Die „jungen Alten“ in Gelsenkirchen trauen sich ins Netz

Marianne Reppel lässt sich von Schülerin Nele Christin Schwarz die Funktionen ihres neuen Smartphones erklären. In Gelsenkirchen gibt es derzeit Laptop-Schulungen für Senioren bei der Volkshochschulungen.
Marianne Reppel lässt sich von Schülerin Nele Christin Schwarz die Funktionen ihres neuen Smartphones erklären. In Gelsenkirchen gibt es derzeit Laptop-Schulungen für Senioren bei der Volkshochschulungen.
Foto: Sarah Engelhard
Eine Studie des Institutes für Arbeit und Technik der WH in Gelsenkirchen hat sich mit der Nutzung moderner Medien durch Senioren befasst.

Gelsenkirchen..  Eigentlich könnten Smartphones gerade auch das Leben Älterer erleichtern. Gesundheitswerte könnten überwacht werden und bei Bedarf rechtzeitiger eine Notfallkette in Gang gesetzt werden. Die regelmäßig Medikamenteneinnahme könnte elektronisch unterstützt werden – aber davon wissen die wenigsten Betroffenen. Mit diesem Dilemma befasst sich eine jetzt veröffentlichte Studie aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT ) von Westfälischer Hochschule.

Die Forscher befragten mehr als 100 Senioren im Alter von 60 bis 82 Jahren aus Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mettmann schriftlich und in Kleingruppengesprächen zu ihrem Umgang mit modernen Technologien. „Bei älteren Menschen gibt es bei moderner Technik viele Missverständnisse, die vor allem durch Ängste und Informationsdefizite geprägt sind“, stellt Peter Enste vom IAT fest.

Ab 80 Jahren nimmt die Neigung zur Nutzung digitaler Medien noch stark ab

Dabei zeigten sich starke Unterschiede: Während die „jungen Alten“ durchaus aufgeschlossen gegenüber modernen Technologien seien, ist die Verbreitung unter Hochbetagten gering. Fast 70 Prozent der jungen Alten besitzen einen PC, bei den über 80-Jährigen sind es nur 13 Prozent. Ein Smartphone besitzen 38 Prozent der 60 bis 69-Jährigen, über 80 nur zwei Prozent. Auch das Tablet ist in Senioren-Haushalten bislang kaum zu finden. Nur das klassische Handy ist in Altersklassen verbreitet.

Die Bedienung muss einfach und die Schrift gut lesbar sein

Die Bedienung von technischen Geräten ist für fast alle Befragten sehr häufig mit Problemen verbunden – angefangen bei der Einstellung eines digitalen Weckers bis hin zur Bedienung der Waschmaschine. „Es muss einfach sein“ wünschen die Betroffenen. Und die Schrift darf nicht zu klein sein.

Sehr viele ältere Menschen sind auch mit der Ausstattung moderner Geräte überfordert: „Zu teuer, zu kompliziert und unnütz“. Es zeigte sich allerdings auch, dass der große Teil der Befragten gar nicht weiß, welche Möglichkeiten ein Smartphone bietet. Sind die Vorteile der Technik bekannt, sind viele Senioren durchaus bereit, sich darauf einzulassen und moderne Technologie als Hilfe im täglichen Leben zu sehen, hat die Studie ermittelt. Die weitere Ausbreitung von modernen Technologien gerade bei älteren Menschen sei aber sicher kein Selbstläufer, meint Enste. „Mit gezielten Strategien kann der Prozess aber positiv beeinflusst werden. Die Wünsche der älteren Menschen müssen transparenter gemacht werden, für Service, Ausstattung und Bedienung der Geräte berücksichtigt werden. Sinnvoll sei die Integration der Zielgruppe in den Entwicklungsprozess sowie Rücksicht auf die Kosten der Geräte.

Volkshochschule hat gute Erfahrungen mit Schulung am Gerät der Teilnehmer

Gute Erfahrungen hat die Volkshochschule Gelsenkirchen mit Seniorenkursen zu modernen Medien gemacht. Referatsleiter Michael Salisch: „Wir bieten das schon lange an und sehen, dass es am besten ist, die Teilnehmer konkret an ihrem eigenen Smartphone oder Laptop arbeiten zu lassen. Das Echo auf die Kurse, die auf diese Gruppe zugeschnitten sind, ist sehr positiv.“

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