Bereket kauft Stauffenberg-Standort in Gelsenkirchen

Jörn Stender
In der ehemaligen Stauffenberg-Brotfabrik an der Wembkenstraße in  Rotthausen will der türkische Großbäcker Bereket aus Bochum-Wattenscheid  einen weiteren Standort einrichten. Der Probebetrieb ist bereist angelaufen. Die Geschäftsführer-Brüder Aytac und Atila (re.) Yavuz wollen den Standort vor allem als Logistik-Drehkreuz nutzen.
In der ehemaligen Stauffenberg-Brotfabrik an der Wembkenstraße in Rotthausen will der türkische Großbäcker Bereket aus Bochum-Wattenscheid einen weiteren Standort einrichten. Der Probebetrieb ist bereist angelaufen. Die Geschäftsführer-Brüder Aytac und Atila (re.) Yavuz wollen den Standort vor allem als Logistik-Drehkreuz nutzen.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
  • Bereket Brot aus Wattenscheid hat an der Wembkenstraße Gebäude und Maschinenpark übernommen
  • Am alten Stauffenberg-Standort sollen bald bis zu 100 Beschäftigte arbeiten – vor allem in der Logistik
  • Die Brotfabrik beendete nach zwei Insolvenzen 2015 den Betrieb, zuletzt arbeiteten dort 160 Personen

Gelsenkirchen. Der Stauffenberg-Schriftzug steht noch an der Fassade und erinnert an die Brotfabrik in Rotthausen, an 113 Jahre Firmengeschichte, an eine schmerzliche Pleite mit Betrug und getäuschten Hoffnungen, mit Jobverlust für 2015 noch 160 Mitarbeiter. Auf einem ausgedruckten Lieferanten-Hinweis am Eingangstor wird die Zeitenwende in Rotthausen deutlich: Bereket Brot hat die Regie an der Wembkenstraße übernommen.

Verhandlungen dauerten ein Jahr

Die Unternehmensgruppe mit Sitz am Mausegatt 14 in Wattenscheid und weiteren Standorten in Herne und Duisburg hat Gebäude und Maschinenpark gekauft. Schon liegt wieder der altvertraute Bäckerei-Geruch über dem Gelände – bislang allerdings nur aus dem Probebetrieb. In rund zwei Monaten, schätzt man bei Bereket, wird man einen Teil der Produktion hochfahren können, vier w eitere Produktionslinien sollen folgen – langfristig auch mit traditionell deutschen Backwaren. Bereket ist bislang vor allem spezialisiert auf ethnische Produkte – Fladenbrot, Sesamkringel, türkisches Brot.

In Wattenscheid – übrigens ein alter Stauffenberg-Standort und seit 1997 Bereket-Sitz – hatte sich der Großbäcker lange um eine Expansion am Standort bemüht. Vergeblich. Letzten Sommer haben sich die Brüder Aytac und Atila Yavuz, Bäckerei-Chefs in zweiter Generation, schließlich neu orientiert, den Betrieb an der Wembkenstraße als neuen Standort ins Auge gefasst. „Fast ein Jahr hat es gedauert, bis wir das hinbekommen haben“, sagt Aytac Yavuz. Die Verhandlungen über die Insolvenzmasse, hört man heraus, waren alles andere als einfach.

Von einer Komplettverlagerung haben die Yavuz’ allerdings Abstand genommen. Bereiche des Standorts Wattenscheid werden nach Rotthausen ziehen. Vor allem will die Unternehmensgruppe Bereket hier ihre Logistikaktivitäten bündeln und erweitern. Gut 100 Arbeitsplätze werden Zug um Zug nach Gelsenkirchen verlagert, dauerhaft rechnen die Geschäftsführer auch mit Neueinstellungen.

„Bereket ist durchaus einer der Großen in der Branche. Wenn die Dinge funktionieren, können sie auch wachsen“, sieht Oberbürgermeister Frank Baranowski neue Perspektiven „für den etablierten Bäckereistandort“. Wirtschaftsförderungsdezernent Dr. Christopher Schmitt setzt darauf, dass Bereket „die Entfaltungsmöglichkeiten nutzen wird, „die sich hier bieten“. Die Ansiedlung zeige ihm auch, dass „der Wirtschaftsstandort Gelsenkirchen gerade für Unternehmen mit türkischen Wurzeln sehr attraktiv ist.“

Kunden in ganz Europa

Bereket beliefert rund 1200 Einzelhändler im Revier direkt und vertreibt im Frischebereich mit Handelspartnern seine Brote bundesweit, die Tiefkühlprodukte gar in ganz Europa. Als ideale Chance, Logistik und Kommissionierung zu optimieren und dauerhaft auszubauen, sieht Aytac Yavuz den Betrieb. 3000 Quadratmeter hat die alte Stauffenberg-Auslieferungshalle. „Das ist ungefähr viermal zu groß wie unser Lager in Wattenscheid“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. „Dort sind wir längst an Grenzen gestoßen.“