzw. frau aber im Berger Feld vergeblich – was in einer nach Fußball so verrückten Stadt wohl nicht nur den Chronisten aus Bochum erstaunt. Lediglich Schützen aus einem anderem Stadtteil hätten an der Hauptschule eine neue Heimstatt gefunden. Sportstätten selbst sind im Gegensatz dazu vorhanden – „in Erle, Schalke oder auch am Schloss Berge“, weiß Jörg Mucks. Platz für sich verausgabende Mädchen und Jungen ist also da, vielleicht ebenso wie in den neun Kindertageseinrichtungen in Erle.

 
 

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