Den kleinen Sünden auf der Spur

Mehmet Arslan und Uwe Bergel sind als Quartierskümmerer in Gelsenkirchen Feldmark und Heßler unterwegs. Träger im Rahmen des Bundesförderprogramms " Bürgerarbeit " sind die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und die Caritas.
Mehmet Arslan und Uwe Bergel sind als Quartierskümmerer in Gelsenkirchen Feldmark und Heßler unterwegs. Träger im Rahmen des Bundesförderprogramms " Bürgerarbeit " sind die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und die Caritas.
Foto: WAZ FotoPool
Täglich sechs Stunden lang sind zwei Quartierskümmerer in Gelsenkirchen-Feldmark und Heßler unterwegs. Sie spüren Dreckecken auf, achten auf Beschädigungen.

Gelsenkirchen.. Man kann fast die Uhr nach ihnen stellen. Mit wachsamen Augen machen sich Mehmet Arslan und Uwe Bergel von montags bis freitags von 8.30-14.30 Uhr auf den Weg. Sie durchkämmen als „Quartierskümmerer“ die Stadtteile Heßler und Feldmark, achten auf Beschädigungen oder spüren Dreckecken auf. Sie zücken ihren Notizblock und protokollieren die kleinen Sünden für die Ämter, die sie beseitigen sollen.

Keine Dorf-Sheriffs

Natürlich sind sie keine Dorf-Sheriffs, die Streitigkeiten schlichten oder Verbrechern auf der Spur bleiben. „Wir wollen wahrgenommen werden als Ansprechpartner für Bürger, die Probleme in ihrem Stadtteil sehen“, beschreibt Uwe Bergel seine Rolle. Zu übersehen sind die Beiden nicht. In knallroten Jacken und mit Namensschild versehen, sind sie schon von weitem gut zu erkennen.

Wie sein gleichaltriger Partner ist auch der 48-Jährige Mehmet Arslan seit Jahren arbeitslos und schwer zu vermitteln. Es ist ein Kriterium, um über das Projekt „Bürgerarbeit“ den Job zu bekommen. Die Arbeit muss außerdem zusätzlich und von öffentlichem Interesse sein. Mehmet Arslan ist glücklich, mal wieder für einen Zeitraum von drei Jahren planen zu können.

Anreiz zu jobben

Zu 75 Prozent fließen IAG-Mittel in das Projekt, 250 Euro kommen aus dem Topf der kommunalen Beschäftigungsförderung, den Rest zahlen die Träger Caritas und Awo. Einen Anreiz, zu jobben, statt von Hartz IV leben zu müssen, bietet der Job ohnehin. Denn die Träger zahlen nach Tarif.

So stellt sich die Frage auch nicht, ob man sich nicht lieber mit der Grundsicherung zufrieden gibt, statt bei Arbeitsaufnahme nur unwesentlich mehr Geld in der Tasche zu haben. Arbeit bedeutet beiden, sich selbst beweisen zu können, der drohenden Langeweile zu begegnen und gleichzeitig die Selbstachtung zurückzugewinnen.

Lange Berufserfahrung

Lange Berufserfahrung hatten beide, bevor sie ihre Stelle verloren. Uwe Bergel arbeitete über 20 Jahre bei Ruhrglas, Mehmet Arslan 15 Jahre bei Seppelfricke. Der 48-Jährige wurde in der Türkei geboren, kam 1980 nach Deutschland, besuchte Computer- und Sprachkurse, hat mittlerweile einen deutschen Pass.

Er findet es richtig, dass Quartierskümmerer mit unterschiedlichen Muttersprachen in ihrem Stadtteil unterwegs sind. „Es gibt immer wieder Geschäftsleute und auch ältere Bürger, die es begrüßen, wenn ich sie auf türkisch anspreche. Manche öffnen sich dann mehr, sind gesprächiger, sagen, was sie nicht gut finden.“

"Gut eingespieltes Team"

Mehmet Arslan ist zufrieden mit seinem Partner und der schätzt seinen täglichen Begleiter ebenso. „Wir sind ein gut eingespieltes Team, beobachten das Leben im Stadtteil, gehen auf die Menschen zu. Und wie reagieren die Menschen, wenn sie auftauchen? „Die Leute sind zufrieden, wenn wir da sind“, hat Uwe Bergel festgestellt.

So fühlten sich vor allem ältere Friedhofsbesucher sicherer, wenn sie die Kümmerer in der Nähe wüssten. Und wer nicht weiß, an wen er sich bei größeren Problemen wenden soll. Eine lange Telefonliste mit Adressen haben die Kümmerer auch im Gepäck.

Seiten im Notizbuch gefüllt

Die Seiten im Notizbuch sind nach ihren Rundgängen gefüllt. Hier stapelt sich der Abfall, fliegen Werbebroschüren durch die Gegend, dort lagern ausgediente Fernseher, liegen zerdepperte Bierflaschen vor Kindergärten. Und für allzu laxe Hundebesitzer haben sie auch eine Tüte für Hinterlassenschaften dabei.

Damit sie noch bekannter werden, haben die Kümmerer die Werbung in eigener Sache angekurbelt. Wenn sie sich bei Geschäftsleuten vorstellen, lassen sie ihren Steckbrief da. Der versichert. „Wir halten die Augen auf, sind für alle da.“

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