Den Brustkrebs-Genen auf der Spur

Prof. Dr. Werner Schlake setzt in seinem Pathologischen Institut Gelsenkirchen ab sofort einen Gensignatur-Test zur Diagnostik  von Brustkrebstumoren ein. Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
Prof. Dr. Werner Schlake setzt in seinem Pathologischen Institut Gelsenkirchen ab sofort einen Gensignatur-Test zur Diagnostik von Brustkrebstumoren ein. Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
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Professor Dr. Werner Schlake vom Tumorzentrum Emscher-Lippe setzt bei der Diagnose von Brustkrebstumoren auf einen neuen Gensignatur-Test, der vielen Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie ersparen könnte.

Gelsenkirchen.. Rund 60 000 Menschen erkranken deutschlandweit jährlich an Brustkrebs, die meisten von ihnen sind Frauen. Vielen dieser Patientinnen könnte in Zukunft eine belastende Chemotherapie erspart bleiben, denn Wissenschaftler haben einen Gensignatur-Test entwickelt, mit dem man im Vorfeld ermitteln kann, ob der Einsatz einer Chemotherapie wirklich notwendig ist.

Der Gelsenkirchener Pathologe Professor Dr. med. Werner Schlake, Netzkoordinator des Tumorzentrums Emscher-Lippe, setzt in seinem Labor im Pathologischen Institut an der Rotthauser Straße den Gensignatur-Test jetzt auch hier vor Ort ein, um Patientinnen die hohen Belastungen einer Chemotherapie nach Möglichkeit zu ersparen.

„Es gibt eine Reihe von so genannten Hormonsensiblen Tumoren, bei denen das Risiko, dass sie Metastasen im Körper streuen, bei weniger als fünf Prozent liegt. Diese Hormonsensiblen Tumore können inzwischen sehr wirksam mit relativ gut verträglichen Anti-Östrogenpräparaten behandelt werden, die dann wiederum eine Streuung der Tumorzellen im Körper verhindern. Bislang wurde auch bei Patientinnen mit diesen Niedrig-Risiko-Tumoren prophylaktisch eine Chemotherapie gemacht, quasi um auf Nummer Sicher zu gehen. Wenn wir jetzt allerdings im Vorfeld ermitteln, dass diese Chemotherapie nicht notwendig ist, dann können nicht nur die Kosten dafür eingespart werden – man kann den Patientinnen auch sehr viel Leid ersparen. Und darum geht es uns in erster Linie“, sagt der Pathologe und verweist auf aussagekräftige Studien an der Berliner Charité.

„In den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet der Tumorforschung unheimlich viel getan, natürlich ist die Entwicklung dieses Gen-Signatur-Tests nur ein Anfang. Unser Wunsch als Wissenschaftler ist es natürlich, Tumore in Zukunft so genau typisieren zu können, dass wir die Therapie passgenau darauf zuschneiden können“, erklärt er.

Auch bei Prostatakrebs und Darmkrebs habe es schon ähnliche Erfolge bei der Gen-Typisierung gegeben. „Wichtig ist uns auch ein interdisziplinärer Austausch mit den behandelnden Ärzten, um den Patienten die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen“, sagt Professor Werner Schlake – und zeigt auf die Videokamera und das Computersystem an seinem Arbeitsplatz, direkt neben dem Mikroskop. „Im Tumorzentrum Emscher-Lippe sind wir miteinander eng vernetzt und halten regelmäßige Tumorkonferenzen ab. Ein spezielles Verschlüssellungssystem sorgt dabei übrigens dafür, dass keine sensiblen Patientendaten in die falschen Hände gelangen.“

Und praktisch geht die Untersuchung des Tumors jetzt so vonstatten: Der behandelnde Arzt sendet eine in Paraffin eingelegte Gewebeprobe des Tumorgewebes an Professor Schlakes Labor in Gelsenkirchen. Dort wird es von Mitarbeitern genau untersucht und – im Fall von Brustkrebs – mit dem Gensignatur-Test typisiert, was circa drei bis vier Tage dauert. Das Ergebnis kann Professor Schlake dann in der Videokonferenz direkt den behandelnden Ärzten mitteilen – und die wiederum sprechen sich dann mit Strahlentherapeuten, Internisten und Chirurgen in der Konferenz über das weitere Vorgehen ab. „So erhält jede Patientin dann eine individuelle Therapie“, sagt der Pathologe.

 
 

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