Diskussion über Altersarmut in Gelsenkirchen

Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Töns (2.v.l.) äußert sich bei einer Podiumsdiskussion der IG BAU zu den Themen prekäre Beschäftigung und Altersarmut. Weitere Teilnehmer sind Susanne Neumann (v.l., IG BAU), Barbara Oehmichen (Grüne), Wolfgang Heinberg (CDU) und Bettina A. Peipe (Die Linke).
Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Töns (2.v.l.) äußert sich bei einer Podiumsdiskussion der IG BAU zu den Themen prekäre Beschäftigung und Altersarmut. Weitere Teilnehmer sind Susanne Neumann (v.l., IG BAU), Barbara Oehmichen (Grüne), Wolfgang Heinberg (CDU) und Bettina A. Peipe (Die Linke).
Foto: Martin Möller
  • Als verheerend zeichnet der Rentenexperte Norbert Ebers die Absicherung im Alter
  • Bei einem Mindestlohn und 45 Jahre Arbeit gäbe es im Alter keine 1000 Euro
  • Auch die Hartz IV-Gesetze würden ihr Zusätzliches dazu tun – so die Grünen

Gelsenkirchen..  Ein heißes Thema packte die Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt (IG Bau) am Sonntag in der AWO an der Grenzstraße an: „Prekäre Beschäftigung und Altersarmut“. Auf dem Podium saßen Susanne Neumann, Bezirksvorsitzende IG Bau, Markus Töns, SPD-Landtagsabgeordneter, Wolfgang Heinberg, CDU-Fraktionsvorsitzender, Barbara Oehmichen vom Bündnis 90/Die Grünen und Angela Peipe von der Linksfraktion. Wegen Terminschwierigkeiten mussten einige prominente Politiker die Teilnahme absagen.

Auf die Problematik der Renten ging Norbert Ebers, Versichertenältester der Deutschen Rentenversicherung, ein. Er zeichnete ein düsteres Bild. „Ein Durchschnittsverdiener, der 35 Rentenversicherungsjahre hat, bekommt als Mann circa 1000 Euro Rente. Noch schlechter dran sind Frauen, die meistens durch Kindererziehung ganz oder über Jahre aus dem Beruf ausgeschieden sind. Bei ihnen beläuft sich die Durchschnittsrente auf etwas über 600 Euro. Das ist verheerend.“ Und das sei der Durchschnitt, den viele gar nicht erreichten. „Viele gehen mit 300 bis 400 Euro nach Hause. Dann müsse der Betrag auf Grundsicherungsniveau aufgestockt werden, der bei 800 Euro liegt. „Aber viele sind in ihrem ganzen Leben nie zum Sozialamt gegangen, weil sie das auch nicht wollen“, erklärte Ebers.

Mindestlohn ein weiteres Thema

Dann ging Ebers auf den Mindestlohn von 8,50 Euro ein, der zurzeit gilt. „Wer bei diesem Lohn 45 Jahre lang arbeitet, bekommt keine 1000 Euro Rente. Im Grunde hätten fast alle Veränderungen der vergangenen Jahre in der Rentenversicherung Verschlechterung bedeutet.

„Das sind unhaltbare Zustände, man muss die Gründe dafür erforschen“, forderte Angela Peipe von den Linken. „Wir wissen, dass das Rentenniveau zurzeit steigt, aber wichtig ist, was hinterher heraus kommt“, erklärte Markus Töns (SPD). Auch dass Frauen nach wie vor nicht so bezahlt würden wie Männer, sei nicht hinnehmbar und ebenso wenig, dass Frauen aus einem Teilzeitjob nicht mehr in die volle Berufstätigkeit fänden.

Auch die Hartz IV-Gesetze seien Schuld an prekärer Arbeit und Altersarmut, betonte Barbara Oehmichen von den Bündnisgrünen und räumte ein, dass ihre Partei dieses Programm mit beschlossen habe, was sie bedaure. Sie sei dafür, dass Sanktionen gegen Hartz IV-Empfänger abgeschafft würden.

Wolfgang Heinberg (CDU) erinnerte daran, dass die Globalisierung eine Rolle spielt. „Wir müssen den Fokus wieder auf die soziale Marktwirtschaft legen“, betonte er. Das müsse national und international diskutiert werden. „Ohne soziale Marktwirtschaft sei Arbeit immer prekär und das Gegenteil von mitbestimmter Arbeit.“ Diskutiert wurde von den Teilnehmern auch eine Grundrente für alle und wie man mehr Einzahler in den „Rententopf“ bekommen könne. Viel mahnten mit Blick auf die Wahl 2017, dass es so nicht bleiben kann.

Kommentar: Mit Schaum vor dem Mund

Prekäre Beschäftigung und Altersarmut“ - das Thema treibt viele Menschen um. Vor allem Personen, die täglich mit der Misere zu kämpfen haben. So wie Bernd Neumann auf der Seite der IG Bau, bei der er seit 26 Jahren Gewerkschaftssekretär ist. Klar, dass er gefragt ist, wenn es um Probleme, Arbeitskämpfe und Insolvenzen geht. Um so wichtiger wäre es gewesen, wenn man als Moderator einer Podiumsdiskussion, bei der sowohl die großen politischen Parteien als auch die Bezirksvorsitzende der IG Bau vertreten waren, eine fachkundige, aber in der Sache neutrale Person gewählt hätte. Es hätte dem Gespräch gut getan.

So polterte Neumann – mit Wut im Bauch – los, was das Zeug hielt. Seine Moderatorenbeiträge waren etwa: „Wenn sich nichts ändert, wird weiter gelogen, betrogen, getrickst.“ Er könne jede Menge Beispiele von übelstem und unsozialen Verhalten von Arbeitgebern aufzählen, man nehme nur Vaillant oder Wellpappe. Keine Frage, dass er in diesen Punkten Recht hat. Aber auch keine Frage, dass es verantwortungsvolle Arbeitgeber gibt. Unfair, das nicht zu erwähnen. Ein Moderator mit Schaum vor dem Mund bei jedem Satz, ist eine Fehlbesetzung. Dem Publikum darf man zutrauen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

 
 

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