Bildung zwischen Schule und Chillen

Inge Ansahl
Manuel Hetzinger und Katia Heibel organisierten die Fachtagung in Bismarck.
Manuel Hetzinger und Katia Heibel organisierten die Fachtagung in Bismarck.
Foto: WAZ
Fachkräfte aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Gelsenkirchen diskutierten Montag im Fritz-Steinhoff-Haus über Möglichkeiten und Bestehendes für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlicher sozialer Herkunft aus den verschiedensten Schulformen.

Gelsenkirchen. Prof. Dr. Ulrich Deiner von der FH Düsseldorf ist erklärter Verfechter der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Und traf als Gastreferent am Montag auf eine große Runde Gleichgesinnter im Falkenzentrum am Greitenstieg. Es ging um Bildung in der OKJA, um Angebote für den Freiraum junger Leute zwischen schulischem Lernpensum und Chillen. Wobei wohlgemerkt Letzteres keinesfalls verteufelt wird.

Fachkräfte aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Gelsenkirchen diskutierten Möglichkeiten und Bestehendes für die altersgemischten Nutznießer mit unterschiedlicher sozialer Herkunft aus den verschiedensten Schulformen. Ein Ziel der Tagung formulierte Katia Heibel, pädagogische Koordinatorin des Bauvereins Falkenjugend und in Bismarck zuständige Koordinatorin für das Projekt Bildung(s)gestalten, so: „Wir wollen die OT-Mitarbeiter sensibilisieren für die Bildungsarbeit in unserem Bereich.“

Selbstorganisation lernen

Auch wenn Ganztagsschulen den Nachwuchs immer stärker einbinden würden, so sei doch mehr als die Hälfte eines Jahres schulfrei, rechnete Manuel Hetzinger am Rande der Tagung vor. Der zentrale Projektkoordinator der „Bildung(s)gestalten“ betonte, die Jugendzentren hätten darauf bereits reagiert. Zum Beispiel in Form veränderter Öffnungszeiten. Ein Plus der OKJA: „Unsere Stärke ist die informelle Bildung.“

Wie aber sieht die viel zitierte Bildung in einem Jugendzentrum konkret aus? Katia Heibel macht das an Kultur-Projekten in Kooperation mit Consol fest. die Jugendlichen hätten den Wunsch geäußert, ein Konzert zu veranstalten, „und haben das vom Flyer bis zum Thekendienst selbst organisiert.

Alle Beteiligten lernen Selbstorganisation

Dabei waren viele Abstimmungsprozesse notwendig. Woran müssen wir denken, wer macht was?“ Das sei ein Paradebeispiel für Bildungsarbeit, bei der alle Beteiligten Selbstorganisation lernen würden. Heibel weiter: „Die Lernformen, die wir anwenden, setzen in letzter Konsequenz auf Eigenverantwortlichkeit. Wenn Kinder und Jugendliche hier einen Raum gestalten, dann bleibt der so, da kommt kein Hausmeister und macht wieder sauber.“

Was der OKJA immer fehlt, ist ... Geld. Am Greitenstieg ist die Lage durch die Bildung(s)gestalten zurzeit rosiger als anderswo. „Wir können mehr Projekte anbieten“, sagt Katia Heibel. Und setzt ergo gleich nach: „Eigentlich bräuchte jedes Haus seine Bildungsgestalten.“ Manuel Hetzinger untermauert das grundsätzliche Manko. Laut Strukturdatenerhebung des Landes aus dem Jahr 2011 trifft die OJKA in NRW über neun Prozent der Kernzielgruppe, also die Acht- bis 18-Jährigen. Aus der Landesstrukturförderung gebe es dafür insgesamt 25,7 Mio. Euro. Insgesamt – zu wenig ...

Bildung(s)gestalten Ende 2011 auf den Weg gebracht

In Bismarck ist das Projekt Bildung(s)gestalten im Kinder- und Jugendzentrum Fritz-Steinhoff-Haus angesiedelt. Es wird vom Bauverein Falkenjugend getragen und vom Land NRW und der Anneliese-Brost-Stiftung gefördert. Mit im Boot ist ebenfalls die Arbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW. Das Zunächst auf drei Jahre befristete Projekt Bildung(s)gestalten wurde Ende 2011 im Fritz-Steinhoff-Haus offiziell aus der Taufe gehoben. Auf den Punkt gebracht hat das 1,15 Mio.-Euro-Projekt an fünf Standorten in NRW zum Ziel, allen Kindern Bildungschancen auch im außerschulischen Bereich zu eröffnen und dazu obendrein Netzwerke im Stadtteil zu knüpfen.