Callcenter Tectum zog Insolvenzantrag wieder zurück

Klaus Johann
An der Leithestraße in Gelsenkirchen ist die Zentrale des Callcenters.850 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.
An der Leithestraße in Gelsenkirchen ist die Zentrale des Callcenters.850 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.
Foto: WAZ
Obwohl das Amtsgericht Gelsenkirchen schon einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hatte, hat der Callcenter-Betreiber Tectum seinen Insolvenzantrag wieder zurück gezogen. Mitarbeiter rätseln, wie sich die finanzielle Situation ihres Arbeitgebers tatsächlich darstellt.

Gelsenkirchen. Der Callcenter-Betreiber Tectum kommt nicht zur Ruhe. In den letzten Monaten war der Kommunikationsdienstleister regelmäßiger Gast beim Arbeitsgericht. Meistens verlor er in Kündigungsschutzverfahren den Rechtsstreit mit ehemaligen Mitarbeitern. Am 13. Dezember hatte Geschäftsführer Dr. Matthias Eickhoff für Tectum Sales und Tectum Professional in Gelsenkirchen sowie für die Standorte Essen und Dortmund Insolvenzanträge gestellt.

Für das Insolvenzeröffnungsverfahren hatte das Gericht Dr. Frank Kebekus aus Düsseldorf zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Doch zog Tectum-Chef Eickhoff den Antrag drei Tage später wieder zurück. Er begründet den Schritt mit einer technischen Überschuldungssituation im Zusammenhang mit dem Kauf der restlichen Anteile an Tectum. Übers Wochenende sei das Hindernis beseitigt worden.

Drei Tage vor dem Insolvenzantrag

Mitarbeiter rätseln, wie sich die finanzielle Situation ihres Arbeitgebers tatsächlich darstellt. Drei Tage vor dem Insolvenzantrag hatte Matthias Eickhoff als Mitgesellschafter der Tectum Consulting GmbH auch die Anteile der Miteigentümer „Quadriga Capital“ und Andreas Alex gekauft. Eickhoff wurde somit zum alleinigen Gesellschafter der Consulting mit den Töchtern Tectum Sales und Tectum Professional Services. „Wir sind aktiv in den Markt zurückgekehrt“, verband Firmenchef Eickhoff mit dem Kauf eine systematische Zukunftsperspektive.

Ein Schutzschirmverfahren, das im Juli aufgehoben wurde, hatte Tectum vor der Insolvenz bewahrt. Über eine Million Euro dürfte Eickhoff, der als harter Sanierer gilt, allein an Gerichts- und Anwaltskosten bezahlt haben. In seinen Duellen vor dem Arbeitsgericht muss er überwiegend die Verliererrolle übernehmen. In den meisten Fällen hatte sich Tectum willkürlich von Mitarbeitern getrennt, ohne zwingend erforderliche Sozialauswahl. Entweder wurde Arbeitnehmern, die ihr Kündigungsschutzverfahren gewonnen hatten, nochmals gekündigt oder die Wiedereingliederung in den Betrieb erschwert. Viele fühlen sich gemobbt, schikaniert und kontrolliert. Der ursprüngliche arbeitsvertragliche Inhalt hatte nichts mehr mit ihrem neuen Einsatz zu tun.

Matthias Eickhoff scheint auf Zeit zu spielen, um ehemalige Mitarbeiter zu zermürben. Erfahrungen sammeln konnte der Tectum-Chef schon länger. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens MBei Consult. Die Kölner Gesellschaft versteht sich als Unternehmensplaner, Entwickler von Personalkonzepten und Sanierer.