Die Kunst, die nach der Moderne kam

Zu Gast bei Jürgen Kramer in seinem Atelier an der Irmgardstraße. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool
Zu Gast bei Jürgen Kramer in seinem Atelier an der Irmgardstraße. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool
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Gelsenkirchen.. Seine Bilder heißen „Kleiner Blick in die Hölle“, „Der Eimermensch“ oder „Das unglückliche Dorf“ und erzählen Geschichten, die mal dramatisch und mal märchenhaft daher kommen. Und nein, in eine Kunst-Schublade passt der Gelsenkirchener Künstler und Beuys-Meisterschüler Jürgen Kramer auf keinen Fall. Dafür ist er viel zu umtriebig. Und lässt sich immer wieder etwas neues einfallen.

Wie etwa seinen Ausflug in die Aquarellmalerei, bei dem im vergangenen Jahr wundervolle Miniaturbilder entstanden, die Kramer in der buerschen „werkstatt“ zeigte. „Ich kann diese Aquarellbilder zu Hause in aller Stille malen“, sagt er. „Dafür braucht man ja viel Zeit, weil die Bilder oft zwischentrocknen müssen.“

Rückbesinnung auf die Anfänge der Malerei

Und obwohl er diese Technik neu für sich (wieder-)entdeckt hat, ist er den Ölbildern nicht untreu geworden. Die entstehen hier, in seinem Atelier in der früheren Grundschule an der Irmgardstraße, die seit den Sommerferien leer steht. Bis auf seinen ganz eigenen Kunst-Raum. Und der ist vollgestapelt mit Bildern in diversen Größen und Farben.

Der Blick in Kramers Atelier ist wie eine Zeitreise durch die Schaffensperioden des Malers. „Art returns“ („Kunst kehrt zurück“) hat er als sein Motto gewählt. Und meint das durchaus wörtlich: „Die Werke von Joseph Beuys markieren das Ende der Moderne. Und ich male das, was nach der Moderne kommt. Das geht einher mit der Rückbesinnung auf die Anfänge der Malerei, wie es sie etwa vor 100 Jahren gab“, erklärt Jürgen Kramer. „Meine Werke kann man deshalb nur verstehen, wenn man die Fettecke von Beuys verstanden hat.“

Kreuze, Särge und andere Symbole des Todes

Ganz bewusst habe er sich allerdings der Malerei auf Leinwand zugewandt, die Beuys generell ablehnte. „Das war genau mein Antrieb, das zu tun – gegen den Lehrer zu arbeiten“, sagt der Künstler, der im Laufe der Jahre einen eigenen Stil entwickelt hat, der fast jedem Bild anzusehen ist.

So sprechen die Bilder „Der rote Garten“ und „Monument“, die 2010 und 2011 entstanden, Jürgen Kramers ganz eigene Bildsprache. Immer wieder tauchen auch Kreuze, Särge und andere Symbole des Todes in den Werken des Künstlers auf. „Wer meine Arbeiten über die Jahre hinweg verfolgt hat, der weiß, dass ich Anfang der 1990er Jahre eine schwarze Phase hatte, in der viele Bilder mit Grabmotiven entstanden sind. Manchmal tauchen diese Motive jetzt wieder auf, aber die Bilder sind nicht mehr ganz so düster wie damals“, erklärt Kramer.

Bilder im Internet ausgestellt

Die jüngsten Ölbilder des 63-Jährigen zeigen Tiere, die wirken, als seien sie einer anderen Welt entsprungen. Traurig und suchend blicken sie am Betrachter vorbei. „Bei diesen Tierbildern kommt es mir darauf an, das Animalische zu überhöhen. Ich will keine realistischen Abbilder malen, sondern die Spiritualität dieser Wesen für sich sprechen lassen“, so der Gelsenkirchener, der mit den Zeichen der Zeit einen ganz neuen Kunstmarkt entdeckt hat.

„Alle neuen Bilder stelle ich jetzt ins Internet. Das ist wie eine virtuelle Ausstellung. Denn Ausstellungen macht man ja auch, um zu zeigen, an was man derzeit arbeitet.“ Und so kommen inzwischen auch Anfragen aus ganz unterschiedlichen Ecken Deutschlands.

Wer mag, kann den Künstler aber auch ganz einfach in seinem Atelier vor Ort besuchen und sich die Bilder dort ansehen. Eine kurze Absprache unter 24 805 genügt. . .

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