Die "Big 4" rocken die Arena auf Schalke

Anthrax ist eine der „Big 4“: Gemeinsam mit Metallica, Megadeth und Slayer rockten die US-Amerikaner die ausverkaufte Arena auf Schalke (Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool)
Anthrax ist eine der „Big 4“: Gemeinsam mit Metallica, Megadeth und Slayer rockten die US-Amerikaner die ausverkaufte Arena auf Schalke (Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool)
Foto: WAZ FotoPool
Es war eine Art Gipfeltreffen der Metal-Größen: Metallica, Megadeth, Slayer und Anthrax gaben sich am Samstagabend in Gelsenkirchen die Ehre. Sechs Stunden lang rockten sie die Arena auf Schalke – und hinterließen glückliche Fans.

Gelsenkirchen. Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax zusammen auf einer Bühne – es gab Zeiten, da wäre diese Konstellation undenkbar gewesen, weil sich einige der Beteiligten nicht nur verbal an die Gurgel gegangen wären. Etwaige Animositäten waren beim Auftritt der Big 4 – der großen vier des amerikanischen Thrash Metal – in der Gelsenkirchener Veltins-Arena am Samstagabend kein Thema für die Akteure. „Es gibt keine Kämpfe mehr“, bestätigte Metallica-Sänger James Hetfield von der Bühne herunter und macht nicht nur deshalb die Fans darauf aufmerksam: „Ihr erlebt hier Historisches.“

Nun gut, das stimmt so ganz nicht. Schon seit über einem Jahr sind die vier Bands regelmäßig auf Festivals rund um den Globus unterwegs. Und natürlich gibt es für den Heimgebrauch eine passende DVD (aus Sofia), auf der dieses „historische“ Ereignis festgehalten ist. Trotzdem kamen 57.000 Fans aus aller Welt am Samstag nach Gelsenkirchen, um eine sechsstündige Metal-Party zu feiern.

Metallica als Headliner

Metallica ließen sich als Headliner nicht lumpen und warfen ihre in den vergangenen Monaten erprobte wie bekannte Setlist ordentlich durcheinander und stellten mit „Hit The Lights“, „Master Of Puppets“ und „Seek And Destroy“ potentielle Zugaben an den Anfang. Kein Problem, genug Hits hat das Quartett aus San Francisco in den vergangenen 30 Jahren ja angehäuft.

Hetfield und Co. gehen zwei Stunden lang routiniert wie engagiert zu Werke. Das Augenmerk liegt ganz klar auf den 80er Jahren, als man mit Alben wie „Kill 'em all“ oder „Master Of Puppets“ die Metal-Welt revolutionierte; vom jüngsten Werk „Death Magnetic“ gibt es nur „All Nightmare Long“, dazu noch „The Memory Remains“ - das war's mit Material jenseits das „schwarzen Albums“, dass die Band 1991 in die erste Liga der Rockacts katapultierte.

Arena-Rock vom Feinsten

Aber auch wenn sich gerade in den letzten 20 Jahren die Platten wie geschnitten Brot und trotz aller Kritik unters Volk jubeln lassen, Metallica können es sich leisten auch Nummer-1-Hits wie „Nothing Else Matters“ dem Programm zu streichen. Auch wenn ein Teil der Kundschaft noch nicht geboren war, als „Battery“ geschrieben wurde – als der Brecher zur Zugabe ansatzlos aus den Boxen dröhnt, gibt es kein Halten mehr. Trotz aller Härte bieten Metallica Arena-Rock vom Feinsten.

Das trifft auf die „Vorgruppen“ nur bedingt zu. Anthrax hätten mit „Caught In A Mosh“ den ersten Song des Tages thematisch kaum besser wählen können und zeigen sich auch ohne Gründungsmitglied Scott Ian reichlich agil auf der Bühne, doch so richtig will der Funken jenseits der ersten Reihen auf die am Nachmittag noch halbleeren Ränge nicht überspringen.

Rabenschwarzer Tag für Megadeth

Megadeth-Kopf und Ex-Metallica-Gitarrist Dave Mustaine erwischt im Nachgang einen rabenschwarzen Tag. Nicht nur, dass sein filigraner Speed-Metal ohnehin schon nicht so recht zu den drei anderen Bands passen will, der Bandchef wirkt von der ersten Note an seltsam abwesend und ist auch stimmlich weit von seiner Bestform entfernt. Bei „Symphony Of Destruction“ singen nochmal alle mit – das war's dann aber auch.

Für zumindest ein bisschen Alarm konnten lediglich die ersatzgeschwächten Slayer (Gitarrist Jeff Hannemann musste nach einer Armverletzung durch Gary Holt von Exodus ersetzt werden) verursachen. Knochentrocken drücken „War Ensemble“, „Angel Of Death“ und das unvermeidliche „Raining Blood“ aus den Boxen und in die Magengrube. Aber auf dem Stimmungsbarometer ist man trotzdem meilenweit von Metallica entfernt.

Nach guten sechs Stunden ist die Party dann vorbei, Mensch und Matte trollen sich aus der Halle. Man ist zufrieden und nicht wenige Headbanger reiben sich den Hals: „Aua, mein Nacken“, spricht der Mann mit der Slayer-Kutte. „Aber das gehört dazu.“

 
 

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