Gelsenkirchen

Der Renaissance-Rocker

Thorsten Drücker mit Cister in der Gloriana-Inszenierung.
Thorsten Drücker mit Cister in der Gloriana-Inszenierung.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. . „So eine aufwändige Recherche hatte ich noch nie für einen Job“, gesteht Thorsten Drücker. Der Gitarrist wirkt am Musiktheater bei der aktuellen Produktion von Benjamin Brittens Oper „Gloriana“ mit .

Das Instrument, das der Komponist in der Partitur fordert, musste er allerdings erstmal ausfindig machen.

„In der Orchesterbesetzung schreibt Britten eine ‚Gittern‘ vor, aber herauszufinden, was das eigentlich ist, war ziemlich schwer“, erzählt Drücker, der u.a. in Basel klassische Gitarre studierte und von MiR-Chefdirigent Rasmus Baumann für diese Aufgabe angefragt wurde. „Nicht einmal die Experten für Alte Musik an der Basler Hochschule konnten mir weiterhelfen.“ Britten-Spezialisten in Nordengland wussten schließlich des Rätsels Lösung: Versteht man heute unter diesem Namen die Renaissance-Gitarre, unterlag Benjamin Britten noch einer weitläufigen Verwechslung: „Das in der Partitur von 1953 verwendete Instrument ist eine Cister, ein früheres Volksinstrument aus der Lautenfamilie und Vorläuferin der Waldzither“, erklärt Drücker.

Nicht dass damit das Problem gelöst gewesen wäre: Cistern sind nämlich überhaupt nicht leicht zu finden und kaum in historischen Instrumentensammlungen enthalten. „Es war weit und breit kein authentisches Instrument aufzutreiben.“ Abhilfe verschaffte ein Instrumentenbauer im sächsischen Erlbach, der sich auf den Nachbau historischer Zupfinstrumente spezialisiert hat. Insgesamt erst sechs Cistern hatte der Mann in seinem Leben bisher bauen müssen. „Auf Lager hatte er zwar auch keine Cister, aber er stellte den Kontakt zu einem Musiker aus der Mittelalterszene her, von dem wir das Instrument für die Dauer der Produktion mieten konnten.“

Nachdem die Odyssee nun beendet und das von Britten verlangte Instrument in Thorsten Drückers Händen ist, ist der Saitenspezialist relativ entspannt: „Die gegenüber der Gitarre andere Stimmung der Saiten ist überhaupt kein Problem. Ungewöhnlicher ist für mich, auch als Schauspieler auf der Bühne zu stehen.“

Drücker gibt in „Gloriana“ eine Art „Rockertyp“, der den Balladensänger auf der Cister begleitet. Und was macht Thorsten Drücker, wenn er nicht gerade für das MiR höchst seltene Instrumente aufspürt? „Ich habe zuletzt u.a. mit Hubert Kah gearbeitet und spiele in Kassel, wo ich lebe, alle Musicals, daher kenne ich auch Rasmus Baumann“, so der Gitarrist.

Der Chefdirigent holt ihn deshalb auch gern für die Sonderkonzerte nach Gelsenkirchen, demnächst etwa für die beiden „MiR Goes Film Vol. II“-Konzerte (12. und 26. Juni).

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen