Das EnergyLab macht Schule

Jörn Stender
Mitmachexperimente zu Klimawandel und Energietechnik bietet das Labor seit März 2010. Zu den Premieren-Tüftlern gehörte die damals 16-jährige Anna Lena. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Mitmachexperimente zu Klimawandel und Energietechnik bietet das Labor seit März 2010. Zu den Premieren-Tüftlern gehörte die damals 16-jährige Anna Lena. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Standortentwicklung kann auch in sachlich-modernen Schulungsräumen stattfinden. Und mit Viert- bis Sechstklässlern. Über 50 Schulklassen haben allein im ersten Halbjahr 2011 im Wissenschaftspark experimentiert und geforscht.

Windkraft und Solarenergie haben sie dabei beschäftigt. Kindgerecht aufbereitet, gehen Schüler neuen Technologien und dem Klimawandel auf den Grund.

„Das ist ein außerordentlicher Lernort für Arbeitsgemeinschaften oder auch für Exkursionen und Schulausflüge. Wir können verschiedene Module anbieten“. Dafür hat unter anderem Ralf Engelbrecht-Schreiner gesorgt. Er ist Projektmanager des EnergyLabs. Versuchsaufbauten und Forscher-Koffer für die Kinder hat er selbst ausgetüftelt und weiterentwickelt.

Aufgebaut wurde das Labor im März 2010 mit öffentlichen Mitteln der Agentur für Arbeit und Geld der örtlichen Industrie. Schüler messen seither, welche Kraft der Wind hat, welche Power die Sonne entwickelt und sie starten mit ihren Spielautos bei der Wasserstoffrallye, einem Kurshighlight zum Finale durch. Über drei Jahre läuft die Finanz-Verpflichtung. Und das Labor macht Schule. Europaweit.

Wenn sich die Industrie von der Kohle verabschiedet, sind die Probleme überall gleich. Ob in den Bergbauregionen Großbritanniens, in Polen, Frankreich oder Slowenien: Zurück bleiben „viele Flächen mit Wildwuchs drauf“ und die Herausforderungen des Strukturwandels mit vielen oft zähen Versuchen, neue Branchen rund um neues Know How aufzubauen, stellt Heinz-Peter Schmitz-Borchert fest.

Im Wissenschaftspark Gelsenkirchen versucht man, diese Entwicklungs-Lücken zu füllen – mit Ideen und Impulsen, die von der Einrichtung ausgehen sollen. Zu stimulieren, Denkanstöße zu leisten – auch das zählt der Geschäftsführer Schmitz-Borchert daher zu seinen Aufgaben. „Der Wissenschaftspark hat hier eine Art Funktion als Transferzentrum.“

Was hier gedacht und gemacht wird, soll hinaus in die Stadt, ins Land, in die Welt. Internationale Kontakte helfen dabei. Delegationen von China bis zur Türkei, aus Afrika bis zum Balkan geben sich im Laufe der Jahre in Ückendorf die Seminarraum-Klinken in die Hand. Zudem nimmt der Wissenschaftspark seit März 2010 für die Stadt an einem EU-Projekt zum Erfahrungsaustausch rund um den Strukturwandel in Bergbauregionen teil. Zweimal im Jahr treffen sich dazu Partner aus neun Ländern Europas zum Austausch

Und noch etwas, findet Schmitz-Borchert, verbinde die Industrienationen: „An der Ingenieurausbildung hakt es in den meisten Ländern.“ Mit seinen EnergyLabs hat der Wissenschaftspark Gelsenkirchen hier offenbar einen Exportschlager entwickelt. „Überraschend war schon das Interesse im Ausland an den Lehrplänen und Experimenten des Schülerlabors“, sagt er. Der Cleantechcampus in Belgien, ein innovativer Technologiepark rund um neue Recyclingkonzepte, hat beispielsweise großes Interesse signalisiert, das Konzept aus Gelsenkirchen zu übernehmen. Was für Schmitz-Borchert Sinn macht: „Wir habend das Organisations-Know How. Und die Labore sind vergleichsweise unaufwendig und enorm positiv besetzt.“