Die Zeiten ändern sich

Jessica Hellmann
Der Consol Park in Bismarck.
Der Consol Park in Bismarck.
Foto: WAZ FotoPool
Das Gelände der ehemaligen Zeche Consolidation wird heute von grünen Wiesen geprägt und lädt zum Erholen ein. Auch die Vergangenheit ist noch sichtbar.

Gelsenkirchen. Der Geruch von frisch gemähtem Gras liegt in der Luft. Kinderlachen ist aus der Ferne zu hören. „Platz da!“, ruft ein kleiner Junge und rauscht auf seinem Skateboard vorbei. Dabei richtet wohl jeder Besucher, der auf dem Parkplatz an der Klarastraße direkt am Consol Park ankommt, seine Aufmerksamkeit erst einmal auf den großen Förderturm von Schacht 9 der ehemaligen Zeche Consolidation, der nach wie vor symbolhaft in den Himmel ragt. Längst ist der rote Stahlkoloss zu Bismarcks Wahrzeichen geworden und weckt Erinnerungen an die industrielle Vergangenheit der Stadt.

Dass sich die Zeiten geändert haben, wird bei einem Spaziergang durch den angrenzenden Consol Park aber schnell deutlich. Weite Wiesen und sattes Grün prägen das Bild des ehemaligen Zechengeländes, das sich heute kultur.gebiet Consol nennt. Wo früher schwer malocht wurde, treffen sich nun täglich Menschen aller Altersgruppen, um sich zu erholen, sich sportlich zu betätigen oder um einfach nur die Atmosphäre zu genießen.

„Ich treffe mich hier regelmäßig mit Freunden und Kollegen“, erzählt Jan (14). „Gerade jetzt in den Ferien kann man hier gut chillen.“ Er ist etwas früh dran und vertreibt sich Zeit auf einer Bank neben der Trendsportanlage. Dort zeigen sechs Kids, was sie auf dem Skateboard oder dem Waveroller drauf haben und fahren rasant die unterschiedlich steilen Rampen hinunter.

Erinnerungen an alte Zeiten

Auf einer anderen Bank sitzen Hans und Irmgard Rapp, die zusammen mit der kleinen Kim (7) regelmäßig den Consol Park besuchen. „Wir leben schon über 30 Jahre im Stadtteil und haben die ganze Entwicklung miterlebt. Es gefällt uns sehr gut, dass hier dieser schöne Park entstanden ist“, sind sich beide einig. „Ich erinnere mich noch, wie es war, als es hier die Kokerei gab. Da konnte man keine Wäsche draußen aufhängen“, erzählt Irmgard.

„Der Park eignet sich heute sehr gut für Nordic Walking und man kann endlos lange laufen. Viele kennen ihn gar nicht und sind dann richtig begeistert, wenn sie zum ersten Mal hierher kommen“, fügt Hans hinzu.

Auf den langen Rad- und Fußwegen, die sich durch den ganzen Park ziehen, laufen hin und wieder Jogger vorbei. Fahrradfahrer radeln entspannt durch die Landschaft. Ein Vater lässt auf der Wiese am anderen Ende des Parks gemeinsam mit seinem Sohn einen Drachen steigen.

Mangels Wind geben die beiden aber nach ein paar Minuten wieder auf und setzen sich gemütlich auf den Rasen. Der zwölfjährige Daniel schlendert mit Schäferhund Rocco vorbei, der eifrig am Wegrand schnuppert. „Eigentlich wohnen wir nicht in der Nähe, aber man kann hier so schön spazieren gehen. Da laufen wir auch gerne mal ein bisschen länger.“

Kunst und Kultur am Wegesrand

Entlang des Wegrandes sind zahlreiche Kunstwerke zu sehen, die in rostbrauner Farbe an längst vergangene Tage erinnern. Der Weg führt dann vorbei am südlichen Maschinenhaus. Auf der anderen Seite – im nördlichen Maschinenhaus – kann die Sammlung von Werner Thiel mit zahlreichen Kunstinstallationen bewundert werden.

Aus der Ferne ist das ehemalige Lüftergebäude der Zeche zu sehen, das heute das Consol Theater beherbergt. Passanten bleiben immer wieder vor der Glastür stehen, um einen Blick hinein zu werfen. Ein Zettel weist hier aber auf die Theaterferien hin, die noch bis zum 20. August andauern.

Dahinter ist das Musikprobenzentrum Consol4 zu entdecken, das aus der alten Förderanlage Schacht 4 entstanden ist. Hinter dem ehemaligen Pförtnerhaus an der Consolstraße – in der sich heute die Geschäftsstelle des Vereins Forum 2000 befindet – leert sich der Parkplatz. Eine Informationstafel klärt über die Geschichte der Zeche Consolidation 3/4/9 auf. Hier steht eine Luftaufnahme von 1980 neben einem Bild von 2005 und zeigt so den eindrucksvollen Wandel deutlich auf.