Caritas: 50 Hilfe für Eltern und Kinder in Gelsenkirchen

Die Caritas feierte am Donnerstag 50 Jahre Erziehungsberatungsstelle im Augustinushaus. Im Bild Teilnehmer an der  Podiumsdiskussion (v.l.): Markus Kahl (CDU), Stadtdechant Markus Pottbäcker, Sven Lütkehaus (Paritätische GE) und Reinhild Mersch (Diözesanreferentin Caritas Bistum Essen).
Die Caritas feierte am Donnerstag 50 Jahre Erziehungsberatungsstelle im Augustinushaus. Im Bild Teilnehmer an der Podiumsdiskussion (v.l.): Markus Kahl (CDU), Stadtdechant Markus Pottbäcker, Sven Lütkehaus (Paritätische GE) und Reinhild Mersch (Diözesanreferentin Caritas Bistum Essen).
Foto: Joachim Kleine-Büning
Die Caritas Gelsenkirchen feierte am Donnerstag das 50-jährige Bestehen ihrer Erziehungsberatungsstelle.

Gelsenkirchen.  Die Stars an diesem Nachmittag waren nicht die Erwachsenen. Es waren die Kinder. Die Mädchen und Jungen aus den dritten und vierten Klassen der Sternschule, die sich im Augustinushaus als Chor den lang anhaltenden Applaus der Gäste mit einem Geburtstagsständchen und einer so eigenwillig wie gekonnten Interpretation der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms verdienten.

Der Anlass war ein Geburtstag, ein runder noch dazu. Die Caritas feierte das 50-jährige Bestehen ihrer Erziehungsberatungsstelle. Caritasdirektor Peter Spannenkrebs erinnerte in einem Grußwort an die Anfänge im Jahr 1966. „Was damals auf rund 400 Quadratmetern begann, findet heute nur noch zu einem Bruchteil in der Kirchstraße statt. Die Arbeit leisten wir größtenteils draußen, vor Ort.“ Die Beratungsstelle sei da, wo die Probleme auftreten würden. Es gäbe auch immer weniger Einzelfallhilfen, sondern deutlich mehr Gruppenangebote. Spannenkrebs: „Dazu nehmen wir auch professionelle Hilfe von außen in Anspruch.“ Etwa in der Form von Netzwerken.

Die Herausforderungen der Zukunft

Die Herausforderungen der Zukunft erkennt der Caritasdirektor vor allem in der steigenden Armut von Kindern und Familien. „Das wird verstärkt durch die Zuwanderung“, meinte Spannenkrebs mit Blick auf soziale Schieflagen, die durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union wachsen.

Peter Renzel, Sozialdezernent der Stadt Essen, lieferte in einem Impulsreferat den Inhalt, der später in einer Podiumsdiskussion verstärkt wurde. Der Christdemokrat sprach von der Rolle der Erziehungsberatung als Seismograph für den Wandel und die Umbrüche in einer Gesellschaft. 1906 sei in Berlin die erste „Medico-pädagogische Poliklinik für Kinderforschung, Erziehungsberatung und ärztliche Behandlung“ gegründet worden. Die Bezeichnung Erziehungsberatungsstelle ginge dagegen auf die in den 1920er Jahren in Wien geschaffenen kommunalen Einrichtungen zurück. „Damals, im Jahr 1928, gab es rund 42 Beratungsstellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Netz deutlich ausgeweitet. Im Jahr 1984 waren es dann bereits 800 Stellen in Deutschland“, berichtete Renzel.

Das Hamsterrad der Armut

Auch der Essener Sozialdezernent nannte Armut als einen Auslöser für den Werteverfall. Renzel erinnerte daran, dass in Gelsenkirchen 40 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Familien lebten, die Hartz IV beziehen würden: „Es ist ein langer Atem nötig, um aus dem Hamsterrad der Armut herauszukommen.“ Einen goldenen Weg gäbe es nicht. Renzel flankierte damit die Aussage von Peter Spannenkrebs, der als ein wesentliches Ziel der Beratung die Beseitigung von Kinderarmut als Ursache für Bildungsarmut bezeichnet hatte.

 
 

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