Die Armee des Herrn

Kira Schmidt
Majore Andrea und Stephan Weber, Leiter der Division Südwest, vor dem Schaukasten der Gemeinde an der Hohenzollernstraße. Foto: Martin Möller
Majore Andrea und Stephan Weber, Leiter der Division Südwest, vor dem Schaukasten der Gemeinde an der Hohenzollernstraße. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool

Fast jeder kennt sie, die uniformierten Menschen, die auf der Reeperbahn Gutes tun. Kaum jemand aber weiß, dass die Heilsarmee eine bundesweit aktive Kirche ist. Und die Geschicke für West- und Süddeutschland werden in Gelsenkirchen gelenkt.

Hier ist nicht nur eine traditionsreiche und aktive Gemeinde beheimatet, es gibt sie seit 1895, hier ist auch das Divisionshauptquartier Süd und West. Geleitet wird dies von den Majoren Andrea und Stephan Weber. Sie sind das Bindeglied zwischen den Gemeinden und dem Hauptquartier.

Die Heilsarmee steht zwar der evangelischen Kirche nahe, vor allem in der Lithurgie aber gibt es Unterschiede. Der offensichtlichste ist die militärische Struktur. Mitarbeiter heißen Offizier oder Major, Mitglieder nennt man Soldaten. „Wir sind wirklich eine Armee“, erklärt Stephan Weber. „Wir kämpfen weltweit gegen die Ungerechtigkeit und die Sünde.“ Wobei der genaue Name im historischen Kontext zu sehen ist. „Die Heilsarmee wurde als Freiwilligenarmee gegründet. Weil sich die Menschen damals diesen Idealen verpflichtet fühlten, entstand der Name“, weiß Andrea Weber. Dazu kommt, dass militärische Strukturen damals eine effektivere Arbeit erlaubten.

Die Mitglieder der Heilsarmee gehen auf die Straße. Und das nicht nur in Hamburg. Sie leisten soziale Arbeit und verbreiten die christliche Botschaft. Diese wird unter den Mitgliedern auf besondere Weise gelebt. Der Mensch wird hier an seinen Taten gemessen. Auf Sakramente wie das Abendmahl wird gänzlich verzichtet. Auch weil dazu Alkohol konsumiert wird.

Soldaten tragen ihre Gesinnung nach außen

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Mitglieder der Heilsarmee ihre Gesinnung nach außen tragen. „Unsere Uniform ist das Zeichen, dass wir als Christen leben. Und zugleich ist sie unser Sonntagskleid“, so Stephan Weber. Natürlich müssen nicht alle Mitglieder immer uniformiert sein, wenn sie für die Gemeinde aktiv sind aber schon. „Das hat auch einen historischen Ursprung, denn die Heilsarmee hatte am Anfang viele sehr reiche Mitglieder und viele sehr arme. Diese Uniform schuf solche Unterschiede ab.“

Genau hier aber liegt das Nachwuchsproblem der Kirche begründet. „Wir sind so sichtbar durch die Uniform. Das wollen viele nicht“, erklärt Andrea Weber, warum die Gemeinde in Gelsenkirchen ihrer Meinung nach immer kleiner wird. Derzeit hat sie 50 Mitglieder.

Obwohl es an Kontakten nicht mangelt. Denn in dem Haus an der Hohenzollernstraße, Ecke Florastraße finden viele Gesprächsrunden und Treffen statt. Es gibt eine Essensausgabe immer dienstags und donnerstags, Gesprächskreise für Frauen und Männer, Angebote für Kinder. „Und wir haben die Hofmission wieder aufgenommen“, freut sich Stephan Weber. Das bedeutet, dass das Musikkorps der Gemeinde durch die Straßen zieht. „Um die Menschen an Gott zu erinnern. Es ist wichtig, dass man an christliche Werte erinnert.“

Die Arbeit der Heilsarmee beschränkt sich nicht auf fröhliche Gesänge und das Sammeln von Spenden auf der Reeperbahn. „Wir haben ein gutes Image“, weiß Andrea Weber. „Nur viele verbinden damit alte Frauen, die am Straßenrand stehen und singen. Aber wir sind moderner geworden und versuchen, auf zeitgemäße Weise zu helfen.“