Die Zukunft zum Ausprobieren

Patrick Schleu
Mit Elektrorädern kamen (v.l.) Marianne Szurowski, Mechthild Andersen und Friedbert Gießelmann zur Messe in den Wissenschaftspark.
Mit Elektrorädern kamen (v.l.) Marianne Szurowski, Mechthild Andersen und Friedbert Gießelmann zur Messe in den Wissenschaftspark.
Foto: Michael Korte
Im Wissenschaftspark präsentierten am Samstag 25 Aussteller ihre Alternativen zum und mit dem Auto.

Gelsenkirchen. Sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten vermieden werden, wenn jeder Deutsche seine durchschnittlich 900 Meter , die er pro Tag zu Fuß zurücklegt, verdoppeln und das Auto stattdessen für Kurzstrecken in der Stadt stehen lassen würde. Auf diese Rechnung kommt Michael Adler, Experte für nachhaltige Mobilität. Bei der Messe „Gut gemischt mobil“ zeigten am Samstag nicht nur 25 Aussteller ihre Alternativen zum und mit dem Auto. Im Konferenzraum des Wissenschaftsparkes wurde auch über die Herausforderungen gesprochen, die mit einem veränderten Mobilitätsverhalten einhergehen.

Die Vision des Ruhrradschnellweges stellte Martin Tönnes, Chefplaner des Regionalverbands Ruhr (RVR) den interessierten Zuhörern vor. „85 Kilometer Radweg, das wäre einzigartig in Europa oder sogar in der Welt“, schwärmt Michael Adler, der die RVR-Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg mit einem Kommunikations- und Marketingkonzept flankiert.

Zwar sei die Route der Industriekultur ein beeindruckendes Projekt, „aber bislang nicht als Alltagsverkehr, sondern nur touristisch“. Im Fahrrad sieht er eine Geheimwaffe beim Kampf gegen die globale Erderwärmung. „Wir können auf den technologischen Wandel nicht warten“, sagt der Experte in Bezug auf Elektroauto und Wasserstoffzelle. Preis, Reichweite und Ladezeiten sprächen gegen die meisten Elektromobile. Steigende Rohölpreise würden das Thema Mobilität nicht nur zu einem Umwelt- sondern auch zu einem sozialen Problem machen. Es gehe nun darum, die Städte vom Autoverkehr zurück zu erobern. Für Fußgänger und Radfahrer.

Paris und New York sind Vorbilder

Adler: „Auf meinem Weg vom Bahnhof zur Messe ist mir auch wieder eine viel zu lange Rotphase für Fußgänger aufgefallen.“ Als positive Beispiele nennt er Kopenhagen, Paris und New York. „In guten Fahrradstädten werden aber auch zwischen 20 und 30 Euro pro Einwohner in den Ausbau des Fahrradnetzes investiert.“

Ein Wert von dem Gelsenkirchen noch weit entfernt ist. Den Glauben an die großen Klimakonferenzen hat Adler verloren. „Klimawandel ist eine lokale, kommunale Angelegenheit, bei der Menschen miteinander reden müssen“, sagt er.

Werner Rybarski, Leiter des aGEnda21-Büros, der das Projekt „Gut gemischt mobil“ betreut, will die Bürger ehrenamtlich einbinden. „Mit der Mobilität-Werk-Stadt haben wir ein Vorschlagsgremium neu gegründet, in dem Ideen eingebracht werden können.“ Das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW für die nächsten zwei Jahre mit 90.000 Euro geförderte Projekt will vor allem Aufklärungsarbeit leisten. In den Schulen und Bildungseinrichtungen aber auch bei Unternehmen, die Angebote für andere Formen der Mobilität anbieten. Die nächste große Aktion steht mit dem „Stadtradeln“ an. Firmen, Schulen und Vereine können dabei um die Wette radeln und Kilometer sammeln. „Vier Wochen vor den Sommerferien geht es los“, so Werner Rybarski. Dann wird auch die Webseite des Projekts fertig sein. Nach den Osterferien soll die Seite www.gutgemischtmobil.de ans Netz gehen. Eine Neuauflage der Mobilitätsmesse wird 2014 folgen.

Praxis war bei den Besuchern beliebter als die Theorie

25 Aussteller kamen in den Wissenschaftspark: Die Verkehrswacht hatte einen Reaktionstest im Angebot, Segways und Elektroräder konnten ausprobiert werden, die Polizei informierte über Verkehrssicherheit, das Verleihsystem „Metropolrad“ wurde vorgestellt und die Falken luden zum Bobbycar-Rennen ein.Die Messestände wurden gut besucht, bei den Vorträgen blieben viele Plätze frei. Werner Rybarski zeigte sich trotzdem zufrieden: „Der Vortrag von Michael Adler war visionär und zeigte die Notwendigkeit und die Perspektiven einer Mobilitätsveränderung. An den Ständen haben wir dann gezeigt wie das praktisch geht.“