Designer-Domizil in Gelsenkirchen als internationale Kreativ-WG

Tobias Mühlenschulte
Die Design-Praktikanten Taehak Kwon (Korea), Da Meng (China) und Jonas Häutle (Kiel) in ihrer stilechten Ruhrpott-Küche.
Die Design-Praktikanten Taehak Kwon (Korea), Da Meng (China) und Jonas Häutle (Kiel) in ihrer stilechten Ruhrpott-Küche.
Foto: WAZ FotoPool
Die Praktikanten der Agentur Wilddesign wohnen in Ückendorf unter einem Dach. Die Miete für die Drei-Zimmer-Wohnung zahlt der Betrieb. Der Nachwuchs kommt aus Korea, China, Vietnam, Indien und Deutschland.

Gelsenkirchen. Im vierten Stock an der Bochumer Straße – gegenüber dem Amtsgericht und dem Wissenschaftspark – fließen die kreativen Nachwuchsströmungen der Agentur „Wilddesign“ zusammen. Seit Juli 2011 bietet das Ückendorfer Unternehmen seinen Praktikanten aus aller Welt eine kostenlose Bleibe in unmittelbarer Nähe des Betriebs.

So nah, dass vor einiger Zeit ein ehemaliger Bewohner von seinem WG-Fenster aus ein Foto von seinem Chef machte, der im gut einsehbaren Büro auf der anderen Straßenseite noch mitten in der Nacht arbeitete. Das ihm noch in der gleichen Nacht zugemailte Foto zeigte Agentur-Chef Markus Wild am Mittwochnachmittag bei der offiziellen Einweihung der Praktikanten-WG herum. Die Tatsache, dass der schnappschießende Praktikant heute nicht mehr für Wilddesign tätig ist, ist übrigens nicht auf Sanktionen für den „Paparazzi“ zurückzuführen.

Aus Seoul nach Ückendorf

Zurzeit wohnen Taehak Kwon (28) aus Korea, Da Meng (25) aus China und Jonas Häutle (25) aus Kiel in der Design-WG. Alle drei studieren Design und beenden ihr Studium auch in den nächsten Wochen. Taehak kam direkt aus Seoul für ein Praktikum nach Ückendorf, Da Meng und Jonas sind an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel eingeschrieben. „Ich war auf der Suche nach Praxiserfahrung“, sagt Jonas. Seit einem Monat wohnt er jetzt in der bewusst spartanisch eingerichteten WG. „Ich fühle mich hier zu Hause, auch wenn die Wohnung nicht hochgestylt ist.“

Das Plakat im Flur – ein Unikat der Ausstellung „Gelsenkirchener Barock“, die das Kunstmuseum 1991 zeigte – ist Programm. „Die Sitzecke in der Küche ist von meiner Urgroßmutter“, sagt Markus Wild. Auf der Fensterbank hat es sich ein ausgestopftes Eichhörnchen bequem gemacht. Die WG, so der Agentur-Chef, sei ein „familiärer Aspekt, der in unserer Agentur so noch gefehlt hat.“ Diese Bindung lässt das Unternehmen sich 550 Euro Miete pro Monat kosten. Für Internet und Telefon kommt Gelsennet auf.

Ein alter Hut

Da Meng studiert Medical Design: „Herr Wild ist dafür Spezialist, deshalb habe ich mich hier beworben.“ Bislang waren sieben Praktikanten in der Kreativ-Kommune untergebracht, aus Vietnam, aus Indien, aus China, aus Deutschland. Man spricht Englisch unter dem Designer-Dach. Die Dauer der Praktika liegt zwischen drei und sechs Monaten. In entsprechenden Online-Foren und an unterschiedlichen Unis kommuniziert Wilddesign sein Angebot.

„Aber unsere Wohngemeinschaft spricht sich auch schnell herum“, sagt Simone Böhm, Assistentin der Geschäftsleitung. Vor sechs Jahren eröffnete das Gelsenkirchener Unternehmen in Shanghai eine zweite Niederlassung. Dort ist die Praktikanten-WG beinahe schon ein alter Hut. „Seit vier Jahren ist es dort pickepackevoll.“ Auch in Ückendorf, so Markus Wild, könne man sich vor Anfragen mittlerweile kaum retten.