Christen und Muslime an einem Tisch - Religionen im Dialog in Gelsenkirchen

Viele Gäste trafen sich am Mittwoch beim Friedensfest des Interkulturellen Arbeitskreises.
Viele Gäste trafen sich am Mittwoch beim Friedensfest des Interkulturellen Arbeitskreises.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Im Schatten von St. Augustinus duftete es nach indischer Reispfanne, nach Schmalzbroten, Sesamkringeln und Baklava. Im Kessel dampfte schwarzer Tee. Das Friedensfest des Interkulturellen Arbeitskreises, es war auch ein Familien-, ein Freundschaftsfest, ein Ort der Begegnung mitten in der Stadt. Am Tag der Deutschen Einheit feierte der Arbeitskreis gestern seinen 40. Geburtstag.

Vor vier Jahrzehnten hatte ein weitsichtiger Richard Walter, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rotthausen, den Evangelischen Arbeitskreis für Ausländerfragen gegründet, aus dem inzwischen der heutige Kreis erwuchs.

Respekt, Toleranz und Fairness

Der gilt inzwischen als ältestes Dialogforum Deutschlands. Seit vier Jahrzehnten sitzen Christen und Muslime regelmäßig gemeinsam an einem Tisch, um Probleme des Alltags und der Religion zu lösen, um im Gespräch zu bleiben. Vor fünf Jahren entstand aus dem Dialog ein Trialog, denn die Jüdische Gemeinde gesellte sich ebenfalls dazu. Dem Arbeitskreis gehörten zudem schon früh die Katholische Stadtkirche, die Wohlfahrtsverbände, Schulen, Kindertagesstätten und die Polizei an.

„Respekt, Toleranz, Fairness“, darum bemühen sich die Mitglieder im Miteinander. Pfarrerin Kirsten Sowa, Sprecherin des Arbeitskreises, eröffnete gestern das Friedensfest. Oberbürgermeister Frank Baranowski lobte den Arbeitskreis, weil er Sorge dafür trage, dass niemand in der Stadt mit Aussicht auf Erfolg Glaubensfragen instrumentalisieren könne: „Und das ist sehr viel Wert.“

Die Vielfalt gestalten

Die Vielfalt zu gestalten nannte Superintendent Höcker eine der Aufgaben der Runde. Judith Neuwald-Tasbach von der Jüdischen gemeinde zog als Fazit aus der Arbeit des Kreises die Erkenntnis, „dass wir mehr Gemeinsames als Trennendes haben“. Dass sich die Muslime in Deutschland längst heimisch fühlen, betonte der türkische Religionsattaché Altunkus.

Beim Friedensfest beteten die Menschen gemeinsam, aßen und tranken zusammen, ließen sich unterhalten von deutsch-türkischer Musik und Tanz und vor allem – kamen miteinander ins Gespräch.

„Ist ein türkisches Fest, oder?“ fragt eine vorbeischlendernde Frau den Teeverkäufer und der antwortet stolz: „Nein, das ist ein Fest der Christen, Muslime und Juden!“

 
 

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